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Ein Jahr DiGA: Das sagen die Daten

Seit Anfang Oktober 2020 steht Ärztinnen und Ärzten eine wachsende Liste zertifizierter digitaler Gesundheitsanwendungen zur Verfügung, die sie ihren Patientinnen und Patienten verordnen können. Zum ersten Jahrestag haben wir nachgeschaut: Fasst die „App auf Rezept“ Fuß? Und wer nutzt sie?

04.10.2021Autor/in: Katja ZeidlerRubrik: Nachgefragt und Nachgehakt, Versorgung und Innovation 0

Die Wartburg?

Bevor jemand fragt: Nein, ich habe nicht das falsche Titelbild für diesen Blogbeitrag hochgeladen. Es gibt eine Verbindung zwischen der Wartburg im Thüringer Westen und den digitalen Gesundheitsanwendungen (kurz: DiGA), um die es hier gehen soll. Welche, verrate ich später. Aber fangen wir vorn an. Als das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Anfang Oktober 2020 auf seiner Website erstmals eine Liste verordnungsfähiger digitaler Gesundheitsanwendungen veröffentlichte, fiel diese sehr übersichtlich aus. Sie umfasste ganze zwei Einträge. Nichtsdestotrotz – die Tür war aufgestoßen für den Einsatz digitaler Gesundheitsanwendungen in Deutschland.

Von Jens Spahn auf den Weg gebracht

Die „Apps auf Rezept“ wurden mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz im vergangenen Jahr in die Gesundheitsversorgung eingeführt. Der Unterschied zu den meisten Gesundheits-Apps auf dem Markt, die allein der Förderung von Fitness und Wohlbefinden dienen, besteht darin, dass es sich bei digitalen Gesundheitsanwendungen um zertifizierte Medizinprodukte handelt. Diese sind vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft und die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. So viel zum formalen Hintergrund.

Innerhalb des ersten Jahres ist die offizielle Liste des BfArM immerhin auf 20 Anwendungen angewachsen. Und auch das Interesse an den DiGA nimmt stetig zu: Als Sachsens und Thüringens größte gesetzliche Krankenkasse haben wir bereits mehr als 1.900 Versicherten die Nutzung ermöglicht. Monatlich gehen mehrere Hundert Anträge ein. Grund genug also, zum ersten „Geburtstag“ eine Zwischenbilanz zu ziehen und in die Daten zu schauen!

Praxen sind der Dreh- und Angelpunkt

Fast immer werden die „Apps auf Rezept“ tatsächlich vom Arzt verordnet. Nur in drei Prozent der Fälle beantragten die Versicherten die Kostenübernahme für die App direkt bei Gesundheitskasse. (Das ist möglich, wenn ihre Erkrankung bereits im Vorfeld diagnostiziert wurde.) Der Prozess ist denkbar einfach: Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte übermitteln die Verordnung der DiGA an die Krankenkassen und nach einer kurzen Überprüfung erhalten die Patientinnen und Patienten einen Registrierungscode für ihre jeweilige Anwendung.

Eine Auswertung zeigt: Bisher nutzt jeder vierte teilnehmende Versicherte der AOK PLUS eine App zur Unterstützung bei chronischem Tinnitus. Auch Anwendungen für Patienten mit Rücken-, Knie- und Hüftschmerzen (15 Prozent), Adipositas (13 Prozent) oder Migräne (11 Prozent) werden häufig in Anspruch genommen.

Unterschiede zwischen Geschlechtern und Altersgruppen

Was auffällt: Frauen nutzen die digitalen Gesundheitsanwendungen fast dreimal so häufig wie Männer. Eine Behandlung wegen Tinnitus ist bei beiden Geschlechtern jeweils der häufigste Anlass. In der Gesamtschau zeigt sich noch, dass Männern doppelt so häufig eine DiGA wegen eines chronischen Tinnitus und Frauen doppelt so häufig eine DiGA aufgrund von Adipositas verordnet wird wie dem jeweils anderen Geschlecht.

Auf’s Alter geschaut, wird auch deutlich, dass die DiGA mitnichten nur eine junge Zielgruppe ansprechen. Die meisten Nutzer sind tatsächlich zwischen 50 und 59 Jahre alt. Erst danach kommen die 30- bis 39-Jährigen und Menschen zwischen 40 und 49 Jahren. 

Die Wartburg!

Ein interessantes Bild zeigt sich auch beim Blick auf die Landkarte. Ja, in den großen Städten Dresden, Leipzig und Erfurt ist die Nachfrage nach DiGA besonders hoch. Aber: Das ist auch in einzelnen Landkreisen, darunter die Kreise Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen, der Fall.

Aus dem vermeintlichen Rahmen fällt auch der Wartburgkreis, aus dem die meisten Anträge in ganz Thüringen kommen und der deshalb auch das Titelbild für diesen Blogbeitrag liefert. Gibt es hier vielleicht besonders digital affine Medizinerinnen und Mediziner? AOK PLUS-Vorstand Dr. Stefan Knupfer ist überzeugt: „Die digitalen Gesundheitsanwendungen werden sich nur durchsetzen, wenn Patienten sowie Ärzte und Therapeuten den digitalen Therapiemöglichkeiten gegenüber aufgeschlossen sind.“ Auch wenn ihre Zahl wachse, stünde das Gesundheitswesen in Sachen DiGA noch am Anfang. Tatsächlich gibt es anhaltende Diskussionen zwischen den Krankenkassen und den Herstellern der einzelnen Anwendungen, u.a. über die Preisgestaltung und den langfristigen Nutzen der Anwendungen. Ich kann das nachvollziehen: Was die digitalen Anwendungen unseren Versicherten, die sie im ersten Jahr ausprobiert haben, nachhaltig gebracht haben, und wie intensiv die Menschen ihre DiGA überhaupt genutzt haben, blieb auch am Ende meiner Auswertung ein Mysterium.

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