AOK übernimmt Mehrkosten für Asthmaspray
Bei Lieferengpässen für ein Atemwegsmedikament sollen Versicherte vorläufig keine Aufzahlungen leisten. Ab dem 1. Februar gilt eine Ausnahmeregelung für salbutamolhaltige Dosieraerosole. Das teilte der AOK-Bundesverband heute mit. Salbutamol gehört zu den wichtigsten Wirkstoffen in der Behandlung von Asthma bronchiale und der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Hintergrund sind anhaltende Versorgungsprobleme. Die Ausnahmeregelung endet, wenn der durch das Bundesgesundheitsministerium bekanntgegebene Versorgungsmangel nicht mehr besteht.
Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, sieht in dem Schritt ein notwendiges Signal, verwies aber zugleich auf grundsätzliche Defizite: „Angesichts der immer wieder vorkommenden Liefer- und Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln fordern wir effektivere Maßnahmen für mehr Versorgungssicherheit.“ Zwingend nötig sei ein verbindliches Frühwarnsystem entlang der gesamten Lieferkette. „Außerdem sollten die Bevorratung und Lagerhaltung beim Großhandel und in den pharmazeutischen Unternehmen auch jenseits der bestehenden Rabattverträge ausgebaut werden“, forderte Reimann. Um Zuzahlungen zu vermeiden und die kontinuierliche Behandlung sicherzustellen, hatten die AOKs bereits in den vergangenen Wochen Übergangslösungen ermöglicht.
Bereits Mitte Januar hatte der AOK-Bundesverband ein Grundsatzpapier zur Arzneimittelversorgung formuliert. Darin warnt er vor einer zunehmenden finanziellen Überlastung der gesetzlichen Krankenversicherung. Allein 2024 beliefen sich die Arzneimittelausgaben der GKV auf 59,3 Milliarden Euro – ein Plus von mehr als neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Haupttreiber seien patentgeschützte Medikamente mit freier Preisbildung in den ersten Monaten nach Markteintritt. Für mehr Versorgungssicherheit setzt die AOK weiterhin auf Rabattverträge, deren Wirksamkeit sie durch Studien belegt sieht.
Aktuelle Auswertungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zeigen zudem Engpässe bei Psychopharmaka und Antibiotika. Bei den Antipsychotika waren 2025 demnach 151 Präparate durchschnittlich 230 Tage lang nicht verfügbar. Bei Antidepressiva betraf das 126 Arzneimittel im Durchschnitt 107 Tage lang. Zusätzlich seien insgesamt 78 Antibiotika-Präparate zwischenzeitlich nicht lieferbar gewesen. Ein zentraler Grund für den Mangel sei die starke Konzentration der Arzneiproduktion auf einige wenige Hersteller, vorwiegend in China und Indien. „Kommt es dort zu Produktionsproblemen, Qualitätsmängeln oder Störungen in den Lieferketten, macht sich das ganz schnell auch in Apotheken in Deutschland bemerkbar, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried. (fb)
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