Klimastudie: Einfluss von Luftqualität und Wetter auf die Gesundheit

Wie eine aktuelle Studie der AOK Baden-Württemberg und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigt, wirken sich die Effekte des Klimawandels und die Luftverschmutzung schon heute negativ auf die Gesundheit aus. Diese Forschungsergebnisse für Baden-Württemberg sind auch für die Gestaltung der Gesundheitsversorgung durch Ihre AOK wertvoll.

Die aktuelle Klimastudie des DLR belegt den Zusammenhang von Luftqualität und Gesundheit.© iStock / Domepitipat

Folgen des Klimawandels greifbar machen

Für die menschliche Gesundheit ist eine intakte Umwelt von entscheidender Bedeutung. Die zunehmende Erderwärmung und deren Folgen haben einen unmittelbaren Einfluss auf die menschliche Gesundheit. Durch veränderte Witterungs- und Klimabedingungen können sich Infektionskrankheiten stärker ausbreiten und Allergien häufiger auftreten. Auch das Hautkrebs-Risiko erhöht sich. Ein Schutz unserer Umwelt bedeutet daher automatisch auch einen Schutz unserer Gesundheit.

Der menschengemachte Klimawandel verändert Faktoren, die die Gesundheit der Bevölkerung beeinflussen. Getreu ihres Mottos „GESUNDNAH“ möchte die AOK Baden-Württemberg mehr über die regionalen Auswirkungen erfahren.

In der bisherigen Diskussion um Klimawandel und Gesundheit kommen die wissenschaftlich-fundierten Lösungskonzepte allerdings zu kurz. Die AOK Baden-Württemberg konzentriert sich bereits seit 2020 in einer gemeinsamen Kooperation mit dem DLR darauf, die Zusammenhänge von Umweltstressoren auf die Gesundheit in Baden-Württemberg zu erforschen, um somit die Folgen des Klimawandels greifbar zu machen und die Versorgung mit Blick darauf weiterzuentwickeln. In der in Deutschland einmaligen Kooperation werden konkrete Krankheitsbilder mit klimatischen Veränderungen und Umweltfaktoren zusammengebracht.

Das DLR kann anhand von Erdbeobachtungsdaten die Konzentration von Schadstoffen in der Luft sowie Wetterentwicklungen wie zum Beispiel Temperatur und Niederschlag sehr genau nachvollziehen. Die AOK Baden-Württemberg bringt als Projektpartnerin die Erkrankungsdaten von etwa 40 Prozent der Bevölkerung Baden-Württembergs ein. Anhand von Modellrechnungen können die Forschenden des DLR diese Daten miteinander verknüpfen. Daraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie sich die betrachteten Klima- und Umweltfaktoren auf die Gesundheit auswirken. Die gemeinsame Forschung betrachtet hierbei insbesondere Bevölkerungsgruppen, die ein besonders hohes gesundheitliches Risiko aufweisen wie zum Beispiel Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

© AOK

Eine erste Studie aus der Kooperation zur Wirkung von Umweltstressoren auf die Grippe-Inzidenz liefert erste vielversprechende Ergebnisse, die Aufschluss geben, welche Umweltfaktoren die Ausbreitung von Grippeinfektionen in der Bevölkerung beschleunigen und welche nicht. Die Studie wurde in der international renommierten Fachzeitschrift Environmental Health veröffentlicht.

  • 1. Feinstaub und Temperatur beeinflussen Ausbreitung der Grippe

    In der nun veröffentlichten Studie wurde untersucht, wie die Ausbreitung der Grippe mit unterschiedlichen Wetter- und Umweltfaktoren zusammenhängt. Grippeerkrankungen werden durch bestimmte Viren ausgelöst. Wie stark sich diese Viren vermehren und verbreiten, ist unter anderem auch von äußeren Umständen abhängig.

    Zu diesen sogenannten Stressoren zählen unter anderem Außentemperaturen von weniger als 13 Grad Celsius und die Schadstoffbelastung der Luft. In der Studie zeigte sich, dass die Häufigkeit der Erkrankung je nach Saison stark schwankt. Diese Schwankungen lassen sich durch die Temperatureffekte und die Feinstaubbelastung erklären.

    „Anhand der Modellrechnungen in der Studie verdoppelt sich innerhalb der beobachteten Feinstaub-Schwankungen das Risiko, an Influenza zu erkranken“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Jörn Rittweger, Professor für Weltraumphysiologie am Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin des DLR. Beim Vergleich der Häufigkeiten von Grippeerkrankungen in Zusammenhang mit der Außentemperatur zeige sich, dass sich dieser Stressor deutlich stärker auswirke als der durch den Menschen verursachte Feinstaub und das Risiko für eine Grippeerkrankung bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius besonders hoch ist. Da von diesen Faktoren nur die Feinstaubbelastung menschengemacht ist, kann dieser eher entgegengewirkt werden.

    Die vorliegenden Forschungsergebnisse relativieren frühere Berichte zum Zusammenhang der Häufigkeit von Grippeerkrankungen mit Niederschlägen und Stickstoffoxid. Besonders die im Rahmen der Covid-19-Pandemie vorgebrachte Ansicht, dass Stickstoffoxid ein Hauptauslöser für die Ausbreitung von Grippe sei, konnte nicht bestätigt werden.

    „Die Zusammenarbeit zwischen dem DLR und der AOK Baden-Württemberg hat das Ziel, die Zusammenhänge zwischen den vorherrschenden Umweltstressoren und Erkrankungen im Detail zu erforschen. Dadurch sollen mittelfristig individualisierte Risikovorhersagen ermöglicht und standortabhängige Empfehlungen für die Gesundheitsversorgung und -prävention abgeleitet werden“, betont Johannes Bauernfeind, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.

    Die Untersuchung zeigt: Die Kombination von Erdbeobachtung und Krankenversicherungsdaten ist ein leistungsfähiges Konzept für Studien zur öffentlichen Gesundheit. Die AOK Baden-Württemberg und das DLR schaffen damit die Basis für den postleitzahlgenauen Nachweis von Auswirkungen des Klimawandels und der Luftverschmutzung auf die Gesundheit der Bevölkerung.  Diese Ergebnisse werden in die individuelle Beratung der Versicherten einfließen und die Gesundheitsversorgung vor Ort stärken.

  • 2. Startschuss für weitere Forschung

    Die AOK Baden-Württemberg wird die Forschung mit dem DLR auf weitere Erkrankungen ausweiten. Auf Basis der in der ersten Studie gesammelten Informationen lassen sich weitere Krankheitsbilder abbilden. Darüber hinaus ist zu analysieren, welche Kosten sich direkt mit den Umweltfaktoren in Verbindung bringen lassen.

    Wie die Studienergebnisse zeigen, verändert der menschengemachte Klimawandel Faktoren, die die Gesundheit der Bevölkerung beeinflussen. Vor diesem Hintergrund möchte die AOK Baden-Württemberg mehr über die regionalen Auswirkungen erfahren und die gemeinsame Forschungsarbeit mit dem DLR fortsetzen.

    Dies kann dazu beitragen, die Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf die Gesundheit der Menschen in Baden-Württemberg nachvollziehbar zu machen. So können effektive Versorgungsinnovationen in verschiedenen Bereichen entwickelt werden, um diese Risiken wirksam zu verringern.

Die Studie zu Umweltfaktoren und Grippeinfektionen ist ein erstes Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen DLR und AOK Baden-Württemberg und zeigt, welche Potentiale in der flächendeckenden Analyse von Daten stecken. Es ist unser Ziel, weitere Analysen anderer Erkrankungen durchzuführen. Hier möchten wir auch gemeinsam mit anderen Akteuren aus der Politik und dem Gesundheitswesen Handlungsempfehlungen entwickeln, die regionale Belastungen in der Gesundheitsvorsorge und -versorgung berücksichtigen.

Aktualisiert: 22.11.2022

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