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Rehasportler in den Startlöchern

Auch die Rehasportler wurden lange durch Corona ausgebremst. Nun geht es schrittweise wieder los. Zur aktuellen Lage informiert Anke Villak, Reha-Expertin bei der AOK PLUS.

31.08.2020Autor/in: Jutta BećRubrik: Versorgung und Innovation 0

Zuerst einmal: Was ist Rehabilitationssport genau?

Er wird von Ärzten verordnet und ist für Menschen vorgesehen, die gesundheitliche Einschränkungen haben, beispielsweise wegen eines Bandscheibenvorfalls, wegen Rheumas oder auch eines Herzinfarkts. In speziellen Gruppen stärken die Betroffenen Kraft und Ausdauer und verbessern ihre koordinativen Fähigkeiten. Ein wesentliches Ziel ist, die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu stärken und Selbsthilfepotentiale zu aktivieren. Damit soll der Startschuss für ein langfristiges Sporttreiben gesetzt werden.

Aufgrund von Corona fiel der Rehasport über Wochen aus. Was bedeutet das für die Teilnehmer?

Sie können die Übungseinheiten zu einem späteren Zeitpunkt durchführen. Dabei ist es egal, ob die Durchführung coronabedingt nicht möglich war oder ob die Teilnehmer noch ängstlich sind, bereits wieder in Gruppen zu trainieren. Die Gültigkeit der Verordnung wird pauschal um sechs Monate verlängert. Keiner braucht sich um eine separate Genehmigung oder um eine Verlängerung der Verordnungen zu kümmern. Das regeln wir intern. Wir möchten keinen bürokratischen Aufwand erzeugen. Darauf können sich auch die Anbieter verlassen.

Rezepte werden oft über Jahre verlängert. Die AOK PLUS sieht das kritisch. Warum?

Es ist für uns ausdrücklich kein finanzielles Problem! Aber wer akut erkrankt ist und erstmals eine Verordnung von seinem Arzt erhält, findet oft keine entsprechende Rehasportgruppe, weil diese durch „Stammkunden“ quasi dauerhaft belegt sind. Eigentlich sind die Rezepte für 50 Übungseinheiten vorgesehen. Hier erlernen die Patienten unter therapeutischer Anleitung wichtige Bewegungsabläufe, Verhaltensweisen usw., die sie benötigen, um mit ihrer Erkrankung besser klarzukommen. Die erworbenen Fähigkeiten sollen die Teilnehmer danach eigenständig weitertrainieren, beispielsweise in Vereinen. Doch wer über Jahre hinweg immer wieder Verordnungen von seinem Arzt erhalten hat, möchte darauf meist nicht mehr verzichten. Nicht zu unterschätzen ist dabei der soziale Aspekt. Man kennt sich und freut sich auf die regelmäßigen Treffen und Gespräche in der Gruppe.

Was tun?

Um allen Bedürftigen den dringend nötigen Rehasport zu ermöglichen, sind wir mit den Ärzten in Sachsen und Thüringen im Gespräch und erläutern die Problematik. Dabei stoßen wir auf großes Verständnis. Für die Ärzte ist es natürlich nicht immer leicht, ihren Patienten zu erklären, warum sie ihnen die über Jahre hinweg übliche Verordnung nicht mehr verlängern möchten. Ausschlaggebend ist: Die Patienten müssen für sich erkennen, dass es wichtig ist, in Eigeninitiative etwas für ihre Gesundheit zu tun.

Welchen Tipp haben Sie für Betroffene, deren Verordnung nicht verlängert wird, die aber gern weiter trainieren möchten?

In Sachsen und Thüringen gibt es zahlreiche Vereine, die Gesundheitssport anbieten. Dort können sich Interessierte in allgemeinen Sportgruppen betätigen oder auch in sportartspezifischen. Eine Übersicht gibt es bei den jeweiligen Landessportverbänden in Thüringen und Sachsen.

Außerdem muss jeder Anbieter von kassenfinanziertem Rehasport auch Angebote für die private Weiterführung vorhalten. Die kostenfreien Gesundheitskurse der AOK PLUS sind ebenso gut geeignet, um etwas für sich zu tun. Und wer völlig unabhängig von Kurszeiten aktiv sein möchte, der kann auf Online-Programme zurückgreifen oder die erlernten Übungen bequem zu Hause durchführen.

 


Eine Rehasport-Verordnung beinhaltet 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten, bei besonderer Schwere auch 120 Übungseinheiten innerhalb von 36 Monaten. Herzsport ist auf 90 Übungseinheiten innerhalb von 24 Monaten angelegt.

Der Reha-Sport umfasst Übungen, die in der Gruppe regelmäßig ein- oder zweimal wöchentlich durchgeführt werden. Das gemeinsame Üben fördert zugleich den Erfahrungsaustausch zwischen den Betroffenen.

Ziel ist die Hilfe zur Selbsthilfe und damit der Anschub für ein langfristiges und eigenverantwortliches Sporttreiben.

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