Antidiabetika: Kosten in Schleswig-Holstein rasant gestiegen
Trend zu neuen Therapieoptionen für Typ-2-Diabetiker sorgen für höhere Kosten
Kiel. In Schleswig-Holstein sind die Kosten für blutzuckersenkende Präparate weiter deutlich angestiegen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest für alle gesetzlich Krankenversicherten im Land. Danach betrugen die Ausgaben für Antidiabetika im Jahr 2024 insgesamt 116,8 Millionen Euro. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 11,3 Prozent. Im Fünf-Jahresvergleich liegt der Anstieg bei rund 51 Prozent: 2019 betrugen die Kosten 77,4 Millionen Euro. Auffällig ist der Kostenanstieg bei blutzuckersenkenden Wirkstoffen, die speziell bei Typ-2-Diabetikern eingesetzt werden: Wurden Typ-2-Diabetiker früher relativ schnell mit Insulin behandelt, geht der Trend jetzt zu oralen und weiteren neuen Therapieoptionen. Dafür stellten die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte Rezepte im Wert von 78 Millionen Euro aus. Ein Plus im Vergleich zum Vorjahr um 19,6 Prozent. „Ein Hauptgrund für den kontinuierlichen Kostenanstieg ist der verstärkte Einsatz neuer, moderner Therapieformen für Typ-2-Diabetiker. Diese sind erheblich kostenintensiver“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann. Von Typ-2-Diabetes sind in Schleswig-Holstein nach einer aktuellen AOK-Analyse insgesamt rund 230.000 Menschen betroffen.
„Ein Hauptgrund für den kontinuierlichen Anstieg der Kosten ist der verstärkte Einsatz neuer, moderner Therapieformen für Typ-2-Diabetiker.“
Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest
Neue Therapieoptionen für Typ-2-Diabetiker
Zu den Therapieoptionen für Diabetiker gehören neue Medikamente wie SGLT2-Inhibitoren. Diese vermindern die Rückresorption der Glucose in der Niere und senken dadurch den Blutzuckerspiegel. Vertreter dieser Medikamentengruppe werden mittlerweile auch bei Herz- oder Niereninsuffizienz eingesetzt. Das hat in 2024 zu einem Mengenanstieg von 29 Prozent und zu einem Kostenanstieg von 30 Prozent geführt. „Die Erweiterung der Anwendungsgebiete sorgt für höhere Ausgaben. Allerdings lässt sich anhand der Arzneimittelverordnungen nicht ermitteln, welcher Anteil der abgegebenen Mengen auf die Behandlung von Diabetes zurückgeht und welcher auf die anderen Anwendungsgebiete“, so Ackermann.
Daneben werden auch GLP-1-Analoga eingesetzt. Sie ahmen ein körpereigenes Hormon nach und senken sowohl den Blutzucker als auch das Körpergewicht. GLP-1-Analoga sind auch als Abnehmspritze bekannt - allerdings sind sie nur bei Typ-2-Diabetes auf einem Kassenrezept verordnungsfähig.
Lebensstiländerung unabdingbar
Die Ursachen von Diabetes mellitus Typ-2 sind komplex. Neben einer genetischen Disposition gehören Übergewicht und mangelnde Bewegung zu den größten Risikofaktoren. „Eine Änderung des Lebensstils mit ausreichend Bewegung, einer gesunden Ernährung und dem Abbau von Übergewicht sind wichtige Maßnahmen, um sich vor der Erkrankung zu schützen“, so Ackermann. Experten gehen davon aus, dass sich dadurch mehr als 50 Prozent der Diabetes-Erkrankungen verhindern ließen. Um das zu erreichen, hilft die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… NordWest ihren Versicherten mit speziellen Angeboten im Rahmen ihres Kursprogramms ‚Gesund leben‘. Außerdem hilft der Online-Coach Diabetes der AOK unter diabetes.aok.de Betroffenen, ihre Krankheit wird in der Medizin als Abweichung von Gesundheit oder Wohlbefinden verstanden. Allerdings stößt die… besser zu verstehen und die oft notwendigen Änderungen des Lebensstils anzugehen. Das digitale interaktive Programm enthält verständliche Informationen zur Behandlung des Diabetes sowie zahlreiche Videos und Animationen. An der Entwicklung war ein Expertenteam aus Diabetologen, Psychologen sowie Ernährungs- und Sportwissenschaftlern beteiligt.
Risikofaktor Alter
Von Typ-2-Diabetes sind in Schleswig-Holstein insgesamt rund 230.000 Menschen betroffen. Das sind 9,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Über 50 Prozent der Betroffenen sind über 70 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko an der sogenannten ‚Zuckerkrankheit‘ zu erkranken deutlich an. „Das Alter ist einer der bestimmenden Risikofaktoren für die Entwicklung der Erkrankung“, sagt AOK-Chef Ackermann. Dabei fällt auf, dass über alle Altersgruppen hinweg Männer häufiger an Diabetes-Typ-2 erkranken als Frauen.
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Foto: Antidiabetika in Schleswig-Holstein
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