Pressemitteilung

Sachsen-Anhalt: Eigenanteile für Pflegeheimbewohner erneut deutlich gestiegen

24.08.2026 AOK Sachsen-Anhalt 4 Min. Lesedauer
Eine Pflegerin begleitet einen Patienten mit einem Rollator
In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Pflegebedürftigen von 2017 bis 2023 deutlich stärker gestiegen als erwartet.

Höchste Veränderungsrate in Deutschland nach Hamburg

Die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen, die in Sachsen-Anhalt im Pflegeheim leben, ist auch Mitte 2026 erneut gestiegen. Das ergab eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Die durchschnittliche Gesamtbelastung liegt bei 2.274 Euro pro Monat. Zur finanziellen Entlastung der Pflegebedürftigen und ihrer Familien fordert die AOK Sachsen-Anhalt deshalb unter anderem, die Ausbildungs- und Investitionskosten aus den Eigenanteilen herauszulösen. 

Die aktuelle Analyse zeigt, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz Mitte 2026 in Sachsen-Anhalt bei 4.736 Euro lagen. Von diesen übernahm die Pflegekasse im Durchschnitt 1.537 Euro als Leistung zum Pflegegrad Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sind zum 1. Januar 2017 in der Pflegeversicherung die… . Zudem hat sie im Durchschnitt 926 Euro als Leistungszuschlag nach Wohndauer erstattet. 

„Der sogenannte pflegebedingte Eigenanteil für Heimbewohner betrug nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… 1.087 Euro, hinzu kamen im Schnitt 856 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 330 Euro für Investitionskosten“, erklärt Corinna Beutel, Leiterin des Geschäftsbereichs Gesundheitsversorgung und Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Sachsen-Anhalt. „Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Gesamtbelastung von 2.274 Euro pro Monat.“

Besonders interessant ist der enorme Anstieg des pflegebedingten Eigenanteils seit Jahresbeginn. Um durchschnittlich 12 Prozent ist dieser Betrag in Sachsen-Anhalt in den letzten sechs Monaten gestiegen, was nach Hamburg die bundesweit größte Veränderungsrate darstellt. (siehe Grafik) 

Große regionale Unterschiede

Das WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… hat die Daten auch nach Landkreisen ausgewertet (siehe Tabelle). Am meisten für ihre Pflege mussten demnach die Pflegeheimbewohner im Burgenlandkreis zahlen. Nach Abzügen der Leistungszuschläge nach Wohndauer lag der pflegebedingte Eigenanteil hier bei 1.165 Euro – im Vergleich zu Ende 2025 ein Anstieg um 12,7 Prozent. Am niedrigsten war der Betrag im Altmarkkreis Salzwedel mit 959 Euro. Doch auch hier betrug der Anstieg seit Ende 2025 mehr als 13 Prozent. Der geringste Anstieg des pflegebedingten Eigenanteils lag mit rund 7 Prozent in Halle (Saale), der höchste im Landkreis Mansfeld-Südharz mit über 15 Prozent. 

Verglichen nach Bundesländern hat Sachsen-Anhalt allerdings mit 4.736 Euro nach wie vor die geringsten Gesamtkosten. Am meisten zahlen Pflegeheimbewohner in Baden-Württemberg mit durchschnittlich 5.612 Euro. 

AOK: Entlastung durch Übernahme der Ausbildungs- und Investitionskosten 

Um die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen spürbar zu reduzieren, fordert die AOK Sachsen-Anhalt eine strukturelle Entlastung der Eigenanteile. „Dazu gehört erstens, die Ausbildungskosten vollständig aus den Eigenanteilen herauszulösen“, sagt Corinna Beutel. „Obwohl die Finanzierung über einen landesweiten Ausgleichsfonds erfolgt, tragen Pflegebedürftige weiterhin einen erheblichen Teil dieser Kosten über die Entgelte der Einrichtungen.“ 

Zweitens sollten laut Beutel die Investitionskosten der Pflegeheime als Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge konsequent von den Ländern übernommen werden. „Jeder Euro, der hier nicht durch Landesmittel gedeckt wird, erhöht unmittelbar die Eigenanteile der Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Beutel. 

Drittens fordert die AOK, Pflegeleistungen flexibler auszugestalten. Beutel: „Heute sind die Leistungsansprüche strikt nach ambulanter und stationärer Versorgung getrennt. Dadurch werden bedarfsgerechte Mischformen häufig erschwert.“ Ein einrichtungsunabhängiges Budget würde es ermöglichen, Pflegeleistungen stärker am individuellen Bedarf auszurichten und vorhandene Mittel effizienter einzusetzen. „So könnten unnötige Heimaufenthalte vermieden und die finanzielle Belastung von Pflegebedürftigen reduziert werden, ohne dass zusätzliche Ausgaben der Pflegeversicherung erforderlich wären“, so Beutel.

Pflegebedingter Eigenanteil (EEE) in den Landkreisen in Sachsen-Anhalt

Pflegebedingter Eigenanteil (EEE) in den Landkreisen in Sachsen-Anhalt nach Berücksichtigung der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge nach §43c SBG XI zum Stichtag 30. Juni 2026 (Hinweis: Für die Gesamtbelastung müssen noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionskosten hinzugerechnet werden)

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WidO)

LandkreisDurchschnittlicher Pflegebedingter Eigenanteil (EEE) zum Stichtag 30. Juni 2026 (absteigend sortiert)Veränderung in Prozent seit Jahresbeginn (31.12.2025)
Burgenlandkreis1.165 Euro12.68
Dessau-Roßlau, Stadt1.154 Euro10,79
Halle (Saale), Stadt1.137 Euro7,39
Mansfeld-Südharz1.127 Euro15,56
Salzlandkreis1.126 Euro13,57
Saalekreis1.124 Euro14,25
Anhalt-Bitterfeld1.100 Euro11,23
Jerichower Land1.091 Euro14,29
Sachsen-Anhalt gesamt1.087 Euro 
Wittenberg1.081 Euro8,03
Harz1.060 Euro13,9
Magdeburg, Landeshauptstadt1.025 Euro9,68
Stendal1.014 Euro10,91
Börde983 Euro12,91
Altmarkkreis Salzwedel959 Euro13,22

Zur AOK Sachsen-Anhalt:

Die AOK Sachsen-Anhalt betreut mehr als 850.000 Versicherte und 57.000 Arbeitgeber online und vor Ort im ganzen Land. Mit einem Marktanteil über 42 Prozent ist sie die größte regionale Krankenkasse in Sachsen-Anhalt.

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  • Pflegebedingt Eigenanteile (EE) nach Berücksichtigung der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge und die Veränderungsrate

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Porträt: Anna Mahler, Leiterin der Pressestelle und Pressesprecherin
Pressesprecherin

Anna-Kristina Mahler

AOK Sachsen-Anhalt