57 Prozent der Krankenhausfälle in Sachsen-Anhalt könnten ambulant versorgt werden
Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK
Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK
In Sachsen-Anhalt könnten 57 Prozent der Krankenhausfälle ambulant versorgt werden. Das zeigt eine Analyse für den aktuellen Krankenhaus-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Besonders groß ist das „Ambulantisierungspotenzial“ im Bereich der Grundversorgung wie der Inneren Medizin oder der Allgemeinen Chirurgie. Außerdem zeigen die Analysen des Krankenhaus-Reports, dass die im Rahmen der Reform geplante Vorhaltevergütung und das 2020 eingeführte Pflegebudget einer stärkeren Ambulantisierung entgegenwirken.
Der Krankenhaus Krankenhäuser sind Einrichtungen der stationären Versorgung, deren Kern die Akut- beziehungsweise… -Report zeigt, dass in allen 16 Bundesländern mehr als die Hälfte der heute stationär versorgten Fälle ambulant versorgt oder potenziell vermieden werden könnten. Das Spektrum des „Ambulantisierungspotenzials“ reicht dabei von 53 Prozent bis 58 Prozent. In Sachsen-Anhalt könnten 57 Prozent ambulantisiert werden.
Für die Analyse hat das WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… in einer Modellrechnung alle wissenschaftlichen Ansätze zur Vermeidung oder zur Verlagerung von Krankenhausfällen in den ambulanten Bereich gemeinsam betrachtet und jeden im Jahr 2024 abgerechneten Krankenhausfall auf dieser Basis überprüft. Von den bundesweit 15,2 Millionen Krankenhausfällen des Jahres 2024 wären demnach etwa 8,6 Millionen Fälle „ambulantisierbar“ oder vermeidbar gewesen.
Ambulantisierung bedeutet dabei nicht nur, stationäre Eingriffe in den ambulanten Bereich zu verlagern. Weitere Aspekte sind eine bessere ambulante Versorgung oder Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… , um Krankenhausaufenthalte grundsätzlich zu vermeiden, sowie die richtigen Versorgungsstrukturen für eine ambulante Notfallversorgung.
In Sachsen-Anhalt wären laut Analyse von 480.000 Krankenhausfällen rund 280.000 ambulantisierbar oder vermeidbar gewesen. Daraus ergibt sich ein Verlagerungs-Potenzial von 42 Prozent der Belegungstage im Krankenhaus und von 40 Prozent der Klinik-Ausgaben. „Die ambulante Erbringung medizinischer Leistungen führt zu deutlich geringeren Kosten als die stationäre Versorgung, da vor allem der teure Bedarf einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung entfällt“, sagt Dagmar Garlin, Leiterin des Bereichs strategisches Krankenhaus- und Verhandlungsmanagement bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Sachsen-Anhalt. Dies könnte einen wirksamen Beitrag zur Stabilisierung der GKV-Finanzen leisten.
Potenzial in der Grundversorgung, Krankenhausreform muss nachjustiert werden
Besonders in der Grundversorgung könnten laut Krankenhaus-Report Krankenhausfälle vermindert werden. Dazu gehören zum Beispiel die Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… „Allgemeine Innere Medizin“ und „Allgemeine Chirurgie“, in denen jeweils 58 bzw. 63 Prozent der Fälle als ambulantes Potenzial identifiziert wurden.
Erste Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen zeigen jedoch, dass das Thema mit der aktuellen Krankenhausreform nicht konsequent angegangen wird. In Nordrhein-Westfalen wurde die Einführung und Zuweisung sogenannter Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… bereits vorweggenommen. Die 60 in Nordrhein-Westfalen eingeführten somatischen Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… sind als „Blaupause“ für die Reform auf Bundesebene verwendet worden.
Allerdings ist es so, dass es in den Leistungsgruppen Die Einführung von Leistungsgruppen ist Teil einer umfassenden Krankenhausreform, die der… der Grundversorgung kaum Veränderungen bei der Zahl der an der Versorgung beteiligten Krankenhaus-Standorte gab. „Die Reform enthält praktisch keine Maßnahmen zur Ambulantisierung, die angesichts des Fachkräftemangels und der hohen Kosten im Krankenhausbereich aber dringend notwendig wäre“, sagt Garlin.
Hier müsse die Politik vor allem mit einer Reform der geplanten Vorhaltefinanzierung nachjustieren. Die Kapazitäten und die Vorhaltefinanzierung der Krankenhäuser müssen um die „ambulantisierbaren“ Leistungen bereinigt werden, damit der Status quo nicht zementiert werde. Auch die Regelungen für die sogenannten „sektorenübergreifenden Versorger“ an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung seien zu starr und verhinderten eine bedarfsgerechte Ausgestaltung in den Regionen.
Report beleuchtet auch Fehlanreize und Zielkonflikte beim Pflegebudget
Der Krankenhaus-Report 2026 beleuchtet darüber hinaus auch das dynamische Wachstum des Pflegebudgets. Seit dem Jahr 2020 können die Krankenhäuser sämtliche Kosten für Personalzuwachs direkt an die Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… weitergeben. Dieses neu eingeführte Prinzip der Selbstkostendeckung hat laut einer WIdO-Analyse zu einem starken Anstieg der Pflegekräfte in den Krankenhäusern, aber auch zu einer enormen Steigerung der Kosten von 19,4 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 26,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 geführt.
In diesem Jahr liegen die Forderungen der Krankenhäuser aktuell zwölf Prozent über dem für 2025 vereinbarten Wert. Im aktuellen Maßnahmenpaket der Koalition zur Stabilisierung der GKV-Finanzen ist daher vorgesehen, die Zuwächse beim Pflegebudget zu begrenzen.
„Diese Maßnahme wird zur kurzfristigen Eindämmung der seit Jahren ständig steigenden Kosten beitragen. Aber sie behebt nicht die systemischen Fehlanreize und Zielkonflikte, die durch das Pflegebudget entstanden sind“, erklärt Garlin. So sei seit der Einführung des Pflegebudgets ein verlangsamtes Wachstum des Pflegepersonals in der Langzeitpflege zu verzeichnen. Auch bremse das Pflegebudget die Ambulantisierung und verlagere Tätigkeiten in die Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… , die keiner pflegerischen Qualifikation bedürfen.
Das Pflegebudget müsse auch vor diesem Hintergrund weiterentwickelt und die Grundlagen geschaffen werden, das langfristig Effizienz mit einer Abbildung von Pflegebedarf und perspektivisch Pflegequalität verbindet. Es sollten daher eine verbindliche Dokumentation von Pflegediagnosen und Pflegeleistungen gesetzlich verankert werden, die dann auch als Grundlage für ein neues Vergütungssystem genutzt werden können.
Hinweise für die Redaktionen:
Der Krankenhaus-Report 2026 widmet sich dem diesjährigen Schwerpunktthema „Reformperspektiven“ in Bezug auf die Krankenhausstrukturen und die Krankenhausfinanzierung Seit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz von 1972 teilen sich die Bundesländer und die gesetzlichen… . Unter anderem geht es auch um die Reformperspektiven für die Ambulantisierung und die sektorenübergreifende Versorgung. Die Beiträge des Sammelbandes beantworten aus verschiedenen Blickwinkeln die Frage, ob die aktuelle Krankenhausreform auf dem richtigen Weg ist, um die aktuellen Herausforderungen mangelnder Qualitätsorientierung, einer alternden Gesellschaft und knapper werdender finanzieller sowie personeller Ressourcen zu meistern.
Zur AOK Sachsen-Anhalt:
Die AOK Sachsen-Anhalt betreut mehr als 850.000 Versicherte und 57.000 Arbeitgeber online und vor Ort im ganzen Land. Mit einem Marktanteil über 42 Prozent ist sie die größte regionale Krankenkasse in Sachsen-Anhalt.
1 passender Download
-
Dagmar Garlin
Format: JPG | 952 KB | 2021 × 2632 px
Lizenz: Für Ihre Berichterstattung in Verbindung mit dieser Pressemitteilung können Sie das Foto bei Angabe des Bildnachweises kostenfrei verwenden.