Unterstützung von nebenan
Oft sind es kleine Hilfen, die im Alltag viel bewirken. Die Nachbarschaftshilfe in Sachsen, unter Beteiligung der AOK PLUS, ist seit 2014 etabliert und gilt als Vorbild für niedrigschwellige, wohnortnahe Unterstützung pflegebedürftiger Menschen.
Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland lebt zu Hause. Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… braucht es neue Ideen, um die Betroffenen bei Alltagsaufgaben unkompliziert zu unterstützen. In Sachsen gibt es mit dem Projekt Nachbarschaftshilfe unter Beteiligung der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… PLUS einen gelungenen Ansatz, um Lücken zu schließen.
Mehr als 313.000 pflegebedürftige Menschen leben in Sachsen in ihren heimischen vier Wänden. Viele von ihnen benötigen Hilfe, die über klassische Grund- oder Behandlungspflege hinausgeht: Begleitung zu Arztterminen, Unterstützung bei Alltagswegen, Struktur im Tagesablauf oder schlicht soziale Ansprache. Gleichzeitig sind Angehörige häufig beruflich eingebunden oder leben nicht in unmittelbarer Nähe. In dieser Versorgungslücke hat sich die Nachbarschaftshilfe als tragende Säule etabliert.
Ziel:
Niedrigschwellige Alltagsunterstützung für pflegebedürftige Menschen und Entlastung pflegender Angehöriger im häuslichen Umfeld.
Träger:
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS) und AOK PLUS in Kooperation mit Pflegekassen und regionalen Akteuren.
Zielgruppe:
Pflegebedürftige Menschen aller Altersgruppen sowie pflegende Angehörige.
Ansatz:
Ehrenamtliche Nachbarschaftshelferinnen und -helfer übernehmen alltagsnahe Begleitung und soziale Betreuung ohne pflegerische Tätigkeiten.
Umsetzung:
Landesweit einheitliches Anerkennungs- und Schulungssystem, regionale Kontaktstellen und digitale Vermittlung über Pflegenetz Sachsen; Finanzierung über den Entlastungsbetrag der Pflegeversicherung.
Mehrwert:
Schließt Versorgungslücken, stärkt soziale Teilhabe und entlastet Angehörige – insbesondere in Regionen mit knappen professionellen Pflegekapazitäten.
Ehrenamtlich, anerkannt, alltagsnah
Das Besondere am sächsischen Modell: Die Unterstützung wird von ehrenamtlich tätigen Privatpersonen geleistet, den anerkannten Nachbarschaftshelferinnen und -helfern. Sie übernehmen keine pflegerischen oder medizinischen Tätigkeiten, sondern begleiten, entlasten und fördern soziale Teilhabe. Finanziert werden die Einsätze über den monatlichen Entlastungsbetrag Pflegebedürftige in häuslicher Pflege haben Anspruch auf einen Betrag in Höhe von 125 Euro pro… der Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… in Höhe von 131 Euro, der insbesondere von Menschen mit Pflegegrad Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sind zum 1. Januar 2017 in der Pflegeversicherung die… 1 und 2 zunehmend genutzt wird.
Die Fachverantwortung für das Angebot liegt beim Pflegenetz Sachsen in enger Abstimmung mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt (SMS). Die Pflegekassen – darunter die AOK PLUS – informieren, beraten Versicherte und übernehmen die Anerkennung sowie Abrechnung der Leistungen. Ergänzt wird das System durch regionale Nachbarschaftshelfer-Kontaktstellen, die Vermittlung und Organisation vor Ort sicherstellen.
Einheitliche Standards, landesweites Netzwerk
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das landesweit einheitliche Anerkennungsverfahren. Wer als Nachbarschaftshelferin oder -helfer tätig werden möchte, absolviert einen verpflichtenden Grundkurs mit fünf Modulen à 90 Minuten. Alle drei Jahre ist ein Auffrischungskurs vorgesehen. Die Schulungen werden von anerkannten Anbietern, etwa Wohlfahrtsverbänden, durchgeführt und sind für die Teilnehmenden kostenfrei.
Parallel dazu wurde ein flächendeckendes Netzwerk von Kontaktstellen aufgebaut, das Beratung, Vermittlung und Begleitung übernimmt. Für Transparenz und Auffindbarkeit sorgt die Online-Pflegedatenbank des Pflegenetzes Sachsen, in der anerkannte Helferinnen und Helfer registriert sind.
Caring Communities
Um den Herausforderungen der Pflege künftig zu begegnen, sieht die AOK-Gemeinschaft Caring Communities als einen Baustein. Sie setzen darauf, Pflege lokal zu verankern, bedarfsnah und nachhaltig zu gestalten. Caring Communities bilden dabei lebendige Netzwerke, in denen Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Nachbarn und Nachbarinnen, Ehrenamtliche, Fachkräfte und Organisationen arbeiten zusammen, um Unterstützung im Alltag, bei Krankheit, Pflege oder in belastenden Lebenssituationen zu ermöglichen. Ziel ist es, soziale Teilhabe zu stärken, Einsamkeit zu verringern und Hilfe dort zu organisieren, wo Menschen leben – solidarisch, niedrigschwellig und gemeinschaftlich.
Akzeptanz durch hohe Flexibilität
Heute engagieren sich mehrere tausend anerkannte Nachbarschaftshelferinnen und -helfer in Sachsen. Ihre Einsätze wirken gleich mehrfach. Pflegebedürftige Menschen erfahren mehr soziale Teilhabe und Unterstützung im Alltag, Angehörige werden in belastenden Phasen entlastet, und Versorgungslücken – insbesondere im ländlichen Raum oder bei Fachkräftemangel – können geschlossen werden.
Die hohe Flexibilität des Angebots trägt zur Akzeptanz bei. Bis zu 40 Stunden im Monat können für Nachbarschaftshilfe eingesetzt werden, unkompliziert und bedarfsorientiert. Der Zugang ist niedrigschwellig, die Anerkennung vergleichsweise einfach, die Strukturen klar geregelt.
Modell eignet sich als Blaupause
Die Nachbarschaftshilfe in Sachsen zeigt, wie die Kombination aus Ehrenamt Die ehrenamtliche Betreuung von Pflegebedürftigen ist ein wichtiger Bestandteil der… , staatlicher Anerkennung und Finanzierung über die Pflegekassen funktionieren kann. Ein professionelles Schulungs- und Vermittlungssystem sorgt für Qualität ist ein zentrales Versorgungsziel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Im Rahmen der… und Verlässlichkeit, ohne den ehrenamtlichen Charakter zu verlieren. Gleichzeitig bleibt der Fokus konsequent auf alltagsnahen Bedarfen und nicht auf zusätzlichen Pflegedienstleistungen.
Damit eignet sich das Modell auch über Sachsen hinaus als Blaupause. Einheitliche Anerkennungsverfahren, kurze Qualifizierungswege, digitale Datenbanken und regionale Kontaktstellen könnten in jedem Bundesland dazu beitragen, niedrigschwellige Entlastungsangebote nachhaltig aufzubauen.
Klar messbare Wirkung
Bekannt gemacht wird das Angebot über vielfältige Kanäle. Informieren können sich Interessierte über die Websites des Pflegenetzes Sachsen und der Pflegekassen, Pflegeberaterinnen und -berater, Sozialdienste, Flyer, Kursprogramme und lokale Netzwerke. Die Wirkung lässt sich dabei klar messen, etwa an der Zahl anerkannter Nachbarschaftshelferinnen und -helfer, den abgerechneten Einsatzstunden, der Nutzung des Entlastungsbetrags oder der Reichweite der Pflegenetz-Datenbank.
Nach mehr als zehn Jahren zeigt sich: Die Nachbarschaftshilfe ist in Sachsen längst mehr als ein ergänzendes Angebot. Sie ist ein funktionierendes, zukunftsweisendes Netzwerk, das Nähe organisiert und Pflege dort stärkt, wo sie im Alltag am dringendsten gebraucht wird.