Blickwinkel Versorgung

Kommentar: Warken muss sich was trauen

21.01.2026 Jürgen Klöckner 2 Min. Lesedauer

Die Gesundheitsministerin steht bei der Pflege weiterhin vor einer Mammutaufgabe. Ein Kommentar von Jürgen Klöckner, Redaktionsleitung POLITICO / Head of Pro Germany.

Eine Pflegende Person hält die Hand einer alten Frau.
Gesundheitsministerin Warken steckt in einer Zwickmühle zwischen einem Sparkurs und stabil bleibenden Beiträgen zur Pflegeversicherung.
Foto: Porträt von Jürgen Klöckner, Redaktionsleitung POLITICO / Head of Pro Germany
Jürgen Klöckner, Redaktionsleitung POLITICO / Head of Pro Germany

Man kann der Kommission zur Pflegereform vieles vorwerfen – aber sicher nicht, dass sie sich überarbeitet hätte: Monate des Denkens, vier Dutzend Seiten Papier, null Entscheidungen. Viel „prüfen“, viel „weiterentwickeln“.

Für die Gesundheitsministerin ist das ein Problem. 2026 wird für sie zum Albtraum. Ihr Kalkül war, dass die Kommission übernimmt, was in Koalitionen selten gut funktioniert: Klartext reden. Konkrete Vorschläge machen, wie man die Pflegeversicherung wieder flottkriegt – so konkret, dass sie nur noch nicken und umsetzen muss. Das Gegenteil ist eingetreten. Die Vorschläge sind so weichgespült, dass Nina Warken jetzt carte blanche hat. Sie fängt bei Null an. Sie hat ein Jahr für Reformen verloren – und steht vor der Aufgabe, eine Pflegereform zu entwerfen, die nichts kosten darf, aber alles besser machen soll. Viel Spaß.

Und die Gräben sind größer denn je. Die Beiträge dürfen nicht steigen – was in Unionssprache heißt: weniger ausgeben, und in SPD-Logik: mehr einnehmen. Die Länder? Mal so, mal so – je nach Kassenlage. Soll heißen: Warken muss nun die Brücke bauen. In Gummistiefeln. Bei Gegenwind.

„Die AG-Vorschläge sind so weichgespült, dass Warken jetzt carte blanche hat.“

Jürgen Klöckner

Redaktionsleitung POLITICO / Head of Pro Germany

Die CDU-Politikerin muss sich vorwagen in ein Terrain, das die Kommission gemieden hat: dorthin, wo es politisch richtig weh tut. In den Konflikt mit den Ländern, die endlich ihre Investitions- und Ausbildungspflichten erfüllen sollen. In den Konflikt mit Finanzminister Lars Klingbeil, um Geld für Corona-Folgekosten und versicherungsfremde Leistungen einzutreiben. In den Konflikt mit den Sozialdemokraten, um Leistungskürzungen und Kapitaldeckung durchzusetzen. Und auch in den Konflikt mit der eigenen Partei und möglicherweise auch dem Kanzler – zum Beispiel über eine höhere Beitragsbemessungsgrenze. Denn sonst zahlt am Ende wieder irgendwer. Meistens sind es die, die keine Lobby haben.

Illustration (farblich gehalten in lila): Aus der Vogelperspektive sind 5 Menschen in einem Raum zu sehen. Sie stehen um einen Sockel herum, auf dem ein Tablett mit der Aufschrift "Zusatznutzen" steht und in dessen Mitte liegt eine goldene Pille. Die Person links im Bild hat ein Preisschild in seiner Hand, auf dem ein Eurozeichen abgebildet ist. Von oben kommt ein Lichtkegel, der die Pille und das Tablett besonders hervorhebt.
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