„Wir alle können etwas bewirken“

Nachhaltigkeit ist keine Mode. Es ist ein Versprechen an die Zukunft. Gerade findet die „Europäische Nachhaltigkeitswoche“ statt, um mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und Menschen zu überzeugen, nachhaltig zu handeln. Die AOK PLUS hat mit Franziska Bauerfeind eine Nachhaltigkeitsbeauftragte, die sich zu 100 Prozent dieser wichtigen Aufgabe widmet. Im Interview berichtet sie von ihrer Arbeit und der besonderen Rolle der AOK PLUS. Denn Klimaschutz ist auch Gesundheitsschutz.

21.09.2022Autor/in: Franziska MärtigRubrik: Allgemein, Grüner Kosmos und AOK-Welt, Nachgefragt und Nachgehakt, Presse und Politik 0

Frau Bauerfeind, wo stehen wir als Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit?

Nun, wir beginnen nicht bei Null. Haben seit 2019 Ökostrom, der Fuhrpark ist in Teilen elektrifiziert, eine Menge läuft schon online und digital. Aber es gibt noch mehr, was wir anpa­cken müssen und können. Was mich grundsätzlich total freut: Das Thema ist vielen bei uns wichtig.

Gibt es aktuelle Vorhaben?

Ja sicher. Wir arbeiten im nächsten Schritt daran, unseren CO2-Ausstoß zu messen. Stehen wir gut da? Schlecht? Die Ergebnisse werden uns ein Gefühl dafür geben. Daraus können wir dann unsere Klimastra­tegie entwickeln.

Sind wir da nicht ein wenig spät dran?

Wir werden als Dienstleistungsunterneh­men nie ein Innovator sein wie das produzierende Gewerbe, das zum Beispiel ein besonderes Material herstellt. Aber uns kommt eine besondere Rolle zu. Denn Klimaschutz ist auch Gesundheitsschutz. Wir haben 3,4 Millionen Versicherte, denen wir diesen Zusammenhang näherbringen können. Wer zum Beispiel flexitarisch oder vegan unterwegs ist, tut dem Planeten gut und gleichzeitig sich selbst. Erste Forschungen zeigen: Diese Kombination aus Klima- und Gesundheitsschutz ist ein großer Moti­vator, das eigene Verhalten zu ändern. Und für uns eine große Chance.

Was können wir denn konkret tun?

Es fängt im Kleinen an. Öfter die Heizung abdrehen, das Licht im Gang ausschalten und, wenn es geht, mit dem Rad zur Arbeit fahren – all das hilft. Da merkt jeder: Wir alle können etwas bewir­ken, wir müssen nur bei uns selbst anfangen und ins Umdenken kommen. So wie das Unternehmen auch. Wir sollten es allen einfach machen, zur Nach­haltigkeit beizutragen. Privat und bei der Arbeit.

Leben Sie denn selbst nachhaltig?

Ich bin nicht bei 100 Prozent. Aber ich ver­suche, jeden Tag nachhaltiger zu handeln. Zuerst einmal habe ich meinen eigenen CO₂-Fußabdruck gemessen. Da war ich im oberen Drittel mit mei­nen Reisen vor Corona. Seitdem haben wir privat Autofahrten auf das Notwendige reduziert. Ich esse weniger Fleisch und Käse, wähle häufiger pflanzli­che Alternativen, gönne mir aber auch mal ein Bröt­chen mit Mett, dann aber möglichst vom Bauern. Und ich achte auf die Konsumpyramide. Was brauche ich wirklich? Kann ich was reparieren oder weggeben? Früher hieß Wohlstand Konsum. Heute ist das nicht mehr zeitgemäß. Gerade für die jungen und kom­menden Generationen ist Nachhaltigkeit ein wichti­ger Faktor. Auch bei der Wahl des Arbeitgebers.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten drei Wünsche frei…

…dann würde ich sofort auf einen Schlag bei all unseren rund 170 Gebäuden die Energiebilanz optimieren. Zum Beispiel auf Solarpanel setzen, bes­ser dämmen, Fassaden und Dächer begrünen, so wie an einigen Standorten schon geschehen. Das macht ungemein viel fürs Mikroklima. Ach, und ich würde die Kliniken gleich miteinbeziehen. Die haben einen enormen Materialbedarf und entsprechend Abfall. Hier könnten wir gemeinsam viel erreichen.

Ihr zweiter Wunsch?

Neben dem Wirtschaftlichkeitsgebot auch ein Nachhaltigkeitsgebot in der Beschaffung und der Vergabe verankern. Wir brauchen da einen viel grö­ßeren Spielraum von Seiten des Gesetzgebers, finan­zielle und aktive Unterstützung.

Bleibt Wunsch drei…

Franziska Bauerfeind ist Nachhaltigkeitsbeauftragte der AOK PLUS. Foto: Robert Gommlich.

Alles machen zu dürfen, das hilft, Präven­tion und Klimaschutz als ein gemeinsames Thema voranzubringen. Die Freiheit zu haben, Dinge mit Partnern und Kunden einfach umzusetzen. Und zum Beispiel das Umfeld von Schulen dahingehend zu ändern. Wir können gar nicht früh genug ansetzen.

Weitere Infos und Impulse im Talkformat

Unter dem Motto „Stadt.Land.Klimawandel – AmPuls-Talk für eine gesunde Zukunft“ diskutierten Tina Rudolph MdB, Dr. Frank Bauer, Leiter Gesundheitsamt Dresden, und Franziska Bauerfeind, Nachhaltigkeitsbeauftragte der AOK PLUS. Dabei ging es unter anderem um die Rolle der Vernetzung: Politik, Public Health und Krankenkassen können auf verschiedenen Ebenen ihren Beitrag leisten, etwa mit stabilen Rahmenbedingungen für mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen, Hitzeaktionsplänen und der Stärkung der Gesundheitskompetenz der Menschen.

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