Infektion am Augenlid: Finger weg vom Gerstenkorn!
Wer schon einmal ein Gerstenkorn hatte, weiß, es ist unangenehm und schmerzhaft. Mit einer Rötung und Schwellung am Lidrand fängt es an. Dann entwickelt sich in der Mitte ein Eiterknötchen. Ausgelöst wird ein Gerstenkorn durch eine Infektion mit Bakterien. Meist verläuft die Entzündung harmlos: Das Gerstenkorn platzt nach einigen Tagen auf und der angesammelte Eiter tritt aus. „Bilden sich Gerstenkörner häufiger, kann das auf eine Erkrankung hinweisen“, sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband.
Bakterien lösen Augenentzündung aus
Ein Gerstenkorn, in der Fachsprache Hordeolum genannt, entsteht am Lidrand. Dort sitzen Schweiß- und Talgdrüsen. Gelangen Bakterien in die Drüsen, können diese sich entzünden. In der Regel handelt es sich bei den Bakterien um Staphylokokken, die auf der Haut und den Schleimhäuten siedeln. Über die Hände geraten sie leicht ins Auge.
Gerstenkorn ist ansteckend
„Oft versucht man, an der betroffenen Stelle herumzudrücken. Das kann aber dazu führen, dass sich die Entzündung weiter ausbreitet und zum Beispiel auch das andere Auge in Mitleidenschaft gezogen wird. Die wichtigste Regel ist daher: Finger weg vom Gerstenkorn!“, so Medizinerin Debrodt. Damit sich andere Menschen nicht anstecken, ist es ratsam, dass auch sie sich regelmäßig ihre Hände waschen und eigene Handtücher benutzen. Wer öfter Gerstenkörner hat, sollte ärztlichen Rat einholen, denn es kann dann auch eine Grunderkrankung wie beispielsweise ein Diabetes mellitus oder eine andere Erkrankung, die die Immunabwehr schwächt, dahinterstecken.
O-Ton von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband
Behandlung
In der Regel heilt ein Gerstenkorn nach einigen Tagen von selbst wieder ab. Es gibt zwar verschiedene Methoden, die die Heilung beschleunigen sollen, diese sind aber nicht gut belegt. Wichtig ist vor allem eine gute Handhygiene und nicht am Gerstenkorn herumzudrücken. „Zeigt sich nach einer Woche gar keine Besserung oder werden die Symptome schlimmer, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. Falls nötig, wird eine antibiotikahaltige Salbe verschrieben“, so Debrodt. Manchmal kann es auch erforderlich sein, das Gerstenkorn in der augenärztlichen Praxis durch einen kleinen chirurgischen Eingriff zu öffnen, damit der Eiter ablaufen kann. Zu Komplikationen wie beispielsweise einer Entzündung der Augenhöhle oder einem Lidabszess kommt es nur selten.
Unterschied Gerstenkorn und Hagelkorn
Leicht verwechselt wird das Gerstenkorn mit einem Hagelkorn (Chalazion). Bei Letzterem handelt es sich um eine verstopfte chronische Entzündung der Talgdrüse, die nicht schmerzhaft ist. Ein Hagelkorn ist – im Gegensatz zum Gerstenkorn – nicht ansteckend und bildet sich meist auch von selbst wieder zurück. Allerdings kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Schwellung komplett abgeklungen ist. Ob und wie sich die Heilung beschleunigen lässt, sollte bei Kindern und Erwachsenen immer ärztlich abgeklärt werden.