Buchrezensionen
G+G stellt jeden Monat Bücher und Podcasts aus den Themenbereichen Gesundheitspolitik, Pflege, Versorgung und Wissenschaft vor.
Transgressionsgesellschaft
Der Körper als Experimentierfeld
Grenzen überschreiten, Normen brechen, Exzesse feiern – mit dem eigenen Körper. Das „Normale“ erodiert, das „Anormale“ expandiert. Die Gegenwartsgesellschaft ist zur Transgressionsgesellschaft geworden, erklären die Herausgeber des Sammelbandes, versinnbildlicht in körperlichen Extremen: in der Sexualität (KI-generierte „Liebespuppen“), im Sport (Mixed Martial Arts) oder in ästhetischer Chirurgie (Eyeball Tattoo). Die Verfasser verzichten auf „Krankheitsbefund und Therapieangebot“, präferieren in ihrer körpersoziologischen Zeitdiagnose aber die Seite der „Normalitätsabweichler“.
Thorsten Benkel, Robert Gugutzer (Hrsg.): Extreme Körper. Bielefeld, 2025, transcript Verlag, 414 Seiten, 32 Euro
KI-gestützte Sprachmodelle
Drohender digitaler Denkzerfall
Chatbots entlasten und unterstützen, doch ein kreativer Zugewinn ist nicht belegt. Das betont Volker Busch in seinem Podcast „Gehirn gehört“. Beim Dauereinsatz KI-generierter Sprachmodelle sinkt die neurophysiologische Aktivität. ChatGPT & Co. erzeugen Neues aus Altem – eine „smarte Form des Recycelns“, so der Leiter für Psychosoziale Stress- und Schmerzforschung der Universitätsklinik Regensburg. In der Kardiologie etwa, lassen sich komplexe Befunde rasch erstellen. Mitunter jedoch zulasten diagnostischer Präzision. Kurz: KI erzeugt keine Lerneffekte, stattdessen droht Denkzerfall („Brain Rot“).
Volker Busch, „Gehirn gehört“, Folge 60
Psychiatrische Forensik
Therapie und Zwang im Maßregelvollzug
Es ist ein Sonderbereich des deutschen Strafrechts: der Maßregelvollzug. Das Ziel: Therapie und Sicherung. Die Unterbringung psychisch kranker oder suchtkranker Straftäter wird gerichtlich angeordnet – und bleibt eine Zwangsmaßnahme. Mit allen damit verbundenen rechtlichen, medizinischen und ethischen Fragen. Den Forschungsstand dokumentieren Experten im aktuellen Jahrbuch – Ergebnis einer Fachtagung vom März 2025 in Lippstadt (NRW). Derzeit sind etwa 15.000 Patienten in forensisch-psychiatrischen Kliniken oder Entziehungsanstalten untergebracht. Ein starker Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Die Folgen: Überbelegung und Personalmangel. Von den Betroffenen sind weniger als zehn Prozent Frauen. Erkenntnisse über deren Situation seien „im forensischen Setting lückenhaft“. Ein Befund jedoch: Schwer psychisch beeinträchtigte junge Frauen hätten ein hohes Suizidrisiko während der Unterbringung.
Bernd Wallenstein, Stephan Deimel (Hrsg.): Jahrbuch Forensische Psychiatrie. Berlin 2025, Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 218 Seiten, 34,95 Euro
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