Pressemitteilung

Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen in zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen

09.10.2026 AOK Sachsen-Anhalt 5 Min. Lesedauer

Betriebe müssen sich stärker auf mentale Gesundheit einstellen

Beschäftigte in Sachsen-Anhalt fehlen immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Die Verantwortung darf nicht allein beim einzelnen Beschäftigten abgeladen werden. Betriebe müssen daher unterstützende Angebote entwickeln, um die Situation für Unternehmen, Führungskräfte und Beschäftigte gleichermaßen zu entlasten.

Betriebe müssen sich stärker auf mentale Gesundheit einstellen

Beschäftigte in Sachsen-Anhalt fehlen immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz. Die Fehltage sind in den letzten zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen. Und wer aufgrund von Depressionen oder Angststörungen krankgeschrieben wird, fällt oft lange aus: Im vergangenen Jahr dauerte eine Krankschreibung wegen „Psyche“ durchschnittlich 26 Tage. Das zeigen die Analysen des aktuellen Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) mit dem Schwerpunktthema „Mentale Gesundheit in der Arbeitswelt stärken“. Nach Ansicht der AOK können Unternehmen gegensteuern, indem sie die Arbeitsbedingungen stärker auf die mentale Gesundheit ihrer Beschäftigten ausrichten.

Die Zahlen sind deutlich: Gingen in Sachsen-Anhalts Betrieben 2016 noch 292 Fehltage je 100 Mitglieder auf psychische Erkrankungen zurück, waren es 2025 bereits 470 Fehltage – ein Anstieg von rund 60 Prozent. Die meisten Ausfallzeiten entfielen dabei auf die Diagnosen „Reaktion auf schwere Belastung und Anpassungsstörungen“ und „Depressive Episode“. 

Die Auswertungen des WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… zeigen insbesondere, dass wegen Psyche krankgeschriebene Arbeitnehmer am längsten am Arbeitsplatz fehlen. 26 Tage dauert hier im Durchschnitt eine Krankschreibung, länger als bei jeder anderen ausgewerteten Krankheitsart. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen dauert ein Fall beispielsweise 18 Tage, bei Muskel/Skelett-Erkrankungen 16 Tage. Ein deutlicher Sprung zeigt sich vor allem bei der Burnout-Diagnose. 2016 wurden noch rund 8 Ausfalltage mit der Diagnose erfasst, 2025 sind es bereits 16 Tage.

Ausgaben für Krankengeld gestiegen

Die Relevanz des Themas spiegelt sich auch in den Statistiken zum Krankengeld Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten Krankengeld als Entgeltersatz. Es soll den… wider. 2024 machten die Ausgaben der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Sachsen-Anhalt für Krankengeld mit 225 Millionen Euro etwa 5,3 Prozent der Gesamtausgaben aus. Vor zehn Jahren waren es noch 63 Millionen Euro, was einem Anteil von 2,34 Prozent entsprach. 

„Dieser Anstieg hat unter anderem mit einer höheren Erwerbsquote und mit gestiegenen Löhnen zu tun. Aber auch die Fallzahlen und insbesondere die Dauer je Fall steigen. Hierbei sind die psychischen Erkrankungen ein wichtiger Faktor“, betonte Bethke. So sei die Zahl der Krankengeldfälle wegen psychischer Erkrankungen zwischen 2021 und 2025 um knapp 30 Prozent gestiegen, die Ausgaben stiegen um 58 Prozent. 

Besonders Berufe im Bereich Soziales und Kommunikation betroffen

Besonders Angestellte in sozialen Berufen oder in der Kommunikationsbranche werden häufig aufgrund von psychischen Erkrankungen krankgeschrieben. Zu den in Sachsen-Anhalt am stärksten betroffenen Berufsgruppen zählen Berufe im Dialogmarketing (41 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder), Berufe in der Erziehungswissenschaft (31 AU-Fälle je 100 Mitglieder) und Berufe in der Altenpflege (30 AU-Fälle je 100 Mitglieder). 

„In diesen Berufen wirken mehrere psychosoziale Belastungsfaktoren“, sagt Rene Bethke, Leiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der AOK Sachsen-Anhalt. „Hohe emotionale Anforderungen, Verantwortung für andere Menschen und ein hohes Arbeitspensum in Kombination mit begrenzter Kontrolle über Arbeitsabläufe und oftmals unzureichende soziale Unterstützung wirken sich in häufigeren und längeren Fehlzeiten aus.“ 

Hinzu kämen Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation oder die Angst vor Arbeitslosigkeit. Diese verursachen Niedergeschlagenheit, Wut oder Erschöpfung, wie eine aktuelle Beschäftigten-Befragung für den Fehlzeiten-Report 2026 zeigt. 

Betriebe müssen sich auf mentale Gesundheit einstellen

„Angesichts einer zunehmend angespannten wirtschaftlichen Situation in Deutschland ist davon auszugehen, dass sich psychische Belastungen verstärken und perspektivisch auch negativ auf die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen auswirken könnten“, so die Einschätzung von Bethke. Man müsse daher in Betrieben unterstützende Angebote entwickeln, die helfen, die Situation für Unternehmen, Führungskräfte und Beschäftigte gleichermaßen zu entlasten. 

Bethke: „Gute Arbeit bietet Sicherheit, Zugehörigkeit, Struktur und Selbstwirksamkeit. Wenn man psychisch bedingte Fehlzeiten reduzieren möchte, ist die Gestaltung der Arbeitsbedingungen entscheidend.“ Die Verantwortung dürfe nicht allein beim einzelnen Beschäftigten abgeladen werden.

Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements biete die AOK Sachsen-Anhalt deshalb heute schon verschiedene Angebote für Betriebe.  Beschäftigte profitieren von Stressbelastungs-Screenings oder Seminaren zu Resilienz und Achtsamkeit. Für Führungskräfte gebe es beispielsweise Schulungen für „Gesundes Führen“ oder Seminare zur Teamentwicklung. 

Bethke: „Generell unterstützen wir Unternehmen mit psychischen Gefährdungsbeurteilungen oder Mitarbeiterbefragungen dabei, ihre Situation richtig einzuschätzen. Wir stehen auch bei der Ausbildung von Gesundheitslotsen oder bei einer gesundheitsfördernden Organisationsentwicklung zur Seite.“ Daneben sei auch das Betriebliche Eingliederungsmanagement ein wichtiger Faktor für Betriebe, um psychisch erkrankten Beschäftigen Schritt für Schritt die Rückkehr in die Arbeitswelt zu ermöglichen.   

Insgesamt rückläufiger Krankenstand auch für 2026 erwartet

Insgesamt war der Krankenstand Der Krankenstand beziffert die Zahl der arbeitsunfähig geschriebenen Kranken bezogen auf 100… in Sachsen-Anhalt 2025 mit 7,5 Prozent erneut niedriger als im Vorjahr (7,8 Prozent). Der rückläufige Trend hält seit 2023 an. Der bisherige Höchststand war 2022 mit 7,9 Prozent erreicht worden, nachdem die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Mit dem dritten Bürokratieentlastungsgesetz hat der Gesetzgeber 2019 die Einführung einer… (eAU) eingeführt wurde. Diese hat zu einer vollständigeren Erfassung der Krankmeldungen und zu einem „Niveau-Shift“ nach oben geführt. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die erfassten AU-Tage unter dem Niveau des ersten Halbjahres 2025, sodass in diesem Jahr mit einem weiter sinkenden Krankenstand zu rechnen ist. 

Hinweis: Online-Seminar am 10. November für Führungskräfte

In einem Online-Seminar der AOK Sachsen-Anhalt am 10. November 2026, 10:30 Uhr können Führungskräfte und Personalverantwortliche erfahren, wie psychische Belastungen bei Mitarbeitenden erkannt, angemessen angesprochen und Möglichkeiten zur Entlastung geschaffen werden können. Weitere Informationen gibt es hier: Detail

Zur AOK Sachsen-Anhalt:

Die AOK Sachsen-Anhalt betreut mehr als 850.000 Versicherte und 57.000 Arbeitgeber online und vor Ort im ganzen Land. Mit einem Marktanteil über 42 Prozent ist sie die größte regionale Krankenkasse in Sachsen-Anhalt.

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Porträt: Anna Mahler, Leiterin der Pressestelle und Pressesprecherin
Pressesprecherin

Anna-Kristina Mahler

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