Malzahn: Leistungsgruppen gezielt an Kliniken mit niedrigen Komplikationsraten vergeben
AOK-Krankenhaus-Experte Jürgen Malzahn verweist im Interview mit dem Presse- und Politikportal unter anderem auf ein IGES-Gutachten. Demach ließen sich schon jetzt mehrere Millionen Euro pro Jahr sparen, wenn bei bestimmten Eingriffen Kliniken mit unterdurchschnittlichen Behandlungsergebnissen von der Leistungsgruppen-Zuweisung ausgeschlossen würden.
Derzeit läuft in den Bundesländern der Prozess der Zuweisung von Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… an die Krankenhäuser. Mit den aktuell 61 Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… soll die Planung im stationären Bereich neu aufgestellt werden. AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Krankenhausexperte Jürgen Malzahn plädiert dafür, dabei auch zusätzliche Qualitätskriterien wie niedrige Komplikationsraten bei bestimmten Operationen zu berücksichtigen. Laut einem IGES-Kurzgutachten im Auftrag der AOK ließe sich so ein relevanter Einsparbetrag generieren.
Herr Malzahn, wie könnte das praktisch funktionieren?
Malzahn: Das Wissenschaftliche Institut der AOK führt ja schon seit vielen Jahren ein ambitioniertes Verfahren durch, um die Unterschiede zwischen den einzelnen Krankenhäusern in der Behandlungsqualität bei bestimmten Eingriffen auf Basis der AOK-Abrechnungsdaten zu messen. Für insgesamt 13 Indikationen werden die Ergebnisse der Qualitätsmessung mit Routinedaten auch Sekundärdaten genannt, sind Daten, die routinemäßig von der gesetzlichen Krankenversicherung… im Gesundheitsnavigator der AOK risikoadjustiert dargestellt, Ergebnisse für weitere 11 Leistungsbereiche werden aktuell nur den Kliniken selbst zur Verfügung gestellt.
Auf dieser Basis könnten die Länder die Zuweisungen für Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… , in denen Auswahlentscheidungen getroffen werden müssen, gezielt an Kliniken vergeben, die laut der Analyse eine überdurchschnittliche oder zumindest durchschnittliche Qualität ist ein zentrales Versorgungsziel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Im Rahmen der… erbringen.
Es bietet sich die Chance, durch eine Steuerung der Patientinnen und Patienten in Kliniken mit guter Behandlungsqualität zwei positive Effekte zu realisieren: Ungeplante Folge-Operationen und Komplikationen werden ganz im Sinne der Patientinnen und Patienten vermindert. Und fast nebenbei werden durch die Verminderung von Folge-Eingriffen auch die Ausgaben gesenkt – also eine Win-Win-Situation für den Patientenschutz und die einnahmenorientierte Ausgabenpolitik.
Lassen sich diese Einsparpotenziale konkret beziffern?
Malzahn: Ja, wir haben vom IGES-Institut ein Kurzgutachten erstellen lassen, in dem die Einsparpotenziale für ausgewählte, hauptsächlich elektiv erbrachte Eingriffe geschätzt worden sind. Zunächst wurde ermittelt, welche Kosten im Zusammenhang mit diesen Eingriffen entstehen. Anschließend wurde für jeden dieser Eingriffe simuliert, welche Kosteneinsparungen rechnerisch erwartet werden können, wenn nur noch Krankenhausstandorte mit mindestens durchschnittlichen oder unterdurchschnittlichen Komplikationsraten laut QSR-Verfahren an der Versorgung beteiligt wären.
In die Analyse einbezogen wurden die Leistungsbereiche Kniegelenks-Implantationen, Hüftgelenks-Implantationen, therapeutische Herzkatheter bei Patienten ohne Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und die Behandlung von Leistenbrüchen. Im Ergebnis könnten laut dem IGES-Gutachten Kosten in Höhe von knapp 38 Millionen Euro pro Jahr vermieden werden, wenn die Kliniken mit unterdurchschnittlichen Behandlungsergebnissen und besonders hohen Komplikationsraten von der Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… -Zuweisung ausgeschlossen würden.
Die Summe von 38 Millionen Euro klingt angesichts der Gesamtkosten im stationären Bereich nicht so beeindruckend – ist dieses Einsparpotenzial den Aufwand wert?
Malzahn: Das tatsächliche Einsparpotenzial wäre unter Berücksichtigung der Preissteigerungen der vergangenen Jahre deutlich höher als in dem Gutachten von 2023 angegeben. Und der Aufwand wäre ja gar nicht hoch, denn die Qualitätsergebnisse liegen ganz überwiegend schon vor. Die Ergebnisse aus der öffentlichen Berichterstattung im Gesundheitsnavigator könnten ohne Probleme sofort in die Planungsentscheidungen einbezogen werden. Dort sind auch noch weitere Leistungsbereiche zu finden, die im Gutachten noch nicht berücksichtigt wurden. Wenn man diese zusätzlich berücksichtigen würde, wäre das Einsparpotenzial bei konsequenter Umsetzung noch mal deutlich höher. Und die Grundlogik, dass Kliniken mit unterdurchschnittlicher Ergebnisqualität keine Zuweisung der jeweiligen Leistungsgruppe erhalten, wäre ja auch mit anderen QS -Verfahren umsetzbar.
Grundsätzlich müssen wir gerade alle Einsparpotenziale nutzen, denn es zeichnet sich ja jetzt schon ab, dass das Volumen der Einsparungen durch das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz perspektivisch nicht ausreichen wird. Dies wäre auch ein wirksamer Beitrag zur Gegenfinanzierung für die 550 Millionen Euro, die den Kliniken mit der Protokollnotiz zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz zugesprochen worden sind. Wir müssen die Ausgaben senken, wo wir können – und am besten dort, wo es gleichzeitig einen Nutzen für die Patientinnen und Patienten gibt. Das wäre hier ganz eindeutig der Fall.