Zeitschriftenschau
In jeder Ausgabe kuratiert G+G Beiträge aus Fachzeitschriften und gibt einen Einblick in den aktuellen Stand von Forschung und Wissenschaft.
Gute Prognose bei kindlicher Neurodermitis
In einer prospektiven Kohortenstudie verfolgten Forscher die Entwicklung der atopischen Dermatitis (AD) von der Geburt bis ins Erwachsenenalter, um Muster individueller Krankheitsverläufe zu erkennen. Grundlage war die Multicenter Allergy Study (MAS), die Daten über 30 Jahre erfasste. Inzidenz und Prävalenz erreichten in den ersten fünf Lebensjahren ihren Höhepunkt und gingen danach zurück. 87 Prozent der früh erkrankten Kinder erlebten bis zum 30. Lebensjahr eine Remission. Je älter Kinder beim Ausbruch waren, desto wahrscheinlicher war die Abheilung. Risikofaktoren für einen persistierenden Verlauf waren ein früher Krankheitsbeginn im ersten und zweiten Lebensjahr, weibliches Geschlecht, allergische Sensibilisierung, Asthma und Rhinitis. Eine frühe Identifikation dieser Gruppen ermöglicht gezielte, immunmodulierende Therapien.
Bluttest sagt Asthma-Schübe voraus
Ein internationales Forscherteam vom Karolinska-Institut und vom Mass General Brigham hat ein Bluttestmodell entwickelt, das Asthmaexazerbationen über mehrere Jahre vorhersagen kann. Durch Metabolomic-Profiling wurden Verhältnisse bestimmter Sphingolipide zu Steroiden als aussagekräftige Marker identifiziert. Diese Sphingolipid-Steroid-Ratios sagten Exazerbationen deutlich präziser voraus als klinische Parameter wie FEV1 oder die Eosinophilenzahl. Das Modell, basierend auf 2.513 Patienten, erreichte AUC-Werte bis 0,90. Ein AUC-Wert von 0,90 bedeutet, dass das Vorhersagemodell sehr zuverlässig zwischen Patienten mit und ohne zukünftige Exazerbation unterscheiden kann. Es gilt als kostengünstig, direkt einsetzbar und eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Asthmatherapien.
Beschleunigte Hypophosphatasie-Diagnostik
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie machte darauf aufmerksam, dass die Diagnose der seltenen Stoffwechselerkrankung Hypophosphatasie (HPP) im Durchschnitt sechs bis acht Jahre dauert – zu lange, um Folgeschäden wie Knochenbrüche zu verhindern. Ursache ist eine genetisch bedingte Störung der alkalischen Phosphatase, die die Mineralisation von Knochen und Zähnen beeinträchtigt. Betroffene leiden häufig unter Muskelschmerzen, Frakturen und frühem Zahnverlust. Laut den 2024 erstmals vorgelegten internationalen Diagnosekriterien gilt HPP als bestätigt, wenn zwei Major- oder ein Major- und zwei Minor-Kriterien wie genetische Varianten, erhöhte Substrate der AP (Vitamin B6 u.a.), schlecht heilende Frakturen oder chronische Schmerzen vorliegen. Eine frühzeitige Erkennung verbessert die Therapiechancen erheblich.
Antidepressiva nach Verträglichkeit verordnen
Eine im Lancet veröffentlichte systematische Überprüfung und Netzwerk-Metaanalyse von 151 Studien mit über 58.000 Teilnehmenden zeigt deutliche Unterschiede in den Nebenwirkungen von Antidepressiva, vor allem bei Gewicht, Herzfrequenz und Blutdruck. Nieren-, Leber- und Elektrolytwerte bleiben meist unbeeinflusst. Da die Wirksamkeit der Präparate vergleichbar ist, sollten Nebenwirkungsprofil, Sicherheitsaspekte und Patientenpräferenzen die Wahl des Antidepressivums bestimmen. Die NVL empfiehlt, Nebenwirkungen besonders während der Aufdosierung regelmäßig zu erfassen, um die Adhärenz zu fördern und Therapieabbrüche zu vermeiden.
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