Ein neuer Blick auf Demenz
Eine Wanderausstellung in Bayern zeigt Menschen mit Demenz im Alltag. Hinter dem Projekt steht ein Netzwerk aus Sozialorganisationen, der AOK Bayern und Kommunen. Ziel ist ein neuer Blick auf eine Krankheit, die viele betrifft und dennoch oft unsichtbar bleibt.
Ein Bauzaun bedeutet oft vor allem Absperrung, Grenze, Weitergehen. In manchen bayerischen Städten bedeutet er seit Kurzem aber etwas anderes: Stehenbleiben und Hinschauen, wenn es um das Thema Demenz geht. Denn vielerorts hängen an ihnen nun große Fotografien von Menschen mit Demenz. Der Betrachter entdeckt keine medizinischen Bilder einer Krankheit wird in der Medizin als Abweichung von Gesundheit oder Wohlbefinden verstanden. Allerdings stößt die… , sondern Gesichter, Gesten, Momente des Alltags. Ein Lächeln. Eine Berührung. Ein Blick aus dem Fenster. Die Ausstellung trägt den Titel „Demenz neu sehen“. Und genau darum geht es: den Blick auf die Krankheit und die betroffenen Menschen zu verändern, sie nicht ignorieren, sondern als Teil des Lebens, als Teil des Älterwerdens zu begreifen.
Träger:
Der Verein Desideria Care organisiert die Wanderausstellung „Demenz neu sehen“. Unterstützt wird das Projekt vom Sparkassenverband Bayern, regionalen Sparkassen, der AOK Bayern sowie Städten und Gemeinden.
Zielgruppe:
Die Ausstellung richtet sich an die breite Öffentlichkeit. Gleichzeitig spricht sie Angehörige von Menschen mit Demenz, Pflegekräfte sowie lokale Akteure im Gesundheits- und Sozialbereich an.
Ansatz:
Demenz soll aus der Tabuzone geholt werden. Großformatige Fotografien zeigen Menschen mit Demenz in würdevollen Alltagssituationen und wollen Verständnis, Empathie und gesellschaftliche Akzeptanz fördern.
Umsetzung:
Die prämierten Fotos des Desideria Care Fotopreises werden als Bauzaunausstellung im öffentlichen Raum präsentiert. Begleitende Veranstaltungen vor Ort – etwa Gespräche oder kleine Eröffnungen – schaffen zusätzliche Anlässe zum Austausch.
Mehrwert:
Die Ausstellung macht Demenz sichtbar und regt Gespräche an. Sie sensibilisiert für die Lebensrealität von Betroffenen und zeigt, wie wichtig Verständnis und Unterstützung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen sind.
Bilder im öffentlichen Raum
Die Fotografien stammen aus dem Desideria Care Preis für Fotografie 2022. Unter dem gleichnamigen Motto waren Fotografinnen und Fotografen eingeladen, Menschen mit Demenz zu porträtieren. Die prämierten Arbeiten zeigen Nähe statt Distanz, Begegnungen zwischen Erkrankten und ihren Angehörigen, Augenblicke voller Würde und manchmal auch voller Leichtigkeit.
Gedruckt auf 15 großformatigen Bauzaunbannern hängen die Bilder im öffentlichen Raum: auf Plätzen, an Wegen, dort, wo Menschen ohnehin vorbeikommen. Wer einkaufen geht, den Bus erreichen will oder durch die Stadt spaziert, begegnet ihnen beinahe zufällig. Die Ausstellung wird so Teil des alltäglichen Lebens, so wie die Krankheit selbst längst Teil der Gesellschaft ist.
Wenn Demenz den Alltag verändert
In Bayern leben derzeit rund 270.000 Menschen mit Demenz. Trotzdem bleibt die Erkrankung oft unsichtbar. Viele Familien erleben sie hinter verschlossenen Türen. Unsicherheit, Überforderung und auch Berührungsängste prägen den Umgang mit der Diagnose.
Für viele Angehörige beginnt mit der Diagnose ein Alltag, der Geduld, Zeit und Unterstützung verlangt. Menschen mit Demenz zu begleiten – ob als Familienangehörige oder als professionelle Pflegekräfte – ist häufig mit großen Herausforderungen verbunden. Routinen verändern sich, Kommunikation wird schwieriger, und viele Betroffene verlieren nach und nach Fähigkeiten, die zuvor selbstverständlich waren.
Warum Verständnis entscheidend ist
Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus der Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… : Wer versteht, wie Menschen mit Demenz ihre Umwelt wahrnehmen, kann besser auf ihre Bedürfnisse eingehen. Ein respektvoller Umgang, Geduld und ein Blick für die individuelle Lebensgeschichte helfen dabei, Situationen zu entschärfen und Sicherheit zu vermitteln.
„Es ist wichtig, dass Menschen mit Demenz Akzeptanz und Verständnis in der Gesellschaft erfahren, gleichzeitig aber auch Unterstützung bekommen“, sagt Stephan Abele, stellvertretender Vorsitzender der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Bayern.
Projekte wie die Fotoausstellung wollen deshalb nicht nur informieren, sondern auch Empathie fördern. Sie zeigen Menschen mit Demenz nicht allein als Patientinnen und Patienten, sondern als Persönlichkeiten mit Beziehungen, Erinnerungen und einem eigenen Alltag.
„Es ist wichtig, dass Menschen mit Demenz Akzeptanz und Verständnis in der Gesellschaft erfahren, gleichzeitig aber auch Unterstützung bekommen.“
stellvertretender Vorsitzender der AOK Bayern
Eine Ausstellung, die Gespräche auslöst
Entwickelt wurde die Ausstellung vom Verein Desideria Care. Finanziert wird das Projekt vom Sparkassenverband Bayern und umgesetzt gemeinsam mit regionalen Sparkassen, der AOK Bayern sowie Städten, Gemeinden und weiteren lokalen Partnern.
Entscheidend für den Erfolg ist dabei ein starkes Netzwerk vor Ort. Kommunen, lokale Initiativen und Organisationen beteiligen sich an der Umsetzung und entwickeln eigene Formate rund um die Ausstellung. Dieser lokale Gestaltungsspielraum sorgt dafür, dass das Thema Demenz in den jeweiligen Städten sichtbar wird und betroffenen Menschen eine Bühne geben.
Die Idee dahinter ist einfach: Bilder schaffen Aufmerksamkeit, ohne zu belehren. Sie laden zum Hinschauen ein, zum Nachdenken und zum Gespräch.
Von Stadt zu Stadt durch Bayern
2025 war die Ausstellung an zwölf Standorten im Freistaat zu sehen. Vor Ort wird sie häufig von Veranstaltungen begleitet: kleine Eröffnungen, Gespräche mit Fachleuten oder Begegnungen mit Angehörigen. Städte und Partner können eigene Formate entwickeln und das Thema in ihre lokale Öffentlichkeit tragen.
Vielleicht liegt genau darin die besondere Kraft der Ausstellung. Die Fotografien erklären die Krankheit nicht. Sie zeigen einfach Menschen mit dieser Krankheit in ihrem Alltag. Und manchmal genügt schon ein kurzer Moment des Hinschauens, damit sich etwas verändert: der Blick auf eine Krankheit, die viele betrifft und doch oft übersehen und missverstanden wird.