Psychische Erkrankungen: Fehlzeiten in Sachsen in zehn Jahren um mehr als die Hälfte gestiegen
Mentale Gesundheit wird zum Schlüsselfaktor in der Arbeitswelt – AOK PLUS setzt auf Prävention in Unternehmen und im Alltag
Psychische Erkrankungen führen in Sachsen zu immer mehr Fehlzeiten im Beruf. Das geht aus dem aktuellen Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Gleichzeitig zeigt sich: Wer deswegen krankgeschrieben wird, fällt oft über Wochen aus. Die AOK PLUS setzt deshalb gemeinsam mit Unternehmen und Beschäftigten auf frühzeitige Prävention, gesundheitsgerechte Führung und individuelle Gesundheitsangebote.
Die Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen sind bei den AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… PLUS-versicherten Beschäftigten in Sachsen in den vergangenen zehn Jahren um rund 55 Prozent gestiegen (Bundesdurchschnitt: knapp 42 Prozent). Während 2016 aus diesem Grund noch 269 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Mitglieder zu verzeichnen waren, lag dieser Wert 2025 bei 417 Tagen je 100 Mitglieder. Auch bei den Burnout-Diagnosen zeigt sich eine deutliche Entwicklung: Die Ausfalltage stiegen in Sachsen zwischen 2016 und 2025 um 51 Prozent (Bundesdurchschnitt: 77 Prozent) von 11,1 Ausfalltagen je 100 AOK-Mitglieder auf 16,7 Tage.
Aufgrund der mit ihnen verbundenen langen Ausfallzeiten werden psychische Erkrankungen zunehmend für Unternehmen relevant: Zwar wurden 2025 in Sachsen deutlich mehr Krankmeldungen wegen Atemwegserkrankungen als wegen psychischer Erkrankungen registriert, konkret 76,1 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 Mitglieder im Vergleich zu 15,6 Fällen. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag bei psychischen Erkrankungen jedoch bei 26,7 Tagen und damit mehr als viermal so hoch wie bei Atemwegserkrankungen mit 6,5 Tagen.
Psychische Gesundheit ist mehr als Stressbewältigung
Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten des WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… sind die Ursachen für psychische Belastungen vielfältig. Arbeitsverdichtung, ständige Erreichbarkeit, wirtschaftliche Unsicherheiten oder die Herausforderung, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren, können Betroffene belasten. Zudem können Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation und Zukunftsängste eine Rolle spielen. Gleichzeitig werden psychische Erkrankungen heute offener angesprochen und häufiger erkannt als noch vor einigen Jahren.
„Psychische Gesundheit ist längst kein Randthema mehr. Die steigenden Fehlzeiten zeigen, wie wichtig es ist, Belastungen frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen, damit die Menschen mehr gesunde Jahre haben. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels muss die Gesundheit der Beschäftigten ein zentrales Anliegen jedes Unternehmens sein. Doch die Verantwortung darf nicht allein bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern liegen. Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende müssen gemeinsam daran arbeiten, Belastungen zu reduzieren und gesunde Arbeitsbedingungen zu schaffen.“
Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS
Betriebliche Gesundheitsförderung in 1.216 Unternehmen
Die AOK PLUS unterstützt Unternehmen dabei, Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Belastungen möglichst gar nicht erst krank machen. Themen wie Work-Life-Balance, Zeitmanagement, Erholung, Sinnhaftigkeit der Arbeit und eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung. Die Lösungen werden gemeinsam mit den Unternehmen entwickelt und auf die jeweiligen betrieblichen Anforderungen zugeschnitten. Die Nachfrage nach solchen Angeboten ist groß: 2025 begleitete die AOK PLUS die Betriebliche Gesundheitsförderung Seit dem Inkrafttreten des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes zum 1. April 2007 sind die bisherigen… in 1.216 Unternehmen in Sachsen und Thüringen und setzte gemeinsam mit ihnen mehr als 3.000 Gesundheitsaktivitäten um. „Diese Maßnahmen werden vor allem dann erfolgreich angenommen, wenn sie gemeinsam entwickelt und im Arbeitsalltag verankert werden“, sagt Stefan Knupfer.
Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Führungskräften zu: Durch ihr Verhalten und die tägliche Zusammenarbeit mit ihren Teams haben sie entscheidenden Einfluss darauf, Arbeit gesund zu gestalten und Veränderungsprozesse erfolgreich zu begleiten. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements unterstützt die AOK PLUS Unternehmen und Organisationen daher auch mit Angeboten zur gesundheitsgerechten Führung, darunter dem Onlineprogramm „Gesund führen“. Ergänzend bietet die digitale Plattform AOKatWork Unternehmen und Beschäftigten digitale Angebote, um Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag zu stärken.
Deutliche Unterschiede zwischen den Berufsgruppen
Die Fehlzeiten verteilen sich nicht gleichmäßig auf alle Berufsgruppen. Besonders häufig wurden laut WIdO-Report sächsische Beschäftigte im Jahr 2025 im Dialogmarketing aufgrund psychischer Erkrankungen krankgeschrieben. Dort kamen auf 100 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer rund 41 Arbeitsunfähigkeitsfälle. Es folgten Berufe in der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik (28,1 Fälle), der Altenpflege (27,5 Fälle), der Haus- und Familienpflege (27,4 Fälle) sowie Berufe in der Erziehungswissenschaft (25,9 Fälle).
Resilienz stärken, bevor eine Krankschreibung nötig wird
Psychische Belastungen entstehen nicht ausschließlich am Arbeitsplatz. Deshalb setzt die AOK PLUS neben dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement auf individuelle Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… . Eine wichtige Rolle spielt dabei ausreichender Schlaf. Eine aktuelle forsa-Befragung im Auftrag der Gesundheitskasse zeigt, dass 71 Prozent der Menschen in Sachsen weniger als sieben Stunden pro Nacht schlafen. Sechs von zehn Befragten berichten von Schlafproblemen. Am häufigsten nennen sie Stress im Alltag oder Beruf als Ursache.
Stefan Knupfer betont: „Körper und Psyche brauchen ausreichend Erholung, um dauerhaft gesund und leistungsfähig zu bleiben. Wer Stress mit in den Abend und die Nacht nimmt, hat ein höheres Risiko für gesundheitliche Probleme. Deshalb unterstützen wir Menschen dabei, Regeneration und mentale Stärke genauso bewusst zu fördern wie Bewegung oder gesunde Ernährung.“
Zu den digitalen Programmen und Anwendungen, die Kundinnen und Kunden der AOK PLUS zur Stärkung ihrer mentalen Gesundheit nutzen können, gehören die App „Ally“ zur Stressbewältigung und „Aumio“, eine Einschlaf-App für Kinder. Die Gesundheitskasse übernimmt für ihre Versicherten die Kosten. Außerdem hilft das kostenfreie AOK-Onlineprogramm „Stress im Griff“ mit Angeboten rund um Schlaf und Regeneration. Das wissenschaftlich geprüfte Programm Moodgym unterstützt dabei, depressiven Beschwerden vorzubeugen. Kundinnen und Kunden der AOK PLUS können darüber hinaus bis zu zwei Gesundheitskurse pro Jahr kostenfrei nutzen, etwa zu Achtsamkeit, Stressbewältigung oder Yoga.
Hintergrund: Der Fehlzeiten-Report des WIdO erscheint seit 1998 jährlich und untersucht die Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitszahlen unter den AOK-Mitgliedern. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf der „Mentalen Gesundheit in der Arbeitswelt“. Grundlage der Auswertung sind die Arbeitsunfähigkeitsdaten der AOK-versicherten Beschäftigten.
Die AOK PLUS versichert mit rund 3,5 Millionen Menschen über 57 Prozent aller gesetzlich Krankenversicherten in Sachsen und Thüringen. Aktuell kümmern sich 6.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheitskasse um die Anliegen der Kundinnen und Kunden, um insgesamt rund 180.000 Arbeitgeber in beiden Freistaaten und überregional sowie um rund 40.000 Vertragspartner.
Das Haushaltsvolumen 2026 für die AOK PLUS beträgt insgesamt 23,5 Milliarden Euro. Davon entfallen auf die Krankenversicherung 18,5 Milliarden Euro, die Pflegeversicherung 4,4 Milliarden Euro und auf den Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz 609 Millionen Euro.