Soziale Lage prägt Herzgesundheit: Herzinsuffizienz an Rhein und Ruhr ungleich verteilt
AOK-Gesundheitsatlas zeigt: Rund 346.000 Menschen ab 30 Jahren sind betroffen – Krankheitshäufigkeit steigt mit dem Alter
Soziale Lage prägt Herzgesundheit: Herzinsuffizienz an Rhein und Ruhr ungleich verteilt
Rund 346.000 Menschen ab 30 Jahren leben an Rhein und Ruhr mit einer Herzinsuffizienz. Damit liegt der Anteil an Patientinnen und Patienten mit 5,1 Prozent auf ähnlichem Niveau wie der bundesweite Durchschnitt von 5,5 Prozent. Das zeigt der aktuelle „Gesundheitsatlas Herzinsuffizienz – Fokus Nordrhein“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ), der die Daten des Jahres 2024 auswertet. Innerhalb der Region Nordrhein zeigen sich deutliche Unterschiede: Der höchste Anteil an Erkrankten findet sich mit 6,3 Prozent in Wesel. Am wenigsten betroffen ist Bonn – dort liegt die Krankheitshäufigkeit bei 4,0 Prozent.
Herzinsuffizienz, umgangssprachlich auch Herzschwäche genannt, ist eines der häufigsten Gesundheitsprobleme des Herz-Kreislauf-Systems. Sie tritt oft als Folge anderer Erkrankungen auf, insbesondere von koronarer Herzkrankheit und Bluthochdruck. Die Erkrankung verläuft chronisch und fortschreitend und kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig gibt es Möglichkeiten, das Erkrankungsrisiko durch Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… zu reduzieren.
Region Nordrhein liegt knapp unter dem Bundesdurchschnitt
An Rhein und Ruhr sind 5,1 Prozent der Menschen ab 30 Jahren von Herzinsuffizienz betroffen. Damit liegt die Region etwas unter dem Bundesdurchschnitt von 5,5 Prozent: Insgesamt leben 3,2 Millionen Menschen in Deutschland mit der Erkrankung. Der höchste Anteil innerhalb der Region findet sich mit 6,3 Prozent in Wesel. Am wenigsten betroffen ist Bonn: Dort liegt die Krankheitshäufigkeit bei 4,0 Prozent in der Bevölkerung.
Im Vergleich der bevölkerungsreichsten Städte der Region Nordrhein mit anderen deutschen Metropolen ab 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner zeigt sich ein differenziertes Bild: Essen weist mit einer Prävalenz ist eine Messgröße aus der Epidemiologie, die die Häufigkeit einer Krankheit zu einem bestimmten… von 6,2 Prozent die höchste Herzinsuffizienz-Quote unter allen deutschen Metropolen auf, Duisburg belegt mit 5,7 Prozent Platz drei. Köln und Düsseldorf liegen mit 4,2 bzw. 4,3 Prozent dagegen im Mittelfeld aller deutschen Metropolen. Im „fairen“ Vergleich – mit Berücksichtigung der unterschiedlichen Alters- und Geschlechtsstrukturen – erhöhen sich die Werte leicht: Köln und Düsseldorf haben nun jeweils einen Anteil von 4,9 Prozent. Essen ist mit einem Anteil von 6,3 Prozent auch nach der Standardisierung die deutsche Metropole mit der höchsten Herzinsuffizienz-Häufigkeit, dicht gefolgt von Duisburg mit einem standardisierten Wert von 6,0 Prozent.
Vergleicht man die deutschen Großstädte unter 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner, zeigen sich für die Region Nordrhein überwiegend mittlere Werte. Die niedrigste Prävalenz weist Bonn mit 4,0 Prozent auf, dicht gefolgt von Solingen mit 4,4 Prozent. Oberhausen und Remscheid verzeichnen mit jeweils 6,2 Prozent die höchste Prävalenz unter den Großstädten der Region. Nach Alters- und Geschlechtsstandardisierung ändern sich Werte und Rangfolge leicht: Solingen ist dann mit 4,3 Prozent die Großstadt mit dem geringsten Anteil aus Nordrhein, der höchste Wert ist mit 6,3 Prozent in Oberhausen zu finden. Insgesamt liegen alle Großstädte der Region auch nach der Standardisierung im Mittelfeld des bundesweiten Städterankings.
Soziale Faktoren beeinflussen die Herzgesundheit
Die Auswertung zeigt bundesweit: Materiell und sozial benachteiligte Menschen sind häufiger von einer Herzinsuffizienz betroffen als Menschen mit einem hohen sozialen Status. In den ökonomisch und sozial besonders benachteiligten Regionen liegt der Herzinsuffizienzanteil bei 6,8 Prozent. In Regionen, die die beste materielle und soziale Ausgangssituation haben, sind nur 4,4 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner von Herzinsuffizienz betroffen. „Die Zahlen für das Rheinland zeigen, dass wir bei der Prävention von Herzinsuffizienz konsequent handeln müssen“, sagt Sabine Deutscher, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. „Durch die zum Teil deutlichen Unterschiede zwischen einzelnen Regionen wird sichtbar, dass auch die sozialen Lebensbedingungen Einfluss auf die Herzgesundheit haben. Unser Ziel muss deshalb sein, Prävention so zu gestalten, dass sie möglichst viele Menschen erreicht – frühzeitig, niedrigschwellig und dort, wo Unterstützung besonders gebraucht wird.“
„Die Zahlen für das Rheinland zeigen, dass wir bei der Prävention von Herzinsuffizienz konsequent handeln müssen. Durch die zum Teil deutlichen Unterschiede zwischen einzelnen Regionen wird sichtbar, dass auch die sozialen Lebensbedingungen Einfluss auf die Herzgesundheit haben. Unser Ziel muss deshalb sein, Prävention so zu gestalten, dass sie möglichst viele Menschen erreicht – frühzeitig, niedrigschwellig und dort, wo Unterstützung besonders gebraucht wird.“
Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg
Herzinsuffizienz nimmt mit dem Alter stark zu
Die Herzinsuffizienz tritt vor allem bei älteren Menschen auf: Während die Krankheitshäufigkeit bis zu einem Alter von 54 Jahren unter 2 Prozent liegt, steigt diese mit dem Alter stark an und erreicht den Häufigkeitsgipfel in der Altersgruppe ab 90 Jahren. In dieser Gruppe sind in der Region Nordrhein 32,3 Prozent der Männer und 27,3 Prozent der Frauen von Herzinsuffizienz betroffen. Die 346.000 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz verteilen sich aufgrund der demographischen Struktur der Bevölkerung so auf die Altersgruppen, dass die größte Patientenanzahl sowohl bei Frauen als auch bei Männern in der Altersgruppe von 80 bis 84 Jahren vorliegt.
Männer sind insbesondere in den höheren Altersgruppen anteilig etwas häufiger von Herzinsuffizienz betroffen als Frauen. Sie leiden öfter an einer koronaren Herzkrankheit bzw. Herzinfarkten, die eine der wichtigsten Ursachen für die Entstehung einer Herzinsuffizienz sind. Als Erklärungsansatz für die Geschlechtsunterschiede kommen biologische Faktoren sowie unterschiedliche Häufigkeiten von Risikofaktoren wie das Rauchverhalten oder Bluthochdruck (Hypertonie) bei Männern und Frauen in Frage.
Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen als wichtige Risikofaktoren
Neben sozialen Faktoren und dem Alter zeigen die bundesweiten Zahlen auch einen Zusammenhang zwischen Herzinsuffizienz und weiteren Risikofaktoren, unter anderem dem Bluthochdruck: In Regionen mit einem hohen Anteil von Menschen mit Bluthochdruck sind 8,4 Prozent der Bevölkerung ab 30 Jahren von Herzinsuffizienz betroffen – in Regionen mit wenigen Hypertoniepatientinnen und -patienten sind es dagegen 4,2 Prozent. Auch beim Rauchen zeigt sich ein deutlicher Unterschied: In Regionen mit besonders vielen Raucherinnen und Rauchern liegt der Anteil der Menschen mit Herzinsuffizienz bei 6,6 Prozent, in Regionen mit wenigen Rauchenden bei 4,7 Prozent. Beim Typ-2-Diabetes reicht die Spanne von 4,3 bis 8,1 Prozent.
„Viele Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich frühzeitig erkennen und beeinflussen – dazu zählen etwa Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder zu wenig Bewegung“, sagt Sabine Deutscher. „Weil sich eine Herzinsuffizienz häufig schleichend über Jahre entwickelt, kommt der Prävention eine besonders wichtige Rolle zu. Wer Risiken rechtzeitig erkennt und gezielt gegensteuert, kann viel dafür tun, die eigene Herzgesundheit möglichst lange zu erhalten.“
Die wichtigsten Zahlen für Rhein und Ruhr auf einen Blick
- 346.000 Menschen ab 30 Jahren waren 2024 von Herzinsuffizienz betroffen.
- Das entspricht einer Prävalenz von 5,1 Prozent.
- Die Region Nordrhein liegt damit knapp unter dem Bundesdurchschnitt.
- Der höchste Anteil an Erkrankten findet sich mit 6,3 Prozent in Wesel, der geringste mit 4,0 Prozent in Bonn.
- Im Vergleich der deutschen Metropolen ab 500.000 Einwohnern liegt Essen mit 6,3 Prozent auf Rang 1.
- Bei den über 90-Jährigen sind 32,3 Prozent der Männer und 27,3 Prozent der Frauen betroffen.
- Die größte Zahl der Betroffenen findet sich in der Altersgruppe 80 bis 84 Jahre.
- Bundesweit leben 3,2 Millionen Menschen ab 30 Jahren mit Herzinsuffizienz; die Prävalenz liegt bei 5,5 Prozent.
Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), „Gesundheitsatlas Herzinsuffizienz – Fokus Nordrhein“, Datenjahr 2024, veröffentlicht im September 2026.
Hier gelangen Sie zum WIdO-Gesundheitsatlas. Der Gesundheitsatlas informiert über die gesundheitliche Situation aller Einwohnerinnen und Einwohner in Deutschland und umfasst viele weitere Indikationen über Herzinsuffizienz hinaus.