Bitterfeld-Wolfen: Damit Senioren nicht ins Krankenhaus müssen
Goitzsche Klinikum und AOK Sachsen-Anhalt starten landesweit erstes Modellvorhaben für eine ambulante geriatrische Versorgung
Goitzsche Klinikum und AOK Sachsen-Anhalt starten landesweit erstes Modellvorhaben für eine ambulante geriatrische Versorgung
In Bitterfeld-Wolfen gehen das Goitzsche Klinikum und die AOK Sachsen-Anhalt neue Wege, um ältere Menschen in der Region besser zu versorgen. Ein landesweit einzigartiges Modellvorhaben soll es möglich machen, dass Patientinnen und Patienten im geriatrischen Zentrum auch ambulant versorgt und betreut werden können.
Wenn Senioren nicht mehr richtig laufen können oder die Sehkraft nachlässt, ist guter Rat teuer. Werden ältere Menschen gebrechlich oder krank, benötigen sie mit der Geriatrie bzw. „Altersmedizin“ eine spezialisierte Betreuung. Denn ab einem gewissen Alter leidet der Körper oft nicht nur an mehreren Krankheiten gleichzeitig, auch der Heilungsprozess dauert länger.
Ambulante geriatrische Versorgung im Land unzureichend
Das Problem: Sachsen-Anhalt ist bei der ambulanten Versorgung dieser geriatrischen Patienten nicht gut aufgestellt. „Wir haben Kliniken, die ältere Patienten bei akuten Fällen wie Frakturen oder Schlaganfällen sehr gut behandeln können. Doch es wird schwierig, wenn die Erkrankung noch nicht akut ist oder nach einem Krankenhausaufenthalt eine ambulante Reha nötig wäre“, sagt Kay Nitschke, Leiter des Geschäftsbereiches ambulante und stationäre Versorgung bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Sachsen-Anhalt. „Bei der ambulanten Versorgung dieser Patienten haben wir ein Defizit im Land.“
Genau dieses Problem gehen das Goitzsche Klinikum und die AOK Sachsen‑Anhalt nun an. In einem landesweit einzigartigen Modellversuch entwickeln sie die geriatrische Tagesklinik zu einem ambulant‑geriatrischen Zentrum weiter. Das bedeutet: Hausärztinnen und Hausärzte können AOK‑versicherte Patientinnen und Patienten auch ohne akuten Anlass dorthin überweisen – eine stationäre Aufnahme ist nicht erforderlich. Vor Ort erhalten sie eine individuell auf ihre Gesundheitssituation abgestimmte Behandlung und Betreuung.
Krankenhausaufenthalte vermeiden
„Wir sprechen hier von älteren Patienten, bei denen die Erkrankung noch nicht akut ist, die aber im Alltag schon deutlich eingeschränkt sind und bei denen ein stationärer Aufenthalt droht, wenn nichts unternommen wird“, sagt Dipl.-Med. Roberto Schnabel, Chefarzt der Medizinischen Klinik III am Goitzsche Klinikum und stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Geriatrie Sachsen-Anhalt. Insbesondere in Bitterfeld-Wolfen ist das relevant. Nach aktuellen Zahlen des statistischen Landesamtes sind dort über 15 Prozent der Bevölkerung 75 Jahre oder älter. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld sind es 14 Prozent.
Das Modell nutzt dabei vorhandene Ressourcen und baut keine Doppelstrukturen auf. „Unsere Tagesklinik ist bereits hervorragend ausgestattet und auf die Krankheitsbilder eingestellt. Diese Ressourcen nutzen wir, um jetzt zusätzlich Patientinnen und Patienten frühzeitig im Umgang mit ihrer Erkrankung zu helfen und einen stationären Aufenthalt zu vermeiden.“
Dazu gehört nicht nur eine individuelle, medizinische Behandlung. Das Angebot umfasst auch Präventionsangebote, Beratungen für Betroffene, Angehörige und Interessierte, Informations- und Schulungsangebote und auch Unterstützung bei der Nachsorge, etwa nach einem Krankenhausaufenthalt. „Selbstverständlich versorgen wir weiterhin akute Fälle stationär, das Modell ist eine Ergänzung zu unserem bisherigen Angebot“, sagt Herr Schnabel.
Netzwerkbildung und sektorenübergreifende Versorgung
Darüber hinaus unterstützt das Zentrum auch die regionalen niedergelassenen Ärzte mit seiner Expertise: Neben ergänzenden Behandlungen gehören dazu auch Diagnostik in Form von Konsultationen oder einer Televisite. Künftig ist auch eine telemedizinische Beratung geplant. Chefarzt Schnabel: „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Ärzten und geriatrischen Schwerpunktpraxen versorgen Patientengruppen mit bestimmten Krankheitsbildern (zum Beispiel diabetologische oder… ein Netzwerk aufzubauen, um die Versorgung übergreifend zu koordinieren und zu optimieren.“
Mit dem Modell gehen das Gesundheitszentrum und die AOK einen echten Schritt hin zu einer Versorgung, die alle Sektoren einbezieht – vom ambulanten Hausarzt über die Akutversorgung in der Klinik bis hin zu Reha-Angeboten. Entwickelt wurde die Idee gemeinsam mit dem Landesverband Geriatrie Sachsen-Anhalt, in dem auch das Goitzsche Klinikum Mitglied ist.
Nitschke: „Diese Form des ambulant-geriatrischen Zentrums ist sektorenunabhängig und soll die Schnittstellenprobleme bei der Versorgung geriatrischer Patienten beseitigen. Die Therapieformen werden besser verzahnt, wodurch der Patient besser durch die Behandlung gelotst wird. Das wichtigste Ziel ist es, bei den Betroffenen die Selbstständigkeit zu erhalten und die Lebensqualität zu steigern.“
Evaluation durch die Universitätsmedizin Jena
Das Modellvorhaben a) Gesetzliche Krankenversicherung: Zur Weiterentwicklung der Versorgung können Krankenkassen und… läuft vorerst bis zum 31. Dezember 2026 und gilt im ersten Schritt nur für AOK-Versicherte. Eine Evaluation soll danach zeigen, ob das Konzept funktioniert. Geleitet wird die Evaluation von Prof. Tino Prell, Professor für Geriatrie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Finanziert wird sie durch das Land Sachsen-Anhalt.
Hinweise für die Redaktionen:
Geriatrie bzw. „Altersmedizin“ ist spezialisiert auf die Bedürfnisse älterer Menschen und hat einen ganzheitlichen Ansatz, der Medizin, Rehabilitation
Die Weltgesundheitsorganisation versteht unter Rehabilitation alle Maßnahmen, die darauf abzielen,…
, Prävention
Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,…
und soziale Unterstützung verbindet.
Zur AOK Sachsen-Anhalt:
Die AOK Sachsen-Anhalt betreut mehr als 850.000 Versicherte und 57.000 Arbeitgeber online und vor Ort im ganzen Land. Mit einem Marktanteil über 42 Prozent ist sie die größte regionale Krankenkasse in Sachsen-Anhalt.
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Kay Nitschke, Leiter des Geschäftsbereiches ambulante und stationäre Versorgung bei der AOK Sachsen-Anhalt. Foto: Mahler / AOK Sachsen-Anhalt
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Dipl.-Med. Roberto Schnabel, Chefarzt der Medizinischen Klinik III am Goitzsche Klinikum. Foto: Goitzsche Klinikum
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Werden ältere Menschen gebrechlich oder krank, benötigen sie mit der Geriatrie bzw. „Altersmedizin“ eine spezialisierte Betreuung. Mit dem „ambulant-geriatrischen Zentrum“ am Gesundheitszentrum Bitterfeld/Wolfen soll die ambulante Versorgung in
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