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Volle Möhre: Drei Ackerjahre und eine Pandemie

Wie pflegt man einen Schulgarten, wenn die jungen Gärtner*innen zu Hause festsitzen? Mit viel Improvisation geht’s. Ein Bericht über die GemüseAckerdemie in der Pandemie, Videodrehs im Beet und Kartoffellieferungen für Homeschooler.

21.04.2021Autor/in: Katja ZeidlerRubrik: Allgemein 0

Das Gemüse trotzt dem Virus

2020 war ein Kartoffeljahr. Unbeeindruckt vom oberirdischen globalen Geschehen wuchsen in Schulgärten in Thüringen und Sachsen kräftige Knollen heran – weil Lehrkräfte, Kinder und Acker-Coaches zwischen Lockdown und Lockerungen, Notbetreuung, Wechselunterricht und Homeschooling beschlossen hatten: Kein Beet soll wegen Covid-19 brachliegen. Das Gärtnern geht mit Abstand weiter.

Vielleicht war der Entschluss im Frühjahr auch ein Stück weit von der Hoffnung getrieben, dass die Pandemie nach ein paar Wochen eingedämmt wäre und Schulen zum normalen Unterricht zurückkehren würden. Er zeigt jedoch vor allem: Die GemüseAckerdemie ist bei Lehrer*innen und Kindern angekommen und hat ihren festen Platz im Schulalltag.

Erste Schulen schlossen Programm erfolgreich ab

Genau das war der Wunsch, als der Ackerdemia e.V. und die AOK PLUS vor drei Jahren ihre Kooperation starteten: In den Gärten von Grundschulen in Thüringen und Sachsen Räume zu schaffen und Kindern die Möglichkeit zu geben, Natur und die natürliche Produktion von Lebensmitteln zu erleben. „Insgesamt 3600 Kinder im Alter zwischen 6 und 11 Jahren haben wir im Rahmen der Kooperation bisher erreicht“, sagt Sarah Eisinger, Regionalleiterin des Ackerdemia e.V. „Im vergangenen Jahr waren 17 Schulen in Thüringen und neun in Sachsen am „Ackern“, fünf von ihnen haben das Programm nach drei Jahren erfolgreich durchlaufen und werden ihre Gemüseäcker eigenständig weiterführen.“ Darunter ist übrigens auch die Grundschule „Christian Zimmermann“ in Apolda, die wir 2018 bei ihren ersten Pflanzungen begleiteten.

Dabei gleicht kein Acker dem anderen: Auf Flächen von 29 bis 125 Quadratmetern bauen Schüler*innen und Lehrer*innen bis zu 30 verschiedene Gemüsesorten an. Spannend: Der Acker spielt nicht nur im Fach Schulgarten (in Thüringen) oder im Sachkundeunterricht eine Rolle, sondern wird mancherorts von einer eigenen Arbeitsgemeinschaft betreut und das bunte Gemüse fand sogar schon Eingang in den Kunstunterricht.

Wertschätzung für Lebensmittel fördern

Dieses erste „Pandemie-Ackerjahr“ hat unterstrichen, dass es sich lohnt, in das Ernährungswissen von Kindern zu investieren, selbst unter schwierigen Bedingungen. Die zu Hause beschulten Nachwuchsgärtner*innen wurden beispielsweise mit Videos auf dem Laufenden gehalten und mit frisch geerntetem Gemüse beliefert. „Es hat sich gezeigt, wie sehr die Kinder und Lehrkräfte sich mit ihren Gemüseäckern identifizieren“, sagt Sarah Eisinger.

Lebensmittelwerbung zielt vor allem auf Kinder

Dieser Erfolg ist deshalb so wertvoll, weil mangelnder Naturkontakt nachweislich zu einem Mangel an Wertschätzung für Lebensmittel führt. Und diese Entfremdung hat auch negative Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten und die Gesundheit von Kindern. Eine im März 2021 vom AOK-Bundesverband und der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) vorgestellte Studie zeigt eindrucksvoll, wie stark Kinder Werbung für ungesunde Lebensmittel ausgesetzt sind. Kinder in Deutschland sehen im Fernsehen und Internet jeden Tag 15 Mal Werbung für ungesunde Lebensmittel. „Die Hersteller haben den Werbedruck auf Kinder bewusst erhöht“, kritisiert Dr. Sigrid Peter vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Die schädlichen gesundheitlichen Folgen sind offensichtlich: Jedes siebte Kind ist mittlerweile übergewichtig.

Kein Acker? Kein Problem!

Adressiert haben Ärzte, Verbände, NGOs und Krankenkassen das Problem längst. Getan hat sich auf Bundesebene jedoch wenig. Anders bei der GemüseAckerdemie: Wenn mit dem Beginn des neuen Ackerjahres wieder 16 neue Schulen in Thüringen und Sachsen in das Programm starten, kommen auch solche zum Zug, die keinen Acker auf ihrem Schulgelände anlegen können – dank der „GemüseKlasse“, dem deutschlandweit ersten Schulgartenprogramm für drinnen.

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