Abwärtstrend bei systemischen Antibiotikaverordnungen in Westfalen-Lippe setzt sich fort
AOK-Chef Ackermann: „Antibiotika sind lebenswichtige Medikamente, die ihre Wirkung nicht verlieren dürfen.“
Dortmund. Fast 2,9 Millionen Verordnungen über Antibiotika zur systemischen Anwendung haben die Ärztinnen und Ärzte in Westfalen-Lippe im Jahr 2025 für die gesetzlich Krankenversicherten ausgestellt. Damit ist die Zahl der Verordnungen im Vergleich zum Vorjahr um 12,9 Prozent gesunken. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest. Damit setzt sich der Abwärtstrend auch im Jahr 2025 fort. Bereits in 2024 waren die Verordnungszahlen (3,33 Millionen Verordnungen) im Vergleich zum Vorjahr (3,35 Millionen Verordnungen) leicht rückläufig. „Die rückläufige Entwicklung ist erfreulich. Dennoch dürfen wir nicht nachlassen, die Menschen über einen sinnvollen Einsatz von Antibiotika aufzuklären und zu einem sorgsamen Umgang damit zu sensibilisieren. Richtig eingesetzt, kann ein Antibiotikum Leben retten. Unnötig verabreicht und unsachgemäß eingenommen, besteht jedoch die Gefahr, dass das lebenswichtige Medikament in Zukunft seine Wirkung verliert“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.
„Wir dürfen nicht nachlassen, die Menschen über einen sinnvollen Einsatz von Antibiotika aufzuklären und zu einem sorgsamen Umgang damit zu sensibilisieren.“
Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest
Antibiotikum bei bakteriellen Infektionen
Antibiotika gehören zu den wichtigsten Medikamenten in der Medizin, denn sie können lebensbedrohliche Infektionskrankheiten bekämpfen. Allerdings helfen sie nur in den seltensten Fällen gegen Erkältungskrankheiten. Wenn der Hals kratzt, die Nase läuft und leichtes Fieber im Anmarsch ist, sind meist Viren die Ursache. Antibiotika hingegen wirken nur gegen bakterielle Infektionen und sind völlig unwirksam, wenn die Erkältung durch Viren ausgelöst wurde. Zur Linderung der Symptome haben sich bekannte Hausmittel bewährt. Teetrinken und Auskurieren sind in diesen Fällen manchmal die bessere Wahl.
Resistenzen bekämpfen
Wenn ein Antibiotikum eingenommen werden muss, ist die korrekte Einnahme von entscheidender Bedeutung. Beispielsweise müssen die Zeitabstände exakt stimmen, damit die Antibiotikamenge im Körper immer hoch genug ist, um die Bakterien sicher zu bekämpfen. Bei unsachgemäßem Einsatz werde jedoch die Entstehung von resistenten Bakterien beschleunigt. „Damit verliert die Medizin ihre therapeutischen Möglichkeiten bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, ist ein zurückhaltender und verantwortungsbewusster Antibiotikaeinsatz unbedingt erforderlich“, so Ackermann. So können Ärzte, Apotheker Der Beruf des Apothekers setzt ein Pharmaziestudium voraus. Näheres zur Ausbildung und… und Patienten gleichermaßen dazu beitragen, dass Antibiotika sinnvoll und verantwortungsbewusst verwendet werden. „Antibiotika sind unverzichtbare Medikamente, die aber nicht häufiger als nötig angewendet werden sollten“, so Ackermann.
Auf die Dosierung und Verabreichung kommt es an
AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Chef Tom Ackermann weist anlässlich der aktuellen Auswertung darauf hin, dass neben einer zurückhaltenden Verordnung Einige Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung bedürfen einer schriftlichen Anweisung durch… auch die Wahl und Dosierung von Wirkstoffen von großer Bedeutung sind, um Resistenzen nicht unnötig zu fördern. Ein Beispiel für rückläufige Verordnungszahlen ist Cefuroxim, ein Betalaktam-Antibiotikum, das bei unterschiedlichen bakteriellen Infektionen, unter anderem bei Atemwegsinfektionen, akuten Mittelohrentzündungen oder Infektionen im Harntrakt zum Einsatz kommen kann. Bei oraler Verabreichung des häufig eingesetzten Antibiotikums ist allerdings eine schlechte Bioverfügbarkeit bezeichnet den Freisetzungsgrad eines Wirkstoffanteils, der nach einer gewissen Zeitspanne… festzustellen. Das heißt, nur etwas mehr als die Hälfte der Wirkstoffe werden vom Körper aufgenommen. Die Konzentration des Antibiotikums ist dann für viele Erreger zu gering. Werden keine ausreichenden Wirkspiegel erreicht, steigt die Gefahr der Resistenzbildung. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass andere, geeignetere Antibiotika eingesetzt wurden. „Bei der Wahl des Antibiotikums wird inzwischen genauer hingeschaut“, so der AOK-Chef. Das zeigen auch die Zahlen: Im Jahr 2022 wurden in Westfalen-Lippe knapp 235.000 Verordnungen über Cefuroxim ausgestellt. Im Jahr 2025 waren es nur noch 170.000 Verordnungen.
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Foto: Verordnungen von Antibiotika in Westfalen-Lippe
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