Pressemitteilung

Bis zu 53 Milliarden Euro Folgekosten: Alkohol in der Schwangerschaft trifft die ganze Gesellschaft

28.09.2026 AOK Baden-Württemberg 5 Min. Lesedauer

Neue Studie mit AOK Baden-Württemberg zeigt: Prävention muss schon vor der Schwangerschaft beginnen

Vor dem Bauch einer schwangeren Frau stehen eine Weinflasche und ein gefülltes Weinglas. Ein Warnschild und eine stilisierte Kindersilhouette warnen daneben vor Alkoholkonsum in der Schwangerschaft.

Stuttgart. Die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Baden-Württemberg hat erstmals die Lebenszeitkosten von Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) für Baden-Württemberg wissenschaftlich unabhängig ermitteln lassen. Im Rahmen einer Hochrechnung ergeben sich für einen einzigen Geburtsjahrgang geschätzte Gesamtkosten von bis zu 53,1 Milliarden Euro. Die Ergebnisse beruhen auf fundierten Schätzungen zu Lebenszeitkosten und unterstreichen, wie wichtig frühzeitige Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… bereits vor und während der Schwangerschaft ist – genau hier setzt das AOK-Programm „Familienglück Plus“ an.

Alkohol in der Schwangerschaft zählt zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen für lebenslange gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Kindern. Eine aktuell durchgeführte Hochrechnung zeigt nun erstmals in dieser Deutlichkeit, welche wirtschaftliche Tragweite Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) für die Gesellschaft haben: Die Lebenszeitkosten eines betroffenen Menschen belaufen sich demnach auf rund 3,9 Millionen Euro. Hochgerechnet auf einen einzigen Geburtsjahrgang in Baden-Württemberg ergeben sich daraus Kosten von schätzungsweise 49,6 bis 53,1 Milliarden Euro.

Die Kosten entstehen aber nicht auf einmal, sondern über die gesamte Lebenszeit der Betroffenen. Um auch weit in der Zukunft entstehende Kosten in einer aktuellen Modellrechnung abzubilden, werden diese auf einen heutigen Vergleichswert umgerechnet. Dabei gilt: Je später Kosten entstehen, desto geringer werden sie in der heutigen Berechnung gewichtet. Je nach Annahme ergibt sich so eine Spannbreite von rund 0,9 bis 1,5 Millionen Euro pro betroffenem Menschen. Für einen Geburtsjahrgang entspricht das 11,1 bis 19,8 Milliarden Euro. Selbst unter vorsichtigen Annahmen bleibt die wirtschaftliche Belastung damit erheblich.

Grundlage der Berechnungen sind unter anderem Daten aus dem AOK-Programm „Familienglück Plus“, das Frauen bereits bei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft strukturiert berät und begleitet. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in ihrem Kostenmodell insbesondere Ausgaben für unterstütztes Wohnen, sonderpädagogische Förderung, psychiatrische Versorgung, alkoholbezogene Folgeerkrankungen sowie Produktivitätsverluste berücksichtigt. Zahlreiche weitere mögliche Kostenfaktoren – etwa die allgemeine medizinische Versorgung, die Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… durch Angehörige, vorzeitige Sterblichkeit oder Einschränkungen der Lebensqualität – flossen nicht in die Berechnung ein. Die tatsächliche gesellschaftliche Belastung dürfte damit eher noch höher liegen.

„Diese Zahlen machen auf eindrückliche Weise sichtbar, was für uns als Krankenkasse jeden Tag selbstverständliche Praxis ist: Prävention lohnt sich – gesundheitlich für die Kinder und ihre Familien, aber eben auch gesellschaftlich und ökonomisch“, sagt Gordana Marsic, Vorsitzende des Vorstands der AOK Baden-Württemberg. „Alkohol in der Schwangerschaft ist ein Risikofaktor, den wir gemeinsam mit werdenden Eltern vermeiden können. Genau deshalb setzen wir mit ‚Familienglück Plus‘ so früh wie möglich an, nämlich schon beim Kinderwunsch. Prävention von Anfang an – bereits im Mutterbauch – für mehr gesunde Lebensjahre.“

Wie groß das tatsächliche Ausmaß von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft ist, lässt sich nur schwer beziffern – Studien deuten aber auf eine erhebliche Dunkelziffer hin. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) liegt der Anteil schwangerer Frauen, die Alkohol konsumieren, in manchen deutschen Regionen bei bis zu 38 Prozent. So gab in einer Untersuchung von Siedentopf und Kollegen nur eine von 125 befragten Schwangeren an, Alkohol zu konsumieren; eine Urinanalyse wies das Vorhandensein von Ethanol jedoch bei neun der Frauen nach, also bei gut 7 Prozent. International schätzen Popova und Kollegen, dass weltweit rund 9,8 Prozent der Schwangeren Alkohol konsumieren; von diesen Frauen bringt im Schnitt jede 67. ein Kind mit dem Vollbild des Fetalen Alkoholsyndroms (FAS) zur Welt.

Die Studie liefert nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren eine zusätzliche gesundheitsökonomische Begründung dafür, Prävention in dieser frühen Lebensphase konsequent weiterzuentwickeln. Sie fordern unter anderem eine bessere Datenlage zur tatsächlichen Häufigkeit von FASD, mehr Aufklärung und Fortbildung für Fachkräfte in Medizin, Bildung und sozialer Arbeit sowie eine engere, nicht stigmatisierende Ansprache von Frauen im gebärfähigen Alter – auch unter Einbeziehung der werdenden Väter.

„Für uns ist diese Untersuchung mehr als ein wissenschaftlicher Erfolg“, so Marsic weiter. „Sie ist eine belastbare Grundlage für die Frage, welchen Stellenwert wir der Prävention vor und während der Schwangerschaft geben – und wie wir Angebote wie ‚Familienglück Plus‘ in den kommenden Jahren weiterentwickeln und noch mehr Familien in Baden-Württemberg erreichen können.“

Die AOK Baden-Württemberg hat die zugrunde liegende Studie im Rahmen des Forschungsprojekts finanziert und war an Planung und Durchführung beteiligt. Die gesundheitsökonomische Analyse selbst wurde wissenschaftlich unabhängig von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg in der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung ist eine Weiterentwicklung der Gesundheitssystemforschung, die sich mit Versorgungsstrukturen,… des Universitätsklinikums Heidelberg durchgeführt und ist kürzlich in der Fachzeitschrift Public Health "Public Health" (übersetzt: "öffentliche Gesundheit") verfolgt das Ziel, Bedingungen zu schaffen und… erschienen.

Mit „Familienglück Plus“ bietet die AOK Baden-Württemberg Frauen bereits bei Kinderwunsch und während der Schwangerschaft eine strukturierte Beratung an, die unter anderem auf die Vermeidung vermeidbarer Risikofaktoren wie Alkohol- und Tabakkonsum abzielt. Ziel ist es, Mutter und Kind von Beginn an bestmöglich zu begleiten und gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu reduzieren.


Hinweise für die Redaktionen:

Wie die Studie berechnet wurde: Die Forschenden modellierten einen fiktiven Geburtsjahrgang von 100.000 Kindern in Baden-Württemberg und berechneten die FASD-bedingten Kosten von der Geburt bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren. Einbezogen wurden Kosten für Wohnen, Bildung, psychiatrische Versorgung und Produktivitätsverluste; nicht enthalten sind etwa allgemeine Gesundheitskosten, Pflege durch Angehörige oder Kosten durch vorzeitige Sterblichkeit – die tatsächliche Belastung dürfte also eher höher liegen. Alle Kosten wurden auf 2024 inflationsbereinigt und nach IQWiG-Standard zusätzlich diskontiert.

Finanziert wurde die Studie von der AOK Baden-Württemberg; die Analyse selbst erfolgte unabhängig durch Forschende der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg und wurde nach Peer-Review in der Fachzeitschrift Public Health veröffentlicht.

Pressekontakt

AOK
Kontaktdaten der AOK Baden-Württemberg – Pressestelle

AOK Baden-Württemberg – Pressestelle