Pressemitteilung

Kosten für Heime in Schleswig-Holstein explodieren

22.01.2026 AOK NordWest 4 Min. Lesedauer

Finanzielle Belastung der Pflegeheim-Bewohnenden steigen weiter

Eine ältere Dame im Rollstuhl sitzt im Wohnbereich. Seitlich hinter ihr stehend hat sich eine Pflegerin zu ihr vorgebeugt, an den Schultern umfasst und spricht mit ihr.
Die Eigenanteile für Pflegeheim-Bewohner in Schleswig-Holstein sind deutlich gestiegen. Im Jahr 2025 lag die Gesamtbelastung für den Pflegebedürftigen bei über 2.400 Euro monatlich.

Kiel. Die finanzielle Belastung von Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen in Schleswig-Holstein ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Danach lag die durchschnittliche Gesamtbelastung der Bewohnerinnen und Bewohner nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung bei 2.442 Euro pro Monat. Im Vergleich zum Jahr 2024 sind die Eigenanteilen in 2025 damit um fast acht Prozent gestiegen, im Vergleich zu 2023 sogar um fast 15 Prozent. Die Gesamtbelastung hat damit das Niveau des Jahres 2021, als die Politik die Zuschläge zur Begrenzung der Eigenanteile an den pflegebedingten Aufwendungen eingeführt hatte, deutlich überschritten. „Die von der Politik eingerichtete Pflegekommission muss endlich einen klaren Fahrplan für eine nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreform in der Pflegeversicherung liefern. Dazu gehört auch eine offene und ehrliche Diskussion über die Eigenanteile“, so Ackermann. Eine Prognose des WIdO zur weiteren Entwicklung macht deutlich, dass auch die 2024 erfolgte Anhebung der Zuschläge und die seit letztem Jahr greifende Dynamisierung der Leistungssätze den Trend zu immer höheren finanziellen Belastungen nicht nachhaltig stoppen werden. 

„Der Trend zu immer höheren Eigenanteilen ist ungebrochen.“

Tom Ackermann

Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest

Heimplatz fast 4.700 Euro

Die aktuelle WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… -Analyse für Schleswig-Holstein zeigt, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz Ende 2025 insgesamt 4.678 Euro betrugen. Davon zahlte die Pflegekasse im Durchschnitt 1.429 Euro. Zusätzlich bekamen die Bewohnerinnen und Bewohner von der Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… durchschnittlich 807 Euro pro Monat für ihre pflegebedingten Eigenanteile in Form der nach Wohndauer gestaffelten Zuschläge erstattet. Im Schnitt mussten Pflegeheimbewohnende 2.442 Euro pro Monat zahlen. Davon 892 Euro für die Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… (pflegebedingter Eigenanteil), hinzu kamen im Schnitt 1.023 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 527 Euro für Investitionskosten. 

Bei den Pflegebedürftigen mit langer Wohndauer haben die Zuschläge laut der Auswertung durchaus für eine deutliche Entlastung gesorgt. So hatten Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Wohndauer von mehr als drei Jahren im Jahr 2025 eine Gesamtbelastung von 1.975 Euro zu tragen. 

Höhere Leistungen der Pflegeversicherung

Mit Beginn des Jahres 2025 stiegen die allgemeinen Leistungssätze der Pflegeversicherung: Statt beispielsweise bisher 1.775 Euro pro Monat bei Pflegegrad Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sind zum 1. Januar 2017 in der Pflegeversicherung die… 4 gibt es seitdem 1.855 Euro (plus 4,5 Prozent). Trotz der Zuschüsse zur Entlastung und der Dynamisierung der Leistungen steigen die Zuzahlungen Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind eine Form der direkten finanziellen… für die Pflege im Heim weiter. „Das hat unter anderem mit gestiegenen Lohnkosten infolge der Verpflichtung der Einrichtungen zur tariflichen Bezahlung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den inflationsbedingten Tarifsteigerungen zu tun“, so Ackermann. 

Trend zu steigenden Eigenanteilen ungebrochen

In einer Prognose zur weiteren Entwicklung der pflegebedingten Eigenanteile hat das WIdO verschiedene Szenarien durchgespielt. Bei einer im Vergleich zu den Vorjahren eher moderaten Steigerung der Zuzahlungen um zehn Prozent würden die pflegebedingten Eigenanteile in Schleswig-Holstein im Jahr 2030 insgesamt 1.392 Euro pro Monat (2025: 892 Euro) erreichen. Dazu kommen die ebenfalls steigenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Investitionskosten. „Der Trend zu immer höheren Eigenanteilen ist ungebrochen“, so das Fazit Ackermanns. 

Länder sind gefordert

Auch die Länder sind gefordert, ihren Teil zur Entlastung beizutragen: Die Investitionskosten der Pflegeheime sollten nicht mehr weiter den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Sie müssen stattdessen als Teil der Daseinsvorsorge vollständig von den Ländern getragen werden. Auch dadurch wäre eine wirksame Entlastung der betroffenen Menschen möglich. „Wir brauchen dringend eine finanzielle Stärkung der Pflegeversicherung“, so Ackermann. 

Offene und ehrliche Diskussion führen

AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Chef Ackermann fordert von der eingerichteten Kommission auf Bundesebene eine offene Diskussion über strukturelle Veränderungen in der Sozialen Pflegeversicherung. „Pflege ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Bund, Länder, Kommunen sowie Kranken- und Pflegekassen sind in einer gemeinsamen Verantwortung zur Schaffung bedarfsgerechter Angebote für eine gesundheitliche und pflegerische Versorgung und Unterstützung“, so Ackermann. Dazu gehöre auch eine ehrliche Diskussion darüber, was die soziale Pflegeversicherung in ihrer Ausprägung als Teilleistungssystem künftig leisten solle und welchen Anteil zur Finanzierung die einzelnen Akteure haben. 

2 passende Downloads

  • Pressemitteilung vom 22.01.2026 als PDF

    Format: PDF | 42 KB

  • Foto: Eigenanteile Pflegeheime in Schleswig-Holstein

    Format: JPG | 1 MB | 2953 × 1925 px

    Lizenz: Dieses Bild darf nur im Zusammenhang mit der nebenstehenden redaktionellen Berichterstattung und ausschließlich von Zeitungsredaktionen bzw. Verlags-/Medienhäuser für ihre Print-Publikationen (Veröffentlichung ist auf 500k Kopien begrenzt), Online-Plattformen und für ihre sozialen Medien genutzt werden. Bitte geben Sie immer die folgende Quelle (Copyright) an: AOK NordWest/Colourbox/hfr.

Pressesprecher

Jens Kuschel

AOK NordWest

Pressekonferenz

Vorstellung des neuen Public Health Index

Wo steht Deutschland beim Thema Prävention im internationalen Vergleich?