Psychische Belastungen senken
Psychische Erkrankungen sorgen für lange Ausfallzeiten am Arbeitsplatz. Sie machen mittlerweile rund 13 Prozent der Fehlzeiten aus – Tendenz stetig steigend.
Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sind knapp 28 Prozent der Erwachsenen in Deutschland jährlich von einer psychischen Störung betroffen. Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören Angststörungen, Depressionen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentengebrauch. Doch nur 18,9 Prozent der insgesamt knapp 18 Millionen Betroffenen beginnen aufgrund ihrer Probleme auch eine therapeutische Behandlung. Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist eine psychische Erkrankung meist mit massivem Leid verbunden und führt oft zu schwerwiegenden Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben.
Mehr als 35 Milliarden Euro Produktivitätseinbußen
Auch aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist die Zunahme psychischer Erkrankungen überaus relevant. Die Kosten aufgrund von Produktivitätseinbußen in Folge von Krankheitstagen wegen psychischer Erkrankungen beliefen sich 2023 auf 35,4 Milliarden Euro, so die DGGPN. Das entspreche einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von 0,8 Prozent. Zudem waren 2023 nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums in etwa 42 von 100 Fällen einer Erwerbsminderungsrente psychische Störungen die Ursache.
Analysen von Krankenkassendaten belegen für die Zeit während und nach der Corona-Pandemie eine überdurchschnittliche Zunahme der Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) bestätigen das. Für seinen jährlichen Fehlzeiten-Report wertet das WIdO die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen der circa 15,1 Millionen erwerbstätigten AOK-Versicherten in Deutschland aus. „Auch wenn es andere Erkrankungen gibt, die häufiger eine Arbeitsfähigkeit verursachen, ist die Erkrankungsdauer bei psychischen Problemen mit durchschnittlich 28,5 Tagen pro Fall sehr hoch. Damit führen vergleichsweise wenige Fälle zu überdurchschnittlich hohen Fehlzeiten“, erklärt Lutz Schäffer, Versichertenvertreter im Verwaltungsrat der AOK NordWest und alternierender Aufsichtsratsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. „Zudem ist der Langzeittrend besorgniserregend, da innerhalb der letzten zehn Jahre die Ausfalltage wegen psychischer Erkrankungen um 43 Prozent gestiegen sind.“ Psychische Erkrankungen machten mittlerweile knapp 13 Prozent der gesamten Krankheitskosten Krankheiten verursachen direkte Kosten: sie umfassen alle Kosten, die für medizinische Leistungen… aus. „Nur Krankheiten des Kreislaufsystems verursachen höhere Kosten“, betont Schäffer.
Arbeitsverdichtung belastet Mitarbeitende
„Für die einzelnen Betriebe können die durch psychische Störungen bedingten Ausfallzeiten nicht nur erhebliche Produktivitätseinbußen verursachen. Zugleich führen hohe Krankenstände immer auch zu zusätzlichem Aufwand bei den verbleibenden Kolleginnen und Kollegen“, erläutert Schäffer weiter. Die so entstehende Arbeitsverdichtung führe oft zu einer Überlastung, die in weiteren Ausfallzeiten resultiere.
Gesunde Bedingungen im Betrieb zu fördern helfe, krankheitsbedingte Fehlzeiten zu vermeiden oder gering zu halten, betont Dr. Susanne Wagenmann, die als alternierende Vorsitzende die Arbeitgeberseite im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes vertritt. Auch das gesundheitsgerechte Verhalten der Beschäftigten werde dadurch gestärkt. Ein gutes Betriebsklima trage beispielsweise dazu bei, dass Mitarbeitende eher bereit seien, krankheitsbedingte Ausfälle durch Mehrarbeit zu kompensieren. Gesunde Führung und eine konstruktive Fehlerkultur seien weitere wichtige Bausteine. Auch eine Analyse der Fehlzeiten helfe , den Krankenstand Der Krankenstand beziffert die Zahl der arbeitsunfähig geschriebenen Kranken bezogen auf 100… zu senken: „Sie gehört in den meisten Unternehmen aus gutem Grund zum Alltag, da sie viele Ansatzpunkte bietet, um mögliche Probleme zu erkennen. Unternehmensstatistiken allein lassen aber noch keine belastbaren Rückschlüsse zu“, so Wagenmann. Hier könne die AOK mit Ursachen- und Krankenstandsanalysen die Betriebe erfolgreich unterstützen.
Auch Angebote der Betrieblichen Gesundheitsförderung ist ein fortlaufender Prozess mit dem Ziel, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über… seien für Betriebe in der Regel eine lohnenswerte Investition. „Die Betriebe leisten hier bereits einiges und senken mit ihrem Engagement nachgewiesenermaßen die Krankenstände sowie die Personalfluktuation“, ergänzt Wagenmann. Außerdem steigere Betriebliche Gesundheitsförderung Seit dem Inkrafttreten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes zum 1. April 2007 sind die bisherigen… die Zufriedenheit von Mitarbeitenden und führe so zu mehr Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.
AOK bietet Unterstützung für Betroffene, Angehörige und Betriebe
Um Versicherte und ihre Angehörigen im Falle psychischer Belastungen auch außerhalb des betrieblichen Umfeldes bestmöglich zu unterstützen, bietet die AOK ihnen mit dem Familiencoach Depression ein Onlinetool an, das schnell und niedrigschwellig Hilfe bietet. Der Familiencoach ist interaktiv und richtet sich an Personen, die einen an einer Depression erkrankten Menschen in der Familie oder im Freundeskreis haben, oder die vermuten, dass ein Angehöriger, Freund oder der Partner unter einer Depression leiden könnte. Mit dem Onlineprogramm eignen sich Angehörige fundiertes Wissen an und lernen, wie sie die Betroffenen gut unterstützen können.
Mit dem Programm „Gesund führen“ richtet sich die AOK hingegen speziell an betriebliche Führungskräfte. Das Programm beinhaltet sieben Module und hilft Führungskräften dabei, ihr Führungsverhalten zu reflektieren und zu verbessern, die eigene Gesundheit zu stärken und Mitarbeitende gesund und leistungsfähig zu erhalten.