Pressemitteilung

Stärkung der hausärztlichen Versorgung

13.05.2026 AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 6 Min. Lesedauer

Hoch / Dr. Römer / Dr. Niemeyer: Innovatives Projekt „HÄPPI“ zeigt erfolgreich, wie die gute hausärztliche Versorgung der Zukunft gelingen kann.

Das Bild zeigt eine Totale. Im Vordergrund mit dem Rücken zum Betrachter und zur Betrachterin die Teilnehmenden der Pressekonferenz. Im Hintergrund auf dem Podium die Protagonistinnen und Protagonisten: Dr. Martina Niemeyer, Clemens Hoch und Dr. Barabara Römer
Dr. Martina Niemeyer am Rednerpult, links am Tisch Clemens Hoch und ganz rechts Dr. Barbara Römer präsentieren die Evaluationsergebnisse des Projekts HÄPPI in Rheinland-Pfalz.

Wie wichtig eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung ist, wissen die Menschen spätestens seit der Corona-Pandemie. Dem Wunsch nach einer festen Anlaufstelle in allen Gesundheitsfragen steht jedoch wegen des demografischen Wandels perspektivisch weniger Versorgungszeit durch Hausärztinnen und Hausärzte gegenüber. Dieser Diskrepanz entgegen tritt das Versorgungskonzept HÄPPI (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell), das 2025 in sieben hausärztlichen Praxen im ländlichen Raum von Rheinland-Pfalz pilotiert wurde. 

Das Land Rheinland-Pfalz, der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Rheinland-Pfalz und die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Rheinland-Pfalz/Saarland haben am Mittwoch (13. Mai) anlässlich des bundesweiten Tags der Hausarztmedizin die Evaluationsergebnisse des Projekts vorgestellt. Die Evaluation des HÄPPI-Projekts in Rheinland-Pfalz durch die Universitäten Mainz und Heidelberg sieht es als gelungen, dass durch neue Strukturen und Prozesse mit dem HÄPPI-Konzept mehr Patientinnen und Patienten versorgt werden können. Praxen können durch neue Teamstrukturen und den verstärkten Einsatz digitaler Instrumente entlastet und gut für die Zukunft aufgestellt werden. Fünf von sieben Praxen gaben daher an, am Ende der Pilotphase mehr Patientinnen und Patienten behandelt zu haben.

Gesundheitsminister Clemens Hoch sieht in HÄPPI großes Potenzial: „Die Ergebnisse des Pilotprojekts in Rheinland-Pfalz zeigen: Delegation und Digitalisierung schaffen mehr Versorgung. Das ist eine gute Nachricht für die Patientinnen und Patienten in Rheinland-Pfalz. Gerade für uns als Flächenland ist wichtig, dass das Konzept auch in kleinen Praxen und im ländlichen Raum umsetzbar ist. Nun versprechen wir uns von der Gesetzgebung auf Bundesebene eine verstärkte Steuerungsrolle der Hausärzte und einen klaren Rahmen für die Delegation ärztlicher Aufgaben, damit wir gute Ansätze wie HÄPPI in eine Regelstruktur außerhalb von Modellprojekten überführen können. Wir bleiben im Land mit innovativen Projekten wie HÄPPI, mit Digitalisierung in der Medizin, multiprofessionellen Teams und mit der zentralen Rolle der Hausarztpraxen bei der Patientensteuerung gut aufgestellt – auch in der Zukunft.“ Das Projekt wurde aus Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz und durch die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland mit rund 280.000 Euro gefördert.

Dr. Barbara Römer, Vorsitzende des Hausärztinnen und Hausärzteverbandes Rheinland-Pfalz, ergänzt: „Statt immer neue Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten zu schaffen, wird in einer HÄPPI-Praxis die Verantwortung unter dem Dach der Hausarztpraxis gebündelt. Zudem sieht HÄPPI Kooperationen mit anderen Akteuren im Gesundheitswesen Das Gesundheitswesen umfasst alle Einrichtungen, die die Gesundheit der Bevölkerung erhalten,… vor. Dabei orchestriert die Hausärztin oder der Hausarzt das Zusammenspiel aller Beteiligten durch fest definierte Delegation und modernste Digitalisierung. Alle Behandlungsschritte greifen ineinander, egal wie viele Akteure beteiligt sind.“

Auch Dr. Martina Niemeyer, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, zeigt sich mit den Ergebnissen zufrieden: „Für die AOK ist HÄPPI ein Erfolg, weil gemeinsam und erfolgreich Neues ausprobiert wurde. Das Modell führte zum Rückgang von Doppelstrukturen, Delegation an Fachkräfte bedeutete Entlastung und Arbeitsteilung im Praxisalltag und insbesondere die digitalen Unterstützungsmöglichkeiten schafften neue Freiräume. Für die Menschen in den rheinland-pfälzischen Regionen ist durch das innovative Betreuungskonzept im multiprofessionellen Team durch HÄPPI bereits ein passgenauer Zugang zu Gesundheitsleistungen qualitätsgesichert erlebbarer geworden.“

Das Bild zeigt eine Gruppe mit Frauen und Männern die ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift „Wir sind HÄPPI“ tragen
Clemens Hoch (3.v.l), Dr. Barabara Römer (6. v.l.) Dr. Martina Niemeyer (4.v.r.) freuen sich mit den beteiligten Praxiszteams über den Erfolg

Nicht nur die Hausärztinnen und Hausärzte wurden entlastet und konnten sich auf ihre ärztlich-medizinische Expertise insbesondere bei komplexen Fällen konzentrieren. Auch die Patientenbefragung belegt hohe Zufriedenheit. Zudem stieg die Bereitschaft, digitale Tools wie Telefonassistenten zu nutzen, vor allem für Terminmanagement und Rezeptbestellung. Wenngleich finanzielle und zeitliche Ressourcen notwendig waren, um digitale Anwendungen in den Praxisalltag einzubinden, hat HÄPPI eine sinnvolle Digitalisierung in den Praxen beschleunigt. Sechs der sieben Praxen nutzen den KI-Telefonassistenten auf eigene Kosten weiter. Als eine Herausforderung beschrieben viele Praxen zunächst die Umstellung auf das KI-System und die Akzeptanz einiger Patienten. Datengrundlage der Evaluation bildeten 119 Fragebögen aus den Praxisteams, 1.285 Fragebögen von Patientinnen und Patienten sowie 14 Einzelinterviews mit Praxisleitung und den akademischen, nichtärztlichen Fachkräften mit einer Gesamtdauer von 343 Minuten.

„Die Zeit drängt, denn wir stecken mitten in einer Versorgungskrise. Deshalb danken wir dem Gesundheitsministerium und der AOK, dass sie diesen mutigen Weg mitgegangen sind, denn für das Ausrollen von HÄPPI in die Fläche brauchen wir die Unterstützung von Politik und Krankenkassen“, so Dr. Barbara Römer. Die Evaluation habe gezeigt, dass HÄPPI in Rheinland-Pfalz erfolgreich machbar sei. Um das HÄPPI-Konzept in weitere Praxen in Rheinland-Pfalz zu tragen, stehe nun noch die Erarbeitung eines Leitfadens durch den Hausärztinnen- und Hausärzteverband Rheinland-Pfalz an, so die Vorsitzende.

Hintergrund

HÄPPI (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell) ist ein innovatives Versorgungskonzept des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes auf Bundesebene, das bereits erfolgreich in Baden-Württemberg erprobt und nun in Rheinland-Pfalz weiterentwickelt wurde. Das Modell kombiniert interprofessionelle Zusammenarbeit in einer Teampraxis mit digitalen Lösungen und schafft so neue Möglichkeiten für eine effiziente und patientenzentrierte hausärztliche Versorgung unter den Herausforderungen zunehmend reduziert verfügbarer Arztzeit bei zugleich steigendem medizinischen Versorgungsbedarf durch den demographischen Wandel in der Bevölkerung. Hausarztpraxen werden hierdurch ertüchtigt, ihre Aufgabe als Gatekeeper und steuernde Primärversorger auch in der Zukunft zu erfüllen. Das HÄPPI-Konzept basiert auf der systematischen Einbindung akademisierter, neuer Gesundheitsfachberufe wie Primary Care Manager (PCM), Physician Assistant (PA) oder akademisierter Pflegekräfte in einer strukturierten Patientenversorgung, über die bereits bestehende Option der Integration von Medizinischen Fachangestellten (MFA) mit Zusatzqualifikationen wie VERAH oder NäPa hinaus. Die Praxisteams erhielten ein gezieltes Coaching bei den Umstellungen für eine neu aufgestellte Zusammenarbeit.

Im rheinland-pfälzischen HÄPPI-Projekt war zudem, neben dem Einsatz von Videosprechstunde, Online-Terminierung oder Messengerdiensten ein Schwerpunkt auf den Einsatz KI-basierter Telefonassistenz gesetzt, mit dem Ziel der Entlastung von Praxisteams im Alltag, der Verbesserung der Erreichbarkeit von Hausarztpraxen sowie der Entlastung von routinemäßigen Verwaltungsaufgaben, um der Teampraxis neue Freiräume für die medizinische Patientenversorgung zu ermöglichen.

Die sieben HÄPPI-Praxen finden sich in folgenden Regionen:

  • Kirchen, Landkreis Altenkirchen
  • Hachenburg, Westerwaldkreis
  • Simmern, Rhein-Hunsrück-Kreis
  • Bad Ems, Rhein-Lahn-Kreis
  • Mommenheim, Landkreis Mainz-Bingen
  • Irrel, Eifelkreis Bitburg-Prüm
  • Kirchheimbolanden, Donnersbergkreis

Bei den Teilnehmern handelt es sich überwiegend um inhabergeführte hausärztliche Einzelpraxen, aber auch Gemeinschaftspraxen und ein Medizinisches Versorgungszentrum. Die strukturelle Aufstellung der Hausarztpraxen bildet somit das ge-samte Spektrum inhabergeführter hausärztlicher Versorgung ab. Alle Praxen liegen in ländlichen Gebieten. In den sieben Praxen kommen verschiedene akademisierte Berufsbilder zum Einsatz:

  • fünf Praxen mit Primary Care Manager
  • eine Praxis mit Physician Assistant sowie
  • eine Praxis mit Gesundheit- und Pflegemanager

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Porträt: Jan Rößler, Pressesprecher AOK Rheinland-Pfalz/Saarland
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Jan Rößler

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