Pressemitteilung

Forschungsprojekt zur besseren Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum stellt wichtige Ergebnisse vor

22.01.2026 AOK Nordost 3 Min. Lesedauer

In der Modellregion Prignitz und Ostprignitz-Ruppin wurde das Innovationsfondsprojekt Prospektive Regionale Sektorenübergreifende Versorgungsplanung“, kurz „ProReVers“durchgeführt. Ziel war es, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu stärken. Im Projekt wurden dazu Instrumente und Designs für die Analyse und Aufbereitung von Daten entwickelt, Versicherte befragt, Experteninterviews sowie Workshops durchgeführt. Auch wurden Lösungen gemeinsam mit den Versorgenden vor Ort erarbeitet. Mitte Januar stellten die Projektpartner die zentralen Ergebnisse auf einem Fachsymposium bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Nordost vor.

Der Nordwesten Brandenburgs ist eine der ländlichen Regionen mit viel Fläche, aber wenig Menschen. Viele von ihnen sind älter sowie chronisch oder auch mehrfach erkrankt. Die medizinische Versorgung der dort lebenden Bevölkerung gestaltet sich zunehmend schwieriger. „Aus Sicht der Projektpartner liegt die Lösung in einem regionalen Ansatz der Versorgungsplanung, der die für Deutschland typische Trennung von ambulantem und stationärem Sektor entsprechend dem regionalen Bedarf überbrückt. Mit den in ProReVers entwickelten Instrumenten wollen wir eine belastbare Grundlage für die bedarfsgerechte Anpassung der regionalen Versorgungsstrukturen schaffen“, sagt AGENON-Geschäftsführer Steffen Bohm. 

Hohe Beteiligung an der Bevölkerungsbefragung

„Um die Bedarfe aus Sicht der Versicherten zu ermitteln, haben wir im Rahmen des Forschungsprojekts die Bevölkerung vor Ort befragt. Die Beteiligung an dieser Befragung war beeindruckend. Fast jeder fünfte unserer Versicherten hat den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt“, sagt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost. „Das bestätigt uns in unserem versichertenzentrierten Ansatz im Projekt: Wir beziehen die Menschen in den Regionen von Beginn an aktiv in die Versorgungsplanung ein.“ 

Defizite in der Gesundheitsversorgung aus Sicht der Bevölkerung

Die Befragung zeigt die bekannten Schmerzpunkte in der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Zwar wird die Versorgung insgesamt als gut bewertet, doch nimmt die Zufriedenheit erkennbar ab, je ländlicher die Wohnsituation ist. Besonders kritisch sehen die Befragten die fachärztliche Versorgung Die ambulante vertragsärztliche Versorgung ist unterteilt in eine hausärztliche und eine… mit zu wenigen Praxen, langen Wartezeiten, eingeschränkter Erreichbarkeit und Zeitmangel des Personals. Weite Anfahrtswege und ein unzureichender öffentlicher Nahverkehr verschärfen die Situation zusätzlich. Gleichzeitig ist die Gesundheitskompetenz unter den Menschen in ländlichen Regionen deutlich weniger ausgeprägt als im bundesweiten Vergleich. Entsprechend groß ist der Wunsch der Befragten nach mehr Haus- und Fachärzten, besserer Erreichbarkeit und einem Ausbau digitaler Angebote.

Herausforderungen aus Sicht der Versorgenden vor Ort

Aber nicht nur die Bevölkerung, auch die Versorgenden vor Ort wurden zu ihren Erfahrungen befragt. Auch hier konnten interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Beispielsweise wurden eine hohe Belastung der medizinischen Fachkräfte durch bürokratische Prozesse sowie der Mangel an Fachpersonal thematisiert. Digitale Lösungen wurden von den Interviewten als potenziell hilfreich betrachtet. Sie sehen jedoch immer noch große Hürden bei der Implementierung. Aus ihrer Sicht müsste sowohl die digitale Infrastruktur verbessert als auch die Kompetenzen der Versorgenden im Umgang mit neuen Technologien gefördert werden. 

Für ländliche Regionen zeigen sich besondere Herausforderungen bei der Umsetzung der Ambulantisierung

Im Projekt wurde auch erörtert, ob Versorgung mehr ambulant und weniger stationär gestaltet werden könnte. Dabei wurde deutlich, dass es noch viele Hürden auf dem Weg zu einer erfolgreichen Ambulantisierung zu nehmen gilt. Dazu zählen beispielsweise fehlende häusliche Betreuungsmöglichkeiten ebenso wie größere Entfernungen, die ohne ein entsprechendes Angebot an öffentlichem Nahverkehr überwunden werden müssen. In einzelnen Gesprächen mit Fachexperten klang an, dass diese in der Ambulantisierung sowohl Chancen als auch Risiken sehen. Einerseits bietet sie Potenzial. Andererseits stellt sie die behandelnden Ärztinnen und Ärzte vor praktische Herausforderungen bei der Umsetzung. 

Umfangreiche Datenbasis

Im Rahmen des Projektes ProReVers ist eine umfangreiche Datenbasis entstanden, die nicht nur die obligatorischen amtlichen Daten der Krankenhäuser und Arztpraxen, sondern auch die Ergebnisse aus den Befragungen, Workshops sowie aus den Experteninterviews zu innovativen Lösungsansätzen enthält. In regionalen Planungskonferenzen wurden gemeinsam mit den Akteuren vor Ort – Vertretern der ambulanten und stationären Versorgung sowie der Landkreise – konkrete Empfehlungen erarbeitet, wie die Versorgung in den nächsten fünf Jahren weiterentwickelt werden sollte. Das kann nach Ansicht der Projektpartner nur dann gut gelingen, wenn zum einen die konkreten lokalen Bedarfe berücksichtigt werden. Zum anderen ist dafür ein entsprechender regulatorischer Rahmen erforderlich. Bisher stoßen die Akteure immer wieder an die Grenzen der beiden Sektoren ambulant und stationär, wenn es um die Finanzierung und Zulassungen geht. 

Ambulantisierung auf wirtschaftlich tragfähige Beine stellen

„Die Ergebnisse von ProReVers belegen schwarz auf weiß: Die ambulante Versorgung ist das Rückgrat der Medizin im ländlichen Raum. Wir sind bereit, die Ambulantisierung aktiv voranzutreiben, denn jeder vierte Krankenhausfall könnte bereits heute sicher in unseren Praxen behandelt werden. Damit das gelingt, muss die Politik jedoch die Fesseln lösen: Wir brauchen eine verlässliche Finanzierung der ambulanten Versorgung und Nachsorge nach ambulanten Eingriffen. Wer Ambulantisierung will, muss diese auch fördern und auf wirtschaftlich tragfähige Beine stellen. Hier können Empfehlungen durch die regionalen Planungskonferenzen wegweisend für die Verzahnung von stationär und ambulant werden. Bürokratische Hemmnisse und Probleme in der ländlichen Infrastruktur müssen abgebaut werden, damit auch eine patientenorientierte Versorgung erfolgen kann“, sagt Catrin Steiniger, Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg.

Die im Projekt entwickelten Analysedesigns, Instrumente und Verfahren können auch von anderen ländlichen Regionen für eine ganzheitliche Versorgungsplanung genutzt werden.

Zum Projekt

Projektpartner von ProReVers sind die AGENON – Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen, die AOK Nordost, die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg, die KMG Kliniken SE und die Medizinische Hochschule Brandenburg.  Unterstützt wird das Forschungsprojekt von der Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg e.V. und dem Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg (MGS)Das Projekt wird durch den Gemeinsamen Bundesausschuss aus Mitteln des Innovationsfonds Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vom 16. Juli 2015 gibt dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) den… gefördert.

AGENON Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Gesundheitswesen mbH

AOK Nordost – Die Gesundheitskasse
KMG Kliniken SE
Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg
Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane

Die AOK Nordost wird vom 8. April bis 26. Mai in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz/Ruppin 10.000 Versicherte zur Gesund-heitsversorgung befragen. Die Ergebnisse sollen gemeinsam mit weiteren Datenanalysen aus dem Forschungsprojekt „ProReVers – Prospektive Regionale Sektorenübergreifende Versorgung“ helfen, ein möglichst genaues Bild der…
19.03.2024AOK Nordost2 Min
Die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf dem Land gestaltet sich zunehmend schwieriger. Deshalb haben sich wichtige Akteure im Gesundheitswesen in dem Forschungsprojekt ProReVers zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie ein Verfahren entwickeln, mit dem die medizinischen Bedarfe der Bevölkerung ermittelt werden können.
Veröffentlicht am 29.02.2024
Pressesprecher

Dirk Becker

AOK Nordost

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Wo steht Deutschland beim Thema Prävention im internationalen Vergleich?