Kommentar: Warkens steiniger Weg
Die geplante Primärversorgung bietet große Chancen, doch müssen die Bedingungen stimmen.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) möchte dem kranken Gesundheitswesen ein „Primärversorgungssystem“ verschreiben, damit es effektiver und funktionstüchtiger wird. Die große Idee: der Hausarzt als Lotse der Patienten. Die sollen dazu verpflichtet werden, vor dem Facharztbesuch grundsätzlich den Hausarzt aufzusuchen. Auf diese Weise sollen überflüssige Termine beim Facharzt reduziert werden und die gesamte Behandlung gesteuerter und zielgerichteter erfolgen. Warken hat für das Vorhaben viel Kritik einstecken müssen. Ist sie berechtigt?
Es gibt Schätzungen, wonach bei besserer Steuerung 100 Millionen unnötige Facharztbesuche entfallen könnten – eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Aber man muss nicht ins Blaue spekulieren: Bei der hausarztzentrierten Versorgung der AOK Baden-Württemberg reduzierten sich die Facharztbesuche ohne Überweisungen im Vergleich zur Regelversorgung um die Hälfte.
„Der Plan wird nicht automatisch zum Ziel führen.“
Parlamentsredakteur für Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten
Das heißt nicht automatisch, dass Warkens Weg zum Ziel führt. Das Konzept ist eng an Bedingungen geknüpft, die die Ministerin kaum garantieren kann: Die Hausarztpraxen müssen mit der gesteigerten Nachfrage zurechtkommen können. Sonst entstünde ein neuer Flaschenhals. Also braucht es mehr Assistenzpersonal und digitale Lösungen, um die Terminvergabe sicher und schnell steuern zu können. Sollen Hausärzte zum Lotsen werden, müssen sie erreichbar sein. Das ist eine hohe Hürde: Es gibt heute schon Regionen mit deutlicher Unterversorgung.
Und auch das ist wichtig: Wenn Fachärzte weniger Aufkommen durch mehr Untersuchungen ausgleichen würden, wäre nichts gewonnen. Die Reform müsste also auch durch eine veränderte Vergütungssystematik ergänzt werden.
Warkens Plan ist gut. Aber wenn er funktionieren soll, müssen die Voraussetzungen stimmen.
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