Pressemitteilung

Finanzielle Belastung bei Pflegeheim-Bewohnenden in NRW steigt weiter

22.01.2026 AOK NordWest 4 Min. Lesedauer

Eigenanteile auf mehr als 2.900 Euro pro Monat gestiegen

Eine ältere Dame sitzt im Rollstuhl in ihrem Zimmer. Seitlich von ihr hat sich ein Pfleger hingehockt und unterhält sich mit ihr in Augenhöhe.
Der Trend zu immer höheren Eigenanteilen im Pflegeheim bleibt ungebrochen. Die Prognose zeigt, dass die Kosten für die stationäre Pflege weiter steigen werden.

Dortmund. Die Kosten für Pflegeheime in Nordrhein-Westfalen gehen weiter in die Höhe. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Danach ist die finanzielle Belastung von Bewohnerinnen und Bewohnern in der stationären Pflege in NRW im vergangenen Jahr erneut deutlich gestiegen: Die durchschnittliche Gesamtbelastung der Bewohnerinnen und Bewohner lag nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung bei 2.969 Euro pro Monat. Im Vergleich zum Jahr 2024 sind die Eigenanteilen in 2025 damit um sieben Prozent gestiegen, im Vergleich zu 2023 sogar um über 16 Prozent. Die Gesamtbelastung hat damit das Niveau des Jahres 2021, als die Politik die Zuschläge zur Begrenzung der Eigenanteile an den pflegebedingten Aufwendungen eingeführt hatte, deutlich überschritten. „Die von der Politik eingerichtete Pflegekommission muss endlich einen klaren Fahrplan für eine nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreform in der Pflegeversicherung liefern. Dazu gehört auch eine offene und ehrliche Diskussion über die Eigenanteile“, so Ackermann. Eine Prognose des WIdO zur weiteren Entwicklung macht deutlich, dass auch die 2024 erfolgte Anhebung der Zuschläge und die seit letztem Jahr greifende Dynamisierung der Leistungssätze den Trend zu immer höheren finanziellen Belastungen nicht nachhaltig stoppen werden.

„Die von der Politik eingerichtete Pflegekommission muss endlich einen klaren Fahrplan für eine nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreform in der Pflegeversicherung liefern.“

Tom Ackermann

Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest

Heimplatz über 5.400 Euro

Die aktuelle WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… -Analyse für NRW zeigt, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz Ende 2025 insgesamt 5.427 Euro betrugen. Davon zahlte die Pflegekasse im Durchschnitt 1.624 Euro. Zusätzlich bekamen die Bewohnerinnen und Bewohner von der Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… durchschnittlich 834 Euro pro Monat für ihre pflegebedingten Eigenanteile in Form der nach Wohndauer gestaffelten Zuschläge erstattet. Im Schnitt mussten Pflegeheimbewohnende 2.969 Euro pro Monat zahlen. Davon 998 Euro für die Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… (pflegebedingter Eigenanteil), hinzu kamen im Schnitt 1.329 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 642 Euro für Investitionskosten. 

Bei den Pflegebedürftigen mit langer Wohndauer haben die Zuschläge laut der Auswertung durchaus für eine deutliche Entlastung gesorgt. So hatten Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Wohndauer von mehr als drei Jahren im Jahr 2025 eine Gesamtbelastung von 2.429 Euro zu tragen. 

Höhere Leistungen der Pflegeversicherung

Mit Beginn des Jahres 2025 stiegen die allgemeinen Leistungssätze der Pflegeversicherung: Statt beispielsweise bisher 1.775 Euro pro Monat bei Pflegegrad Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sind zum 1. Januar 2017 in der Pflegeversicherung die… 4 gibt es seitdem 1.855 Euro (plus 4,5 Prozent). Trotz der Zuschüsse zur Entlastung und der Dynamisierung der Leistungen steigen die Zuzahlungen Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind eine Form der direkten finanziellen… für die Pflege im Heim weiter. „Das hat unter anderem mit gestiegenen Lohnkosten infolge der Verpflichtung der Einrichtungen zur tariflichen Bezahlung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den inflationsbedingten Tarifsteigerungen zu tun“, so Ackermann. 

Trend zu steigenden Eigenanteilen ungebrochen

In einer Prognose zur weiteren Entwicklung der pflegebedingten Eigenanteile hat das WIdO verschiedene Szenarien durchgespielt. Bei einer im Vergleich zu den Vorjahren eher moderaten Steigerung der Zuzahlungen um zehn Prozent würden die pflegebedingten Eigenanteile in NRW im Jahr 2030 insgesamt 1.563 Euro pro Monat (2025: 998 Euro) erreichen. Dazu kommen die ebenfalls steigenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Investitionskosten. „Der Trend zu immer höheren Eigenanteilen ist ungebrochen“, so das Fazit Ackermanns. 

Länder sind gefordert

Auch die Länder sind gefordert, ihren Teil zur Entlastung beizutragen: Die Investitionskosten der Pflegeheime sollten nicht mehr weiter den Pflegebedürftigen aufgebürdet werden. Sie müssen stattdessen als Teil der Daseinsvorsorge vollständig von den Ländern getragen werden. Auch dadurch wäre eine wirksame Entlastung der betroffenen Menschen möglich. „Wir brauchen dringend eine finanzielle Stärkung der Pflegeversicherung“, so Ackermann. 

Offene und ehrliche Diskussion führen

AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Chef Ackermann fordert von der eingerichteten Kommission auf Bundesebene eine offene Diskussion über strukturelle Veränderungen in der Sozialen Pflegeversicherung. „Pflege ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Bund, Länder, Kommunen sowie Kranken- und Pflegekassen sind in einer gemeinsamen Verantwortung zur Schaffung bedarfsgerechter Angebote für eine gesundheitliche und pflegerische Versorgung und Unterstützung“, so Ackermann. Dazu gehöre auch eine ehrliche Diskussion darüber, was die soziale Pflegeversicherung in ihrer Ausprägung als Teilleistungssystem künftig leisten solle und welchen Anteil zur Finanzierung die einzelnen Akteure haben. 

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