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2022 wird besser – oder?

Das vergangene Jahr ging mit einem Paukenschlag zu Ende: Die lange geplante und forcierte Einführung des eRezeptes wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Einige (politische) Neuerungen hat 2022 trotzdem zu bieten. Wir schauen uns diese hier an.

14.01.2022Autor/in: Matthias GottschalkRubrik: Presse und Politik 0

Digitalisierung wird vorangetrieben

Monatelang hatten Ärzte- und Apothekenvertreter davor gewarnt, das eRezept auf Teufel komm raus zum 1. Januar 2022 einzuführen. Technische Probleme, auch in den Praxisverwaltungssystemen, würden weitergehende Tests notwendig machen. Mit dem Wechsel an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums sind diese Forderungen erhört und die Einführung bis auf weiteres abgesagt worden. Die Praxen und Apotheken atmeten auf.

Mit Version 2.0 bietet auch die elektronische Patientenakte „AOK Mein Leben“ seit 1. Januar neue Funktionen an, z. B. ein digitales Zahnbonusheft oder den digitalen Mutterpass.

Ein anderes digitales Projekt hat es dafür rechtzeitig zum 1. Januar 2022 geschafft: die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Seitdem können Ärzte die Ausfertigungen der AU-Scheine für die Krankenkassen direkt per digitaler Post an die Kassen versenden. Für die Versicherten bedeutet das, dass sie sich um einen Schein weniger kümmern müssen. Der Schein für den Arbeitgeber muss aber weiterhin per Post versendet werden – also, bis zum Sommer. Denn dann soll auch dieser auf elektronischem Wege direkt vom Arzt versendet werden können.

Leider geht das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen nach wie vor mit vielen Konjunktiven einher. Projekte „sollen“ dann abgeschlossen sein, Versicherte „sollen“ dann neue Funktionen nutzen können, die Systeme „sollen“ dann stabil laufen. Viele der jetzt auszuliefernden bzw. in der Projektphase befindlichen Ideen stammen noch aus der Feder des ehemaligen Gesundheitsministers Jens Spahn. Der neue Hausherr in der Berliner Friedrichstraße, Karl Lauterbach, muss diese Projekte 2022 zu einem für alle Akteure zufriedenstellendem Ende bringen und auch die Impulse, die während der vergangenen zwei Jahre gesetzt wurden, weiterführen. Viel Erfolg dabei.

Krankenkassen jetzt zweistellig

Der 1. Januar bot auch ein Novum im bundesdeutschen Gesundheitswesen: Erstmalig organisieren weniger als 100 gesetzliche Krankenkassen die Gesundheitsversorgung der gesetzlich Versicherten in Deutschland. „Nur“ noch 97 Kassen sind seit dem Jahreswechsel beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen gelistet. Vor allem kleinere Betriebskrankenkassen sind in den vergangenen Jahren fusioniert und haben so die Zahl der Kassen reduziert.

Die Gründe für diese Ausdünnung sind vielfältig: Zu wenige Mitglieder, Marktdruck oder einfach Effizienz. Besonders stechen aber die politischen Vorgaben heraus, die in den vergangenen Jahren gefasst wurden. Wenn man böse wäre, könnte man auch behaupten: Die CDU-Bundesgesundheitsminister der vergangenen zwei Legislaturperioden haben mit ihren politischen Entscheidungen und dem daraus entstandenen Konsolidierungskurs der Kassenlandschaft mehr für die Einführung einer Bürgerversicherung getan, als sich die SPD erträumt hätte.

Neben den Kostensteigerungen aufgrund politischer „Zückerle“ ist es auch die politisch gewollte Abschmelzung der Rücklagen der Kassen, welche zu diesem Kurs beigetragen hat. Vor allem letzteres stellte einen nicht hinnehmbaren Eingriff in die Selbstverwaltung der Krankenkassen dar. Und das, obwohl im Koalitionsvertrag 2017 noch festgehalten wurde, die soziale Selbstverwaltung zu stärken. Im Vertrag der Ampelkoalition fehlt eine solche Erklärung. Vielleicht läuft es ab jetzt genau andersherum. Die Wiederherstellung des Vertrauens in die soziale Selbstverwaltung muss ein Kernstück der Politik im laufenden Jahr sein. Nicht nur bei Digitalisierungsprojekten, auch bei der Versorgung von COVID-19-Patientinnen und Patienten hat sich gezeigt, dass regionale Lösungen, die von den Akteuren selbst entwickelt wurden, am besten funktionieren.

Versorgung nach Corona

Auch wenn die derzeit grassierende Omnikron-Welle die Akteure und Institutionen des Gesundheitswesens in Deutschland in Atem hält, muss der Blick nach vorne gerichtet werden. Bereits 2021 haben die AOKs sowie das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkasse festgestellt, dass 86 Prozent der COVID-19-Falle im stationären Bereich von nur knapp der Hälfte der Kliniken betreut wird. Ganz aktuell zeigt sich hier, dass spezialisierte bzw. erfahrenere Krankenhäuser die Hauptlast bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten leisten. Auch bei planbaren Operationen steht fest, dass Erfahrung bzw. Spezialisierung einen erheblichen Anteil an der Behandlungsqualität hat. Für Patientinnen und Patienten ist das ein essentieller / gesundheitsrelevanter Fakt! Denn diese wollen bestmöglich behandelt werden und sind dafür auch bereit, weitere Wege in Kauf zu nehmen.


Symbolbild: Für die Versorgung von Patientinnen und Patienten sind Pflegerinnen und Pfleger unersetzlich.

Hinzu kommt, dass die Pandemie schonungslos den Finger in die Wunde der seit Jahren bestehenden Probleme legt: Finanzierung, Personal und Weiterentwicklung. Vor allem im Bereich Personal hat sich die Situation in der Pflege alles andere als entspannt. Bereits vor der Pandemie befanden sich die Krankenhäuser im Wettbewerb um Pflegepersonal. Mit dem Abschied von mehreren Tausend Pflegebeschäftigten alleine schon im ersten Jahr der Pandemie hat sich das Problem noch weiter verschärft. Dies zeigt sich aktuell an den betreibbaren Intensivbetten, die trotz Milliardenförderung aufgrund des Personalmangels nicht genutzt werden können.

Wenn das so ist, wie kann und muss dann künftig die Versorgung strukturiert sein? Die Akteure in Sachsen und Thüringen diskutieren derzeit genau darüber. Während der Prozess in Thüringen noch am Anfang steht, ist er in Sachsen bereits kurz vor Abschluss. Das ist auch gut so, denn in diesem Jahr muss der sächsische Landtag auch den neuen Krankenhausplan verabschieden, welcher die Struktur der sächsischen Krankenhäuser für die kommenden Jahre festlegt. Die Politik hat erkannt, dass er jetzt Entscheidungen braucht, um die Versorgung in den kommenden zehn bis 20 Jahren zu sichern. Dazu gehört auch die dringende Überwindung der Sektorengrenzen, die Sicherstellung der Behandlungsqualität und die Sicherstellung der flächendeckenden Grundversorgung. Zumindest setzt der Koalitionsvertrag der Ampelregierung hier positive Signale, auch bei der dringend nötigen Reform der Notfallversorgung.

Aber wie so vieles in der Politik sind auch diese Themen: Das Bohren harter Bretter.

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