Forumsformat Gesundheitssystem

Buchrezensionen

21.01.2026 Oliver Rast 3 Min. Lesedauer

G+G stellt jeden Monat Bücher und Podcasts aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Pflege, Versorgung und Wissenschaft vor.

Foto: In einer riesigen Bücherwand stehen hunderte Bücher.
Welche neuen Bücher und Podcasts gibt es im Gesundheitsbereich – G+G stellt sie vor.

Transgressionsgesellschaft

Foto: Cover von: Thorsten Benkel, Robert Gugutzer (Hrsg.): Extreme Körper. transcript Verlag

Der Körper als Experimentierfeld

Grenzen überschreiten, Normen brechen, Exzesse feiern – mit dem eigenen Körper. Das „Normale“ erodiert, das „Anormale“ expandiert. Die Gegenwartsgesellschaft ist zur Transgressionsgesellschaft geworden, erklären die Herausgeber des Sammelbandes, versinnbildlicht in körperlichen Extremen: in der Sexualität (KI-generierte „Liebespuppen“), im Sport (Mixed Martial Arts) oder in ästhetischer Chirurgie (Eyeball Tattoo). Die Verfasser verzichten auf „Krankheitsbefund und Therapieangebot“, präferieren in ihrer körpersoziologischen Zeitdiagnose aber die Seite der „Normalitätsabweichler“.

Thorsten Benkel, Robert Gugutzer (Hrsg.): Extreme Körper. Bielefeld, 2025, transcript Verlag, 414 Seiten, 32 Euro

KI-gestützte Sprachmodelle

Foto: Cover von: Volker Busch, „Gehirn gehört“, Folge 60.

Drohender digitaler Denkzerfall

Chatbots entlasten und unterstützen, doch ein kreativer Zugewinn ist nicht belegt. Das betont Volker Busch in seinem Podcast „Gehirn gehört“. Beim Dauereinsatz KI-generierter Sprachmodelle sinkt die neurophysiologische Aktivität. ChatGPT & Co. erzeugen Neues aus Altem – eine „smarte Form des Recycelns“, so der Leiter für Psychosoziale Stress- und Schmerzforschung der Universitätsklinik Regensburg. In der Kardiologie etwa, lassen sich komplexe Befunde rasch erstellen. Mitunter jedoch zulasten diagnostischer Präzision. Kurz: KI erzeugt keine Lerneffekte, stattdessen droht Denkzerfall („Brain Rot“).

Volker Busch, „Gehirn gehört“, Folge 60

Psychiatrische Forensik

Foto: Cover von: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft

Therapie und Zwang im Maßregelvollzug

Es ist ein Sonderbereich des deutschen Strafrechts: der Maßregelvollzug. Das Ziel: Therapie und Sicherung. Die Unterbringung psychisch kranker oder suchtkranker Straftäter wird gerichtlich angeordnet – und bleibt eine Zwangsmaßnahme. Mit allen damit verbundenen rechtlichen, medizinischen und ethischen Fragen. Den Forschungsstand dokumentieren Experten im aktuellen Jahrbuch – Ergebnis einer Fachtagung vom März 2025 in Lippstadt (NRW). Derzeit sind etwa 15.000 Patienten in forensisch-psychiatrischen Kliniken oder Entziehungsanstalten untergebracht. Ein starker Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Die Folgen: Überbelegung und Personalmangel. Von den Betroffenen sind weniger als zehn Prozent Frauen. Erkenntnisse über deren Situation seien „im forensischen Setting lückenhaft“. Ein Befund jedoch: Schwer psychisch beeinträchtigte junge Frauen hätten ein hohes Suizidrisiko während der Unterbringung.

Bernd Wallenstein, Stephan Deimel (Hrsg.): Jahrbuch Forensische Psychiatrie. Berlin 2025, Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 218 Seiten, 34,95 Euro

Illustration (farblich gehalten in lila): Aus der Vogelperspektive sind 5 Menschen in einem Raum zu sehen. Sie stehen um einen Sockel herum, auf dem ein Tablett mit der Aufschrift "Zusatznutzen" steht und in dessen Mitte liegt eine goldene Pille. Die Person links im Bild hat ein Preisschild in seiner Hand, auf dem ein Eurozeichen abgebildet ist. Von oben kommt ein Lichtkegel, der die Pille und das Tablett besonders hervorhebt.
Medikamente werden immer teurer und belasten die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Kostentreiber sind vor allem neue Medikamente, die nicht an feste Preisvorgaben gebunden sind. Welche Hürden die Arzneimittelbepreisung überwinden muss und welche konkreten Vorschläge es gibt, zeigt unsere neue G+G Story.
16.01.20262 Min

Mitwirkende des Beitrags

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.

Pressekonferenz

Vorstellung des neuen Public Health Index

Wo steht Deutschland beim Thema Prävention im internationalen Vergleich?