Pressemitteilung

AOK: Einführung von Geheimpreisen für Arzneimittel ist ein Irrweg

20.02.2024 AOK-Bundesverband 3 Min. Lesedauer

Warnung vor erheblichen finanziellen Mehrbelastungen für die GKV bei der Anhörung zum Medizinforschungsgesetz

Foto: Zwei Hände sortieren Medikamente in einem Arzneimittel-Regal.

Aus Anlass der heutigen Verbändeanhörung zum Referentenentwurf für ein Medizinforschungsgesetz (MFG) warnt der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Bundesverband eindringlich vor der Einführung von vertraulichen Erstattungspreisen für neue Arzneimittel Nach der Definition des Arzneimittelgesetzes (AMG) sind Arzneimittel insbesondere Stoffe und… . Die Versichertengemeinschaft werde durch die Einführung von Geheimpreisen finanziell erheblich belastet. Zudem drohe ein massiver Bürokratieaufbau bei den gesetzlichen Krankenkassen Die 97 Krankenkassen (Stand: 26.01.22) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… .

Anders als in der Pharmastrategie angekündigt, sei durch die geplante Regelung mit erheblichen Transaktions- und Verwaltungsaufwänden bei den gesetzlichen Krankenkassen zu rechnen, so die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann: „Das ist das Gegenteil des in der Pharmastrategie versprochenen Bürokratieabbaus. Wir müssten ganz neue Prozesse zur Rückerstattung von Überzahlungen an die pharmazeutischen Unternehmer inklusive eines neuen Mahnwesen aufbauen.“ Allein dadurch sei perspektivisch mit erheblichen zusätzlichen Bürokratiekosten im dreistelligen Millionenbereich pro Jahr zu rechnen.

Weitaus größer seien die zu erwartenden finanziellen Folgewirkungen durch die Zerstörung bisher gut funktionierender Mechanismen zur Preisregulierung: „Die geplante Regelung zu den vertraulichen Erstattungsbeträgen kollidiert mit einer ganzen Reihe von bestehenden Instrumenten der GKV für eine wirtschaftliche Arzneimittel-Versorgung, die auf Preisvergleichen basieren“, warnt Reimann.  So könnten Ärzte oder Apotheken die Kosten einer Therapie ohne Kenntnis der tatsächlichen Erstattungsbeträge nicht mehr abschätzen und Medikamente entsprechend preisgünstig verordnen beziehungsweise abgeben.

Liquiditätsverschiebungen und Kostensteigerungen

Außerdem drohen aus Sicht der AOK durch den aufwändigen und langwierigen Prozess der Nacherstattung, der im Entwurf vorgesehen ist, erhebliche Liquiditätsverschiebungen und Kostensteigerungen. Im Ergebnis würde die Einführung vertraulicher Erstattungspreise zu erheblichen finanziellen Mehrbelastungen der Versichertengemeinschaft zugunsten der Gewinne der pharmazeutischen Herstellerführen. „AOK und Co. müssten den Pharmafirmen, die in Deutschland ohnehin schon einzigartig gute Marktbedingungen haben, quasi einen zinslosen Kredit in Milliardenhöhe geben und zugleich sämtliche Lasten für die Durchführung und Umsetzung der neuen Regelungen tragen. Der Plan zur Einführung von Geheimpreisen ist daher ein Irrweg“, so Reimann.

Jenseits der Regelungen zu den vertraulichen Erstattungspreisen enthält der Referentenentwurf zum Medizinforschungsgesetz auch eine ganze Reihe von sinnvollen Regelungen, um die Rahmenbedingungen für die Entwicklung, Zulassung Die Berechtigung, zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Leistungen zu erbringen, setzt… und Herstellung von Arzneimitteln und Medizinprodukten in Deutschland zu verbessern. „Der Abbau von bürokratischen Hürden und die Beschleunigung von Prüfverfahren für die Initiierung und Durchführung von medizinscher Forschung werden von uns ausdrücklich begrüßt“, betont AOK-Vorständin Carola Reimann. Allerdings müsse auch unter den veränderten Rahmenbedingungen die Patientensicherheit im Blick behalten werden, die durch beschleunigte und vereinfachte Prüfverfahren nicht gefährdet werden dürfe.

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Porträt: Dr. Kai Behrens, Pressesprecher des AOK-Bundesverbandes
Pressesprecher

Dr. Kai Behrens

AOK-Bundesverband