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Kein „weiter so“

Der Großteil der Krankenhäuser steht laut eigener Aussage kurz vor dem finanziellen Kollaps: abgesagte/aufgeschobene Operationen, Rückgang der Notfälle und freizuhaltende Betten für COVID-19-Patienten. Die DKG warnt und fordert mehr Geld zur Sicherung der Häuser.

23.03.2021Autor/in: Matthias GottschalkRubrik: Versorgung und Innovation 0

2020 schrieben zwei Drittel der Krankenhäuser laut eigener Aussage rote Zahlen. Bereits im Dezember 2020 warnte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) davor, dass den Kliniken das Geld ausgehen würde, um das eigene Personal zu bezahlen. Daher fordert sie die Ausweitung des zweiten Rettungsschirmes für die Krankenhäuser. Über diesen erhalten die Kliniken einen finanziellen Ausgleich, die eine bestimmte Anzahl an COVID-19-Patienten behandeln sowie mindestens der Stufe zwei der Notfallversorgung angehören.

Also einfach mehr Geld ins System pumpen und alles wird gut? Das wird das Grundproblem nicht lösen. Denn: bereits 2019 schrieben die Hälfte der Krankenhäuser in Deutschland rote Zahlen. Und seit Jahren erhalten die Krankenhäuser von den Krankenkassen mehr Geld für die Behandlungen der Patienten. So stiegen die Ausgaben der AOK PLUS für Krankenhausbehandlungen seit 2011 um knapp ein Drittel von 2,96 auf 3,9 Milliarden Euro. Und trotz COVID-19 und den sich daraus ergebenden Veränderungen hatten die Krankenhäuser in Deutschland im Jahr 2020 Mehreinnahmen in Höhe von 14 Prozent – bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Behandlungsfälle um 13 Prozent.

Was sind die Ursachen?

Welche Ursachen haben dann die finanziellen Probleme im stationären Sektor? Zum einen liegt es an der fehlenden Investitionskostenfinanzierung durch die Länder. Denn Gelder, welche die Krankenhäuser zur Finanzierung von Investitionen und/oder Baumaßnahmen erhalten sollten und die ihnen auch per Gesetz zustehen, fließen seit 2012 immer weniger. Und durch die COVID-19-Pandemie und der sich daraus ergebenden negativen Finanzentwicklung der Länder wird sich daran wahrscheinlich nichts ändern. Das führt dazu, dass notwendige Investitionen von den Kliniken aus ihren Betriebsmitteln finanziert werden müssen. Diese Mittel sind aber eigentlich dafür da, um die Behandlung und Pflege von Patienten zu finanzieren.

Ein weiterer Grund liegt in der fehlenden Spezialisierung der Kliniken. Dadurch, dass sich zu viele Krankenhäuser nicht auf bestimmte Leistungsbereiche fokussieren und zu viele Behandlungen anbieten, stehen sie zum einem in einem direkten Wettbewerb untereinander um Patienten. Zum anderen sorgt eine fehlende Spezialisierung dafür, dass vorhandene Ressourcen (Material, Personal) nicht effizient genutzt werden. Die AOK PLUS weiß, dass die Vergütungssystematik im Krankenhausbereich über die Vergütungspauschalen je Behandlungsfall („Diagnosis-Related-Groups“, kurz: DRGs) dies unterstützt. Im derzeitigen System gibt es lukrative und weniger lukrative Eingriffe. Im Sinne der Patienten, aber auch der Kliniken, müssen die DRGs mittelfristig weiterentwickelt werden. Mit der Ausgliederung der Pflegekosten daraus ist bereits ein erster Schritt getan worden, da so die tatsächlich anfallenden Kosten für die Pflege von Patienten finanziert werden.

Maßnahmen laufen an

Erste Maßnahmen zur Unterstützung der Kliniken sind bereits beschlossen. So werden sie neben den bekannten Fördermaßnahmen im Rahmen des Krankenhausstrukturfonds I und II z.  B. mit dem Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) bei Investitionen im Bereich Digitalisierung unterstützt. Für Sachsen und Thüringen stehen dafür 293 Millionen Euro zur Verfügung, um beispielsweise Notfallkapazitäten zu modernisieren, in die IT-Sicherheit zu investieren und die digitale Vernetzung des Krankenhauses mit Patienten und anderen Leistungserbringern voranzutreiben.

Was braucht es?

Aus Sicht der AOK PLUS ist es aber nicht zielführend, dass dieses Investitionsprogramm ohne ein Zielbild für eine zukunftsfähige Krankenhausstruktur umgesetzt wird. Stand heute ist unklar, welches Krankenhaus künftig welche Leistungen anbieten muss und soll. Erst wenn dieses Zielbild steht, können sinnvolle Investitionen vorgenommen werden. In Sachsen ist dieser Prozess mit der Zukunftswerkstatt bereits angestoßen, für Thüringen bietet sich diese Vorgehensweise auch an. Des Weiteren müssen die Länder ihrer Verpflichtung nachkommen, die Investitionskosten der Kliniken zu finanzieren.

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