Infektionskrankheit Tuberkulose: Nicht nur die Lunge ist betroffen

Starker Husten, blutiger Auswurf und eine deutliche Gewichtsabnahme – das ist die Vorstellung, die viele Menschen von Tuberkulose (Tbc) haben. Die bakterielle Infektionskrankheit Tbc betrifft zwar in den meisten Fällen die Lunge, aber nicht nur: „Kapseln sich die Erreger in der Lunge ab, können sich die Bakterien anschließend oder auch Jahre später noch ausbreiten und auch alle anderen Organe im Körper befallen“, sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband.

Eine ältere Frau hält eine Hand auf die Brust und hustet in die andere Hand.

Weltweit stark verbreitet

Tbc gehört international – neben Malaria und Aids – zu den am häufigsten vorkommenden Infektionskrankheiten. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge waren im Jahr 2024 weltweit 10,7 Millionen Menschen an Tuberkulose erkrankt,1,2 Millionen sind daran gestorben. Das Risiko einer Tuberkuloseerkrankung steigt, je schlechter die Ernährung und die hygienischen Verhältnisse sind. Das gilt besonders für Menschen aus armen Ländern oder Gegenden in Notsituationen. Der beste Schutz vor Tbc besteht also in ausreichender Ernährung, guten hygienischen Bedingungen und nicht beengten Wohnverhältnissen.

Leichter Rückgang in Deutschland

In den Industriestaaten haben sich die Lebensumstände so weit verbessert, dass das Risiko einer Tuberkuloseerkrankung erheblich geringer ist. So werden in Deutschland jedes Jahr nur etwa 4.500 Tuberkulosefälle registriert. 2024 verzeichnete das Robert Koch-Institut genau 4.391 Tuberkulosefälle und damit einen leichten Rückgang um minus 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf 100.000 Einwohner kommen demnach etwa fünf an Tbc erkrankte Personen.

O-Töne von Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband

Ursachen und Übertragung

Verursacht wird Tbc durch Tuberkel-Bakterien, das sind stäbchenförmige Bakterien aus der Familie der Mykobakterien. Unterschieden wird dabei zwischen einer offenen und einer geschlossenen Tuberkulose. Die geschlossene Erkrankungsform ist nicht ansteckend, während bei der offenen die stäbchenförmigen Krankheitserreger durch Tröpfcheninfektion übertragen werden – also beispielsweise durch Husten oder Niesen. Die Inkubationszeit liegt bei der sogenannten Primärtuberkulose, bei der sich direkt aus der ersten Infektion eine Tuberkulose entwickelt, in der Regel bei sechs bis acht Wochen. 

Infektion bedeutet nicht gleich Erkrankung

„Allerdings muss nicht jede Infektion auch zu einer Erkrankung führen. Nur in ungefähr fünf bis zehn Prozent der Fälle treten Symptome auf“, so Ebel. Oft schaffen es die körpereigenen Abwehrkräfte, die Bakterien unschädlich zu machen. Allerdings können sie auch noch lange im Körper überleben und zu einer sogenannten postprimären Tuberkulose führen. Dazu kapseln sich die Erreger in der Lunge ab. Von dort können sie gleich nach der Infektion oder Jahre später, wenn das Immunsystem geschwächt ist, über die Blutbahn zu allen anderen Organen im Körper gelangen und sie schädigen. Das kann beispielsweise die Verdauungsorgane, Hirnhaut, Nieren, aber auch das Skelettsystem betreffen. Bricht die Erkrankung hier aus, spricht man ebenfalls von einer offenen Tuberkulose, und die Tuberkelbakterien können über Urin, Stuhl oder Erbrochenes ausgeschieden werden. 

Symptome zunächst unspezifisch

Da die Symptome zunächst eher unspezifisch sind, ist oft schwer einzuschätzen, ob es sich um eine Tuberkulose handelt. Anfangs ist zumeist die Lunge betroffen. Zu den Anzeichen gehören chronischer Husten, Nachtschweiß, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, leichtes Fieber und plötzlicher Leistungsabfall. Ärztlichen Rat sollte man suchen, wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum bestehen und mit einem produktiven Husten mit grün-gelblichem Schleimauswurf einhergehen, der schon zwei bis drei Wochen andauert. „Sind Blutbeimischungen im Auswurf zu sehen, müssen Betroffene sofort ärztliche Hilfe aufsuchen. Dabei kann es sich dann um die offene Tuberkulose handeln, die hochansteckend ist und abgeklärt werden muss“, erklärt Arzt Ebel. Für die Betroffenen wird dann in dieser Zeit einer akuten Ansteckungsgefahr fast immer ein Aufenthalt im Krankenhaus nötig, um sie zu isolieren. 

Diagnostik

Um TBC zu diagnostizieren, wird in der Regel abgehusteter oder abgesaugter Schleim aus der Lunge auf Erreger untersucht. Außerdem gehört auch eine Röntgenaufnahme zur Diagnostik, in manchen Fällen kommen weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz. Ist die Ansteckung vor mindestens sechs bis acht Wochen erfolgt, kann eine Tbc-Infektion auch durch einen Bluttest nachgewiesen werden, bei Kindern unter fünf Jahren wird zumeist ein Hauttest gemacht. 

Besonders gefährdete Personen

Besonders gefährdet, an Tuberkulose zu erkranken, sind Menschen, die direkten Kontakt mit Patientinnen und Patienten mit einer offenen Tuberkulose haben. Außerdem ist das Risiko einer Infektion und Erkrankung für Menschen mit einer Abwehrschwäche erhöht, beispielsweise für Menschen mit einer HIV-Infektion sowie chronisch Kranke oder Alkoholkranke, aber auch für Drogenabhängige und Obdachlose, die mangelernährt sind und unter schlechten hygienischen Bedingungen leben. 

Therapie

Zur Therapie der Erkrankung wird eine Kombination unterschiedlicher Antibiotika eingesetzt. Dafür brauchen die Betroffenen viel Geduld, denn die Behandlung dauert mindestens sechs Monate, manchmal sogar bis zu zwei Jahre. In dieser Zeit müssen die Medikamente konsequent eingenommen werden, um zu verhindern, dass die Bakterien sich auf den Wirkstoff einstellen und sich Resistenzen entwickeln. Die Tuberkel-Bakterien würden dann nämlich nicht mehr auf die Medikamente reagieren und könnten so nicht wirksam bekämpft werden.