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Wenn der Bote zweimal klingelt

Toilettenpapier, Nudeln, Reis – plötzlich waren im März 2020 Produkte des täglichen Bedarfs nur noch schwer zu bekommen. Viele Menschen kehrten ihren inneren Hamster hervor und befüllten ihre heimischen Lager. Teilweise war dies auch in den Apotheken zu spüren. Denn zu Beginn der Pandemie traten (schnell wiederlegte) Vermutungen auf, dass eine Behandlung mit fiebersenkenden Mitteln bei einer […]

18.06.2020Autor/in: Matthias GottschalkRubrik: Nachgefragt und Nachgehakt 0

Toilettenpapier, Nudeln, Reis – plötzlich waren im März 2020 Produkte des täglichen Bedarfs nur noch schwer zu bekommen. Viele Menschen kehrten ihren inneren Hamster hervor und befüllten ihre heimischen Lager. Teilweise war dies auch in den Apotheken zu spüren. Denn zu Beginn der Pandemie traten (schnell wiederlegte) Vermutungen auf, dass eine Behandlung mit fiebersenkenden Mitteln bei einer Corona-Infektion erfolgsversprechend sei. Dementsprechend waren Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol zeitlich und örtlich vergriffen.

Wie kommen rezeptpflichtige Arzneimittel zum Patienten?

Risikopatienten mit Dauermedikation oder einem neuen Arzneimittelrezept standen vor einem kleinen Dilemma: Auf der einen Seite sollen unnötige Wege und soziale Kontakte vermieden werden, auf der anderen Seite benötigen sie ihre Medikamente und müssen dafür eine Apotheke aufsuchen. Auf mehreren Wegen hat der Gemeinsame Bundesausschuss Mittel und Wege gefunden, um dieses Dilemma zu lösen. So können Ärzte Rezepte auch über ein Quartal hinaus oder größere Packungsgrößen verschreiben. Auch die telefonische Bestellung von Rezepten, selbst bei Neupatienten, wurde vereinfacht, da die elektronische Gesundheitskarte nicht mehr zwingend in der Praxis vorgelegt werden muss. Des Weiteren werden Botendienste der Apotheken seit dem 22. April 2020 vergütet.

Medikamente per Boten

Bisher war dies eine reine Serviceleistung der Apotheken. Daher haben wir uns gefragt: wie wird das Angebot bisher angenommen? Gibt es Unterschiede zwischen Stadt und Land? Dazu haben wir Anna Lihs, Apothekerin und Inhaberin der Altstadt Apotheke in Erfurt sowie Peggi Schönbein, Apothekerin und Inhaberin der Wartburg Apotheke Eisenach gefragt. Beide schildern, vor welchen neuen Herausforderungen sie seit Beginn der Pandemie stehen, wie sich ihre Arbeit verändert hat und wie die Botengänge in der Praxis funktionieren.

Quelle: http://altstadt-apotheke-erfurt.de/wp-content/uploads/2015/12/Altstadt_Apotheke_Erfurt_2.jpg

Anna Lihs, Apothekerin, seit 2015 Inhaberin der Altstadt Apotheke in der Michaelisstraße in Erfurt.

„Seit Beginn der Corona-Pandemie werden wir bei unserer Tätigkeit in der Altstadt Apotheke vor bisher unbekannte Herausforderungen gestellt – vom Umräumen der Offizin [Verkaufsraum, Anm. Matthias Gottschalk], dem Aufstellen von Plexiglas-Schutzscheiben, dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und dem damit verbundenen fehlenden Lächeln für unsere Patienten. Schwierig gestaltet haben sich die Beschaffung von Mund-Nasenschutz und Ethanol für die Desinfektionsmittelherstellung. Zu Beginn der Pandemie haben wir einen regelrechten Ansturm erlebt, mittlerweile ist es ruhiger geworden und die Arbeit normalisiert sich etwas. Die Lieferfähigkeit von Arzneimitteln war schon vor der Pandemie sehr kritisch, nun hat sie sich weiter verschärft und notwendige Medikamente sind häufig nicht verfügbar.

 

Wir haben auch schon vor der Pandemie unseren Kunden den Service des Botendienstes angeboten, in den Abläufen hat sich auch jetzt nichts verändert. Kommt ein Kunde mit einer Verordnung zu uns und ist das verordnete Medikament nicht vorrätig, bieten wir gern an, es nach Hause zu liefern. Bestellt werden kann natürlich auch gern telefonisch, über unsere Internetseite oder die Apotheken.de-App. Eine Bezahlung bei unserem Botendienstfahrer ist kein Problem, sollte eine Zuzahlungsbefreiung vorliegen, kann diese bei Übergabe vorgezeigt werden.

Seit Beginn der Beginn der Corona-Pandemie gab es einen deutlichen Anstieg der Botendienste. Zum Schutz der Patienten bemühen wir uns, dass diese nur einmal zu uns kommen müssen – durch Aufstockung unseres Lagers und durch Botendienste möglichst noch am gleichen Tag. Auch schon vor der Corona-Pandemie gab es Botendienste als wichtigen und gern angenommenen Service in Apotheken und auch danach wird es sie weiter geben. Aber gerade jetzt zeigt sich die Bedeutung der Apotheke vor Ort mit ihrer Beratung und ihrem Service.“

Quelle: https://www.wartburgapo.de/wp-content/uploads/2019/12/peggi-schoenbein-portrais2-244x300.jpg

Peggi Schönbein, Apothekerin seit 2001, Inhaberin der Wartburg Apotheke Eisenach seit Juli 2016.

„Wir arbeiten täglich daran, unsere Kunden, Mitarbeiter und Boten zu schützen. Wir haben ein eigenes Hygienekonzept erarbeitet und Plexiglasscheiben an den Verkaufstischen angebracht. Alle Mitarbeiter tragen außerdem einen Mund-Nase-Schutz. Sollte die Apotheke aufgrund einer Quarantäne ausfallen sind wir vorbereitet und haben ein Konzept zur Sicherstellung einer stabilen Medikamentenversorgung erstellt.

Trotzdem standen auch wir vor Schwierigkeiten. Ethanol als Grundstoff für Desinfektionsmittel oder Gefäße zum Abfüllen waren zeitweise nur sehr schwer zu bekommen. Auch Schutzkleidung war ausverkauft oder im Preis stark gestiegen. Dazu kam der Unmut einiger Kunden, weil wir den Kauf bestimmter Medikamente oder von Mundschutz aufgrund von Hamsterkäufen beschränkt hatten. Allein im März hatten wir 20 Prozent mehr Kunden. Das gesamte Team stand unter Stress.

Wir haben bereits vor der Pandemie angeboten, dass Patienten ihre Medikamente per Boten geliefert bekommen. Die Bestellung erfolgt telefonisch oder über unsere Apothekenapp „deine Apotheke“. Wir liefern sowohl rezeptpflichtige, als auch verschreibungsfreie Medikamente. Liegt das Rezept nicht in der Apotheke vor, übernimmt eine pharmazeutische Fachkraft die Belieferung, ansonsten unsere zwei Boten.

Anfangs hatten wir doppelt so viele Botengänge, da Medikamente nicht sofort verfügbar waren. Seitdem wir auch Ersatzpräparate mit gleichem Wirkstoff ausgeben können, hat sich die Zahl aber wieder normalisiert. Für mich sind die Botengänge eine sinnvolle Ergänzung für die Versorgung der Versicherten. Viel sinnvoller halte ich es aber, dass die derzeit bestehende Austauschregelung für Medikamente bestehen bleibt. So können Kunden sofort versorgt werden und müssen keinen Botendienst in Anspruch nehmen.“

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