Buchrezensionen
G+G stellt jeden Monat Bücher und Podcasts aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Pflege, Versorgung und Wissenschaft vor.
Gesundheitspolitik
Eigenverantwortung im Faktencheck
Der Begriff ist ein Dauerbrenner: Eigenverantwortung. Der Mediziner und Soziologe Bertram Häussler zeigt in seiner kompakten, präzisen Analyse, wie widersprüchlich und historisch wandelbar die „Allzweckwaffen“ Eigenverantwortung und Selbstbeteiligung eingesetzt werden – besonders in Krisenzeiten, meist als rhetorisches Manöver und selten als klar definiertes Steuerungsinstrument. Hinzu kommt: Forderungen nach mehr Eigenverantwortung bergen hohes Konfliktpotenzial – denn eigenverantwortlich handeln kann man nur, so das Fazit, wo Handlungsspielräume bestehen.
Bertram Häussler: Eigenverantwortung in der Gesundheitspolitik. Baden-Baden, 2025, Nomos, 120 Seiten, 34 Euro
Gleichberechtigung
Körper, Medizin und Selbstbestimmung
Das Buch beleuchtet die Auswirkungen patriarchaler Strukturen auf Gynäkologie und reproduktive Medizin. Die Gynäkologin Alicia Baier verbindet medizinische Expertise mit gesellschaftlicher Einordnung und plädiert für körperliche Selbstbestimmung als zentrales Gesundheitsanliegen. Die klare Argumentationslinie lässt stellenweise nur vereinzelt alternative Sichtweisen anklingen. Strukturierte Kapitel, verständliche Sprache und praxisnahe Beispiele erleichtern den Zugang. Ein Sachbuch mit hoher Relevanz für Gesundheitsaufklärung und gesellschaftliche Debatten.
Alicia Baier: Das Patriarchat im Uterus. München, 2025, Droemer, 352 Seiten, 22 Euro
Social-Media
Generation im Onlinemodus
Die These klingt drastisch: Die Smartphone‑Revolution hat eine ganze Generation in eine psychische Krise gestürzt, so der US-Sozialpsychologe Jonathan Haidt. Die Social-Media‑Dominanz beim Nachwuchs führe dabei zu gesellschaftlicher Vereinzelung, weniger persönlichem Miteinander und höherer seelischer Belastung. Haidt untermauert seinen Befund mit Statistiken und Studien: Der Übergang von einer „spielbasierten Kindheit“ zu einer „smartphonebasierten Kindheit“ sei ein historischer Fehler – die Selfie‑Kultur unter Kindern und Jugendlichen, die „große Neuverdrahtung“, müsse korrigiert werden. Haidts Buch – teils alarmistisch in der Diktion – ist kein kulturpessimistischer Endzeitentwurf, sondern eine Handlungsanleitung. Sicher, die Lösungsvorschläge des „Warnrufs“ klingen bekannt, sie sind dennoch plausibel: Kinder später ans Smartphone lassen, Social Media erst ab 16 und Schulen konsequent handyfrei halten.
Jonathan Haidt: Generation Angst – Wie wir unsere Kinder an die virtuelle Welt verlieren und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen. Hamburg, 2025, Rowohlt, 445 Seiten, 16 Euro
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