Umfrage zur Pflege zeigt: Reformen, finanzielle Stabilität und mehr Beratung dringend nötig
Menschen in Sachsen-Anhalt am unzufriedensten mit Arbeit der Bundesregierung
Umfrage zur Pflege zeigt: Reformen, finanzielle Stabilität und mehr Beratung dringend nötig
Menschen in Sachsen-Anhalt am unzufriedensten mit Arbeit der Bundesregierung
Die soziale Pflegeversicherung steckt in der Krise: Steigende Beiträge, immer höhere Eigenanteile im Heim und strukturelle Defizite bei Versorgungsangeboten – all das bereitet den Menschen in Deutschland offenbar erhebliche Sorgen. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag der AOK. Fazit der Umfrage: Die Menschen in Sachsen-Anhalt erwarten mehr Unterstützung durch den Bund in Form von finanzieller Stabilisierung und strukturellen Reformen. Außerdem benötigen sie mehr Beratung und Aufklärung zur Pflege.
Auf die Frage, mit welcher Schulnote die Befragten die Arbeit der Bundesregierung zur sozialen Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… beurteilen würden, vergaben 57 Prozent der Sachsen-Anhalter ein „Ungenügend“ und damit die Note sechs. Damit vergibt Sachsen-Anhalt tendenziell die schlechteste Note im Bundesvergleich. 19 Prozent vergaben die Note fünf (mangelhaft), neun Prozent sagen „ausreichend“ (Note vier), sieben Prozent vergaben die Note drei (befriedigend). Nur zwei Prozent würden der Bundesregierung die Note zwei geben, ein Prozent kam zu dem Urteil „sehr gut“. Besonders hoch ist die Unzufriedenheit in den östlichen Bundesländern, wobei Sachsen-Anhalt Spitzenreiter ist. In Brandenburg vergaben 56 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen jeweils 54 Prozent die Note sechs.
Eine der zentralen Herausforderungen ist der Umfrage zufolge die Finanzsituation: So stimmten 76 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt der Aussage zu, dass die Pflegeversicherung chronisch unterfinanziert sei. 86 Prozent der Befragten sagten zudem, dass ihr Vertrauen in die finanzielle Stabilität der Pflegeversicherung in den nächsten zehn Jahren gering sei, nur 7 Prozent gaben ein hohes Vertrauen an. Mit deutlich steigenden Beiträgen zur sozialen Pflegeversicherung rechnen in den kommenden zwölf Monaten 83 Prozent der Befragten.
Pflegeversicherung braucht jetzt finanzielle Stabilität
Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheitsversorgung und Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Sachsen-Anhalt, sagt: „Die Umfrage zeigt ein klares Bild. Der seit Jahren ungelöste Reformstau in der Pflege verunsichert viele Menschen. Gelingt es jetzt nicht schnell, die Pflegeversicherung finanziell zu stabilisieren, geht Vertrauen verloren – in die Pflegeversicherung und in ihre Zukunft.“ Für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind grundsätzlich alle Arbeiter und Angestellten… habe die Finanzkommission Gesundheit gerade erst belastbare und kurzfristig wirksame Sparvorschläge vorgelegt. „Die Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe ,Zukunftspakt Pflege‘ sind hingegen ernüchternd. Anders als in der Krankenversicherung ist weiterhin unklar, wie eine Reform aussehen soll“, sagt Beutel. Und was letzte Woche an Reformüberlegungen durchsickerte, sei wenig ermutigend gewesen. Eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze Für die Beitragsberechnung wird das Arbeitsentgelt bis zur Höhe der jeweiligen… in der Pflegeversicherung oder eine gestreckte Deckelung von Eigenanteilen im Pflegeheim würden nur wieder einseitig die Versicherten belasten und auf Leistungskürzungen hinauslaufen.
Zudem reichten Einsparungen und Effizienzmaßnahmen allein nicht aus, um die Pflegeversicherung dauerhaft zu stabilisieren. Um weitere Beitragserhöhungen zu vermeiden, sei die Pflegeversicherung dringend auf zusätzliche Mittel des Bundes angewiesen. „Diese Mittel stehen ihr auch zu“, betont Beutel. „Die Pflegeversicherung finanziert seit Jahren versicherungsfremde Leistungen ist die Bezeichnung für Leistungen der Sozialversicherung , die nicht zu deren eigentlichem Auftrag… wie zum Beispiel Rentenbeiträge für pflegende Angehörige oder Corona-Soforthilfen. Das sind Aufgaben der gesamten Gesellschaft und müssen aus Steuergeldern finanziert werden.“
Unzufriedenheit mit Strukturen vor Ort
Auch die Zufriedenheit mit der Pflegeinfrastruktur ist laut Umfrage niedrig in der Bevölkerung: Als sehr schlecht bzw. eher schlecht bewerten 53 Prozent die vorhandene Pflegeinfrastruktur in Sachsen-Anhalt, also Angebote an Pflegeheimen, ambulanten Diensten, Tagespflegen oder Beratungsstellen. Immerhin 32 Prozent bewerten die verfügbaren Angebote also sehr gut oder eher gut. Insgesamt am unzufriedensten sind die Menschen im Saarland, hier bewerteten 61 Prozent die Angebotssituation als schlecht. Der Aussage, dass Pflegebedürftige und Pflegende in Deutschland insgesamt ausreichend Unterstützung finden, stimmten nur 15 Prozent der Sachsen-Anhalter zu.
Beutel: „Dies zeigt auch, dass wir mehr tun müssen, um die Menschen über die Beratungsangebote der Pflegekassen zu informieren.“ Allein die AOK Sachsen-Anhalt habe landesweit über 190 speziell ausgebildete Pflegeberaterinnen und -berater, die alle Menschen – nicht nur AOK-Versicherte − umfassend zum Thema Pflege beraten können. Auch deshalb mache die AOK Sachsen-Anhalt regelmäßig auf ihr Beratungsangebot aufmerksam. „Im April haben wir beispielsweise eine landesweite Informationskampagne zur Pflegeberatung Bei der Pflegeberatung handelt es sich um eine individuelle Beratung und Hilfestellung durch eine… der AOK Sachsen-Anhalt gestartet. Sie stelle die AOK als Lotse und Anlaufstelle für alle Fragen zur Pflege vor und informiere über konkrete Leistungen.“, erklärt Beutel.
Neben stabilen Finanzen brauche es dringend auch echte Strukturreformen, so Beutel weiter. Ziel müsse es sein, die Pflege besser an den tatsächlichen Bedarf anzupassen und sie vor Ort zu stärken, also Strukturen zu schaffen, die passgenaue Unterstützung im Wohnumfeld ermöglichen und die Pflegebedürftige sowie ihre Angehörigen entlasten. Dazu benötige man eine Vereinfachung des Leistungsrechts. Auch die die strikte Sektorentrennung zwischen ambulanter und stationärer Pflege müsse überwunden werden. Sinnvoll sei eine stärkere Zusammenarbeit von Kommunen, Kranken- und Pflegekassen.
91 Prozent fürchten finanzielle Überforderung durch Eigenanteile
Auch die Eigenanteile im Pflegeheim, die laut Medienberichten zur Pflegereform nun sogar noch weiter steigen könnten, bereiten Sorgen: Diese lagen Ende 2025 in Sachsen-Anhalt durchschnittlich bei 2.100 Euro pro Monat. 91 Prozent der Befragten in Sachsen-Anhalt gaben an, Angst vor finanzieller Überforderung zu haben, falls sie selbst einmal im Heim versorgt werden sollten. Dabei befürchten 55 Prozent, in diesem Fall in einem Mehrbettzimmer wohnen zu müssen, 54 Prozent fürchten, ihrer Familie finanziell zur Last zu fallen und 50 Prozent gaben an, Sorge zu haben, kein bezahlbares Pflegeheim in der Nähe finden zu können.
„Die Pflegeheim-Bewohnenden müssen ständig steigende Eigenanteile schultern. Damit gleichen sie aus, dass die Länder die Investitionskosten für Pflegeeinrichtungen nicht ausreichend finanzieren. Das ist nicht gerecht“, so Beutel. Auch das müsse Teil einer Pflegereform sein. Eine weitere Entlastung wäre möglich, wenn die Ausbildungskosten für Pflegeberufe aus den Eigenanteilen herausgenommen würden. „Das würde die finanzielle Belastung spürbar senken“, sagt Beutel. „Pflegebedürftige in Heimen könnten so auf einen Schlag um rund eine Milliarde Euro entlastet werden.“
Hinweis zur Umfrage und Methodik: Civey hat für den AOK-Bundesverband vom 27.03. bis 31.03.2026 online 10.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren und 5.000 Personen, die befürchten, sich im Alter keine gute Pflege leisten zu können, befragt. Davon entfallen 356 bzw. 219 auf Sachsen-Anhalt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,5 bis 2,6 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis. Die Ergebnisse auf Ebene der Bundesländer sind repräsentativ auf Basis einer modellbasierten, statistischen Methode für kleine Datenräume (Small Area Method). Der statistische Fehler auf Ebene der Bundesländer liegt bei 3,1 bis 8,1 Prozentpunkten.
Zur AOK Sachsen-Anhalt:
Die AOK Sachsen-Anhalt betreut mehr als 850.000 Versicherte und 57.000 Arbeitgeber online und vor Ort im ganzen Land. Mit einem Marktanteil über 42 Prozent ist sie die größte regionale Krankenkasse in Sachsen-Anhalt.
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Eine Pflegerin misst den Blutdruck einer Pflegebedürftigen
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Corinna Beutel
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