Ausgaben für Migränemedikamente in Westfalen-Lippe weiter deutlich gestiegen
AOK-Chef Ackermann: „Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen zur Migräneprophylaxe müssen zielgerichtet eingesetzt werden.“
Dortmund. In Westfalen-Lippe sind die Ausgaben für Migränemittel weiter deutlich angestiegen und haben einen neuen Höchstwert erreicht. Das belegt eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest. Danach verordneten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2024 für alle gesetzlich Krankenversicherten in Westfalen-Lippe Migränemedikamente im Wert von über 29,7 Millionen Euro. Das ist ein Plus im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent. Gegenüber 2018 haben sich die Ausgaben sogar fast vervierfacht. „Die Migräne-Therapie gehört in fachärztliche Hände. Allerdings bekommen immer mehr Migränepatienten neue Arzneimittel zur Vorbeugung von Migräne verordnet. Im ersten Halbjahr 2019 kamen diese neuen Wirkstoffe zur Migräneprophylaxe auf den Markt. Der Verordnungsanteil ist zwar gering, sie sind aber ein enormer Kostentreiber“, sagt AOK-Vorstandschef Tom Ackermann.
„Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen zur Migräneprophylaxe müssen zielgerichtet eingesetzt werden. Hier sehen wir Handlungs- und Aufklärungsbedarf.“
Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest
Die Mehrheit profitiert von bewährten Therapien
Insgesamt stellten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Westfalen-Lippe fast 283.000 Verordnungen über Migränemedikamente aus. Obwohl auf die neuen Wirkstoffe nur 8,8 Prozent der Verordnungen für spezifische Migränetherapeutika entfallen, verursachen sie aber über 68 Prozent der Kosten. „Die Frage ist, ob diese neuen Medikamente immer zielgerichtet eingesetzt werden und die notwendigen Vortherapien durchgeführt wurden. Hier sehen wir Handlungs- und Aufklärungsbedarf“, so Ackermann. Als Prophylaxe müssen die neuen Wirkstoffe monatlich gespritzt werden und nicht nur gezielt bei einem Migräneanfall. Außerdem muss der Therapieerfolg regelmäßig geprüft werden. Die Mehrzahl der Migräne-Patienten profitiert von den bewährten Therapien - kombiniert mit nicht-medikamentösen Maßnahmen. Nur, wenn Patientinnen und Patienten auf ihre bisherigen Medikamente nicht ansprechen, diese nicht vertragen oder aufgrund anderer Krankheiten nicht einnehmen können, kann eine Umstellung auf einen der neuen Wirkstoffe angezeigt sein.
Paradox: Mehr Medikamente können zu größeren Schmerzen führen
Viele Betroffene greifen bei Migräne zu Schmerzmitteln. Zu den ärztlich verordneten Migränemitteln kommen noch die Schmerzmittel, die ohne Rezept Mit dem am 20. Oktober 2020 in Kraft getretenen Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in… in der Apotheke Den Apotheken als Gewerbebetrieben für die Zubereitung und den Verkauf von Arzneimitteln ist durch… frei verkäuflich sind. Werden regelmäßig Schmerzmittel eingenommen, geraten die Patientinnen und Patienten oft in einen Teufelskreis: Denn es ist paradox: Eine verstärkte Einnahme von Schmerzmitteln kann zu einem Anstieg der Schmerzen führen. „Häufig werden Kopfschmerzen nicht richtig ernst genommen, viele Betroffene greifen vorschnell zu Medikamenten, anstatt sich aktiv mit der Krankheit wird in der Medizin als Abweichung von Gesundheit oder Wohlbefinden verstanden. Allerdings stößt die… auseinander zu setzen. Häufig hilft es, den Lebensstil zu verändern und Migräne-Auslöser zu vermeiden“, so Ackermann.
Positive Effekte durch Lebensstiländerung
Neben der medikamentösen Therapie darf die Bedeutung von nicht medikamentösen Maßnahmen nicht unterschätzt werden. Zur Linderung von Migräneanfällen ist wichtig, die Auslöser und eigenen ‚Trigger‘ beispielsweise mit Hilfe eines Kopfschmerztagebuches zu finden. Zusätzlich helfen Stressreduktion, Entspannungsmethoden, eine verbesserte Schlafhygiene und Alkoholverzicht, um die Schmerzen zu lindern oder sogar ganz in den Griff zu bekommen. Eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zur ‚Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne‘ hebt hervor, dass regelmäßiges Ausdauertraining positive Effekte bei Kopfschmerz und Migräne hat. „Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die die Bedeutung regelmäßiger Bewegung vor allem von Ausdauertraining zur Migräneprophylaxe bestätigen“, so Ackermann.
Immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen
Die Ursachen von Kopfschmerzen sind ebenso vielfältig wie die Kopfschmerzar-ten. Auch Migräne gehört zu den Kopfschmerzen. Der meist starke, einseitige, klopfende bis pulsierende Kopfschmerz hält vier bis 72 Stunden an. Meist wird Migräne von mindestens einem weiteren Symptom wie Überempfindlichkeit gegen Geräusche, Licht oder Gerüche sowie Übelkeit und Erbrechen begleitet. Chronische – also regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg in kurzen zeitlichen Abständen auftretende – Kopfschmerzen können die Gesundheit und das Leben der Betroffenen schwer belasten. Die Lebensqualität ist häufig stark eingeschränkt. Außerdem wirkt sich die ‚Marter im Kopf‘ auch auf das familiäre und berufliche Umfeld aus. Erschreckend ist, dass auch immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen sind. Verantwortlich dafür ist die Veränderung der Lebensumstände der Kinder in den letzten Jahren: Sie stehen häufiger unter Stress, sitzen vermehrt vor dem Bildschirm oder PC und bewegen sich weniger.
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