Antibiotikaverordnungen in Schleswig-Holstein weiter zurückgegangen
AOK-Chef Ackermann: „Die Wahl und Dosierung von Wirkstoffen ist von großer Bedeutung, um Resistenzen nicht unnötig zu fördern.“
Kiel. Die Zahl der Verordnungen über Antibiotika zur systemischen Anwendung ist in Schleswig-Holstein weiter gesunken. Danach stellten die Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2025 für die gesetzlich Krankenversicherten fast 890.000 Rezepte aus. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… NordWest. Damit ist die Zahl der Verordnungen im Vergleich zum Vorjahr um 6,1 Prozent gesunken. Bereits in 2024 waren die Verordnungszahlen (945.000 Verordnungen) im Vergleich zum Vorjahr (1,002 Millionen Verordnungen) rückläufig. „Richtig eingesetzt, kann ein Antibiotikum Leben retten. Unnötig verabreicht und unsachgemäß eingenommen, besteht jedoch die Gefahr, dass das lebenswichtige Medikament in Zukunft seine Wirkung verliert“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.
Antibiotikum wirkt nur bei bakteriellen Infektionen
Antibiotika gehören zu den wichtigsten Medikamenten in der Medizin, denn sie können lebensbedrohliche Infektionskrankheiten bekämpfen. Allerdings helfen sie nur in den seltensten Fällen gegen Erkältungskrankheiten. Wenn der Hals kratzt, die Nase läuft und leichtes Fieber im Anmarsch ist, sind meist Viren die Ursache. Antibiotika hingegen wirken nur gegen bakterielle Infektionen und sind völlig unwirksam, wenn die Erkältung durch Viren ausgelöst wurde. Zur Linderung der Symptome haben sich bekannte Hausmittel bewährt. Teetrinken und Auskurieren sind in diesen Fällen manchmal die bessere Wahl.
Entstehung von Resistenzen vermeiden
Wenn ein Antibiotikum eingenommen werden muss, ist die korrekte Einnahme von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise müssen die Zeitabstände exakt stimmen, damit die Antibiotikamenge im Körper immer hoch genug ist, um die Bakterien sicher zu bekämpfen. Bei unsachgemäßem Einsatz werde jedoch die Entstehung von resistenten Bakterien beschleunigt. „Damit verliert die Medizin ihre therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist ein zurückhaltender und verantwortungsbewusster Antibiotikaeinsatz unbedingt erforderlich“, so Ackermann. So können Ärzte, Apotheker Der Beruf des Apothekers setzt ein Pharmaziestudium voraus. Näheres zur Ausbildung und… und Patienten gleichermaßen dazu beitragen, dass Antibiotika sinnvoll und verantwortungsbewusst verwendet werden. „Antibiotika sind unverzichtbare Medikamente, die aber nicht häufiger als nötig angewendet werden sollten“, so Ackermann.
Das passende Antibiotikum
AOK-Chef Tom Ackermann weist anlässlich der aktuellen Auswertung darauf hin, dass neben einer zurückhaltenden Verordnung Einige Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung bedürfen einer schriftlichen Anweisung durch… auch die Wahl und Dosierung von Wirkstoffen von großer Bedeutung sind, um Resistenzen nicht unnötig zu fördern. Ein Beispiel für rückläufige Verordnungszahlen ist Cefuroxim, ein Betalaktam-Antibiotikum, das bei unterschiedlichen bakteriellen Infektionen, unter anderem bei Atemwegsinfektionen, akuten Mittelohrentzündungen oder Infektionen im Harntrakt zum Einsatz kommen kann. Bei oraler Verabreichung des häufig eingesetzten Antibiotikums ist allerdings eine schlechte Bioverfügbarkeit bezeichnet den Freisetzungsgrad eines Wirkstoffanteils, der nach einer gewissen Zeitspanne… festzustellen. Das heißt, nur etwas mehr als die Hälfte der Wirkstoffe werden vom Körper aufgenommen. Die Konzentration des Antibiotikums ist dann für viele Erreger zu gering. Werden keine ausreichenden Wirkspiegel erreicht, steigt die Gefahr der Resistenzbildung. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass andere, geeignetere Antibiotika eingesetzt wurden. „Bei der Wahl des Antibiotikums wird inzwischen genauer hingeschaut“, so der AOK-Chef. Das zeigen auch die Zahlen: Im Jahr 2022 wurden in Schleswig-Holstein rund 74.000 Verordnungen über Cefuroxim ausgestellt. Im Jahr 2025 waren es nur noch 54.000 Verordnungen.
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Foto: Verordnungen von Antibiotika in Schleswig-Holstein
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