Kommentar: Das Vorbild Doctolib
Patientensteuerung ist möglich und funktioniert. Doch ohne mehr Digitalisierung geht es nicht. Ein Kommentar von Dr. Christian Geinitz, Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Immer mehr gesetzlich Krankenversicherte haben das Gefühl, für höhere Beiträge allenfalls eine gleichbleibende, mitunter gar eine schlechtere Versorgung zu erhalten. In Arztpraxen zeigt sich das an langen Wartezeiten. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse wartet mehr als die Hälfte der Patienten länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin. Bei Hausärzten geht es schneller.
An zu wenig Geld oder fehlenden Gesetzen liegt es nicht. Das 2019 in Kraft getretene Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) bietet Finanzanreize für Fachärzte, die Patienten schneller dranzunehmen. Gebracht habe es aber nichts, rügt der Bundesrechnungshof: Bis Mitte 2024 hätten die Mehrausgaben der GKV 2,9 Milliarden Euro betragen, die Wartezeit der Patienten habe dennoch nicht abgenommen. Das mag auch an fehlenden Praxen und an der sinkenden Arbeitszeit der Ärzte liegen. Sie betrug 2014 noch im Schnitt 41,3 Wochenstunden, bis 2023 sank sie auf 34,5.
„An zu wenig Geld oder fehlenden Gesetzen liegen die Wartezeiten nicht.“
Wirtschaftskorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
An mehr Digitalisierung und Patientensteuerung führt kein Weg vorbei. Insofern gehen die Ideen von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zur Notfall- und zur Primärversorgung in die richtige Richtung. Am Anfang muss eine telefonische oder digitale Ersteinschätzung stehen. Dort oder am „Tresen“ der Klinik oder der Hausarztpraxis wird entschieden, ob überhaupt eine speziellere Versorgung nötig ist.
Patienten, die sich darüber hinwegsetzen, warten länger oder müssen zahlen. Wer sich aber lotsen lässt, für den muss es schnell einen Termin geben. Dafür ist eine einheitliche digitale Plattform nötig, in die Arztpraxen feste Kassenterminkontingente einstellen müssen.
Wie das geht, zeigen Privatanbieter wie Doctolib. Man darf ihnen nicht das Feld überlassen, kann aber von ihnen lernen, wie elektronische Lösungen aussehen.
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