Update

Alarmierender Anstieg von Adipositas bei jungen Männern

09.11.2023 2 Min. Lesedauer

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an krankhaftem Übergewicht. Binnen zehn Jahren schnellte die Zahl der Patienten mit Adipositas-Diagnose um 30 Prozent auf elf Prozent in 2022 hoch. Die Krankenkasse KKH bestätigte heute entsprechende Daten, über die die Funke-Zeitungen berichteten. Danach ist nun jeder Neunte fettleibig. Erfasst sind nur offizielle Diagnosen, die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Besonders alarmierend ist der steile Anstieg bei jungen Männern zwischen 25 und 34 Jahren. Bei ihnen schossen die Adipositas-Fälle laut KKH-Auswertung sogar um rund 66 Prozent hoch. Auch insgesamt sind Männer stärker betroffen als Frauen.

Zugleich beobachtet das Robert-Koch-Institut (RKI) eine Zunahme von Diabetes-Erkrankungen während der Pandemie. Danach stieg die Inzidenz von Typ-1-Diabetes zwischen 2015 und 2021 von 9,5 auf 11,6 pro 100.000 Personen. Die Fälle von Typ-2-Diabetes fielen 2020 zunächst auf 629 pro 100.000 Personen, stiegen dann aber 2021 auf 740 Fälle pro 100.000 Personen an. Der Anstieg sowohl von Typ-1- als auch von Typ-2-Diabetes im Kontext der Pandemie weise darauf hin, „dass die Kontrolle der Glukosestoffwechselwerte bei Personen mit einer zurückliegenden SARS-CoV-2-Infektion eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern könnte“, so die Forscher. 

Deutschland reiht sich damit in einen weltweiten Trend ein. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) steigt der Anteil übergewichtiger Menschen seit 2000 in den meisten Ländern an. Daten zum Körpergewicht liegen aus 16 OECD-Staaten vor. Danach sind inzwischen 26 Prozent der Erwachsenen krankhaft fett und 60 Prozent mindestens übergewichtig. Besonders dramatisch ist die Lage in den USA. Dort sind bereits 43 Prozent adipös. Adipositas erhöht das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Krebs, Herzinfarkt, Bluthochdruck und Schlaganfall.

Die Pharmaindustrie sieht einen riesigen Markt. Nach „Wegovy“ ließ die US-Gesundheitsbehörde FDA nun mit „Zepbound“ eine zweite Abnehmspritze zu. Auch in Europa ist der Wirkstoff Semaglutid unter dem Namen „Wegovy“ zum Abnehmen verfügbar, ist aber als Lifestyle-Medikament keine Kassenleistung. Die Mittel verlangsamen unter anderem die Magenentleerung. Ihr medizinischer Nutzen ist noch fraglich. „Es ist derzeit unklar, ob und in welchem Ausmaß Semaglutid bei adipösen und übergewichtigen Menschen Folgeerkrankungen verhindern kann“, schreibt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Bei Absetzen kehrt das verlorene Gewicht zudem in der Regel laut Studien zurück. (cm)

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.