Multimodale Schmerztherapie

Nicht immer lässt sich bei Rückenschmerzen die Ursache eindeutig bestimmen. Um chronische Schmerzen zu vermeiden, sollten unspezifische Rückenbeschwerden optimal behandelt werden. Deshalb bieten die AOK PLUS und das Sophien- und Hufeland-Klinikum Weimar eine multimodale Schmerztherapie an. Wir sprachen mit Dr. Egbert Seidel über das Programm.

25.10.2022Autor/in: Matthias GottschalkRubrik: Nachgefragt und Nachgehakt, Versorgung und Innovation 4

Mit welchen Schmerzen kommen Patienten zu Ihnen?

Zu mir kommen Patienten mit Schmerzen, die seit mehr als sechs Wochen bestehen, oft keine Linderung durch die bisherige monomodale Therapie erfahren haben und die Lebensqualität der Patienten im Alltag und Beruf erheblich beeinträchtigen. Teilweise liegen auch schon wiederholte, lange Arbeitsunfähigkeitszeiten vor. Oft wurden bereits unterschiedliche Fachärzte aufgesucht, die aber ohne Absprache untereinander in langem zeitverzögerten Rahmen nur fachbezogene Diagnostiken durchgeführt haben.

Wie können Patienten an dem Behandlungsprogramm teilnehmen?

Die Patienten befinden sich meist in hausärztlicher Betreuung. Dort sprechen sie die Problematik an, und der Hausarzt stellt eine Überweisung zu einem Untersuchungstag aus. An dem Tag untersuchen dann innerhalb von sechs Stunden Experten aus sieben Fachdisziplinen die Patientin oder den Patienten. Und abschließend findet gemeinsam mit dem Patienten eine Beratung über das weitere Vorgehen statt. Dann gibt es mehrere Therapieoptionen in Abhängigkeit von den erhobenen Befunden. Dazu kann eine dreiwöchige ambulante multimodale Schmerztherapie im Schmerzzentrum gehören. Berücksichtigung finden dabei die berufliche und soziale Situation des Patienten. Mit dem Patienten gemeinsam wird der Weg aus dem Schmerzkreislauf besprochen und eine Rahmenplanung für die nächsten sechs Monate festgelegt, zu der regelmäßige Kontakte zum Patienten und Nachsorgestrategien gehören.

Wie genau läuft die Behandlung ab?

Die Patienten werden nach dem gemeinsamen Gespräch unterschiedlichen Behandlungsmodulen zugeführt. Im Modul 3a werden zum Beispiel über fünf bis sechs Stunden täglich multimodale Konzepte von der ärztlichen Schmerztherapie über die physiotherapeutische, ergotherapeutische, sporttherapeutische Therapie als auch eine psychologische Behandlung umgesetzt. Dabei erfolgen alle 2 bis 3 Tage Rückmeldungen an den ärztlichen Schmerztherapeuten zur weiteren gemeinsamen Planung. Am Ende dieser Maßnahme erfolgt wiederum eine Abschlussuntersuchung der verschiedenen Fachdisziplinen und die Festlegung der Nachsorgemaßnahmen.

Das gemeinsame Ziel ist die Rückkehr an den alten, aber ergonomisch und arbeitsmedizinisch angepassten Arbeitsplatz bzw. die Reduktion von Medikamenten und die Zurückgewinnung eines aktiven Lebensstils.

Wie viele Patienten haben das Angebot bisher genutzt? Waren alle damit zufrieden?

Bis heute haben circa 100 Patienten das Angebot genutzt und wurden unterschiedlichen Therapiemodulen zugeordnet. Durchweg war die Patientenzufriedenheit bei unseren internen Messung auf einer Skala von eins bis fünf bei 1,2 – 1,3.

Wie schätzen Sie das Angebot ein? Ist es erfolgreich? Was bräuchte es noch?

Wir schätzen das Angebot als sehr erfolgreich ein. Es ersetzt kostspielige stationäre Angebote erfolgreich, hilft den Patienten im persönlichen Umfeld zu verbleiben und gegebenenfalls Module berufsbegleitend wahrzunehmen. Die Akzeptanz könnte wesentlich höher sein. Aber die Coronapandemie hat bisher sowohl den Zugang als auch die Durchführung deutlich behindert.

In Zukunft halten wir dieses Angebot unbedingt für geeignet in die Regelversorgung chronischer Schmerzpatienten überführt zu werden, welche nicht erst in zwei Jahren solche multiprofessionalen Angebote erhalten sollten, sondern am Beginn der Chronifizierung.

Kommentare (4)

  • Jenny Füsting

    am 07.12.2022 um 12.41 Uhr

    Hallo Frau Nitzschke,
    ja, das die multimodale Schmerztherapie wird in Weimar, im Sophien- und Hufeland-Klinikum angeboten.
    Ihr Hausarzt stellt Ihnen eine Überweisung an das Klinikum aus. Ein Expertenteam aus Ärzten und Therapeuten verschiedener Fachrichtungen nimmt dann eine umfassende Diagnostik vor, um die Ursache des Schmerzes herauszufinden und individuelle Behandlungsmodule zusammenzustellen.

    Viele Grüße und alles Gute für Sie!

  • Jenny Füsting

    am 07.12.2022 um 12.36 Uhr

    Hallo, bestimmt gibt es im Raum Bonn Angebote zur multimodalen Schmerztherapie. Inwiefern diese unserem Angebot ähneln, können wir nicht beantworten. Die AOK PLUS ist in Sachsen und Thüringen für Ihre Versicherten aktiv. Fragen Sie doch gern bei Ihrer Krankenkasse einmal nach. Viele Grüße und alles Gute für Sie!

  • Virgilio S. Arquisola

    am 30.11.2022 um 16.17 Uhr

    Gibt es das auch für Rentner?
    Auch im Raum Bonn?

  • Nitzschke. Ursula

    am 26.11.2022 um 14.38 Uhr

    Würde so eine Schmerztherapie in Weimar stattfinden?

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