WIdO-Heilmittelreport 2026 zeigt Ausgabenentwicklung für Brandenburg
Physiotherapie, Ergotherapie und Co.: Heilmittel entwickeln sich zum Kostentreiber in der GKV
In Brandenburg sind die Ausgaben für Heilmitteltherapien 2024 erneut deutlich gestiegen. Das zeigen regionalisierte Daten des Heilmittel-Reports 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). So lagen 2024 die Heilmittelumsätze der Gesetzlichen Krankenversicherung im Land bei rund 445,2 Millionen Euro. Zehn Jahre zuvor waren es erst rund 174,4 Millionen Euro. Damit haben sich die Ausgaben seit 2015 mehr als verdoppelt. Allein gegenüber dem Vorjahr (2023: 406,9 Millionen Euro) stiegen die Umsätze um mehr als neun Prozent. Den größten Anteil macht die Physiotherapie aus.
Bundesweit haben die gesetzlichen Krankenkassen 2024 laut Heilmittelreport knapp 13,3 Milliarden Euro für Heilmitteltherapien ausgegeben. Auch hier haben sich die Ausgaben innerhalb von zehn Jahren verdoppelt (2015: 6,1 Milliarden Euro). Der Bereich der Heilmittel verzeichnet damit im Vergleich zu anderen Leistungsbereichen besonders starke Ausgabensteigerungen.
„Der Heilmittelbereich entwickelt sich immer stärker zu einem Kostentreiber innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung“, sagt Tom Forbrich, Bereichsleiter Versorgung bei der AOK Nordost. Dazu hätten auch die Vergütungssteigerungen für Therapeutinnen und Therapeuten sowie die Einführung der Blankoverordnung 2024 beigetragen. Die Blankoverordnung kann für bestimmte Diagnosen in der Ergotherapie sowie für physiotherapeutische Behandlungen bei Erkrankungen der Schulter ausgestellt werden. Nach der ärztlichen Diagnose entscheiden die Therapeutinnen und Therapeuten selbst, welche Behandlung durchgeführt wird, wie häufig sie stattfindet und wie viele Termine erforderlich sind.
Mögliche Ausweitung der Blankoverordnungen abhängig von Evaluationsergebnissen
„Niemand stellt in Frage, dass die wichtige und anspruchsvolle Arbeit der Therapeutinnen und Therapeuten angemessen bezahlt werden sollte. Und wir stehen auch dem Instrument der Blankoverordnung weiterhin grundsätzlich positiv gegenüber. Es soll die Versorgung stärker flexibilisieren und den Therapeutinnen und Therapeuten mehr fachliche Eigenverantwortung geben. Angesichts des rasanten Ausgabenanstiegs müssen wir aber vor allem Umfang und Häufigkeit der verordneten Heilmittel, insbesondere auch im Zusammenhang mit der Blankoverordnung kritisch hinterfragen“, so Tom Forbrich. Erste begleitende Auswertungen und Evaluationen im Auftrag von Krankenkassen und ihren Verbänden sowie von wissenschaftlichen Instituten untersuchen bereits die Auswirkungen der Blankoverordnungen auf Mengen- und Kostenentwicklung sowie auf die Versorgungssteuerung. Die Krankenkassen empfehlen, zunächst die Ergebnisse der Evaluation abzuwarten, bevor die Blankoverordnungen auf weitere Diagnosen ausgeweitet werden.
Nach vorläufigen Daten lagen im Land Brandenburg die Kosten bei Heilmittelpatientinnen und -patienten der AOK Nordost mit blankofähiger Schulterdiagnose im vierten Quartal 2025 bei rund 735 Euro je physiotherapeutischer Blankoverordnung. Bei vergleichbaren ärztlichen Regelverordnungen betrugen sie im selben Quartal rund 229 Euro. Die Blankoverordnungen machten im vergangenen Jahr nur 1,6 Prozent aller Physiotherapieverordnungen mit einem Umsatz von 3,2 Prozent aus. Der Umsatzanteil der Blankoverordnungen in Ergo- und Physiotherapie am gesamten Heilmittelumsatz betrug rund 5,9 Prozent. Laut vorläufigen Daten wurde im vierten Quartal 2025 in Brandenburg beinahe jede zweite Physiotherapie-Verordnung im Diagnosebereich der Schulterbeschwerden als Blankoverordnung ausgestellt.
Physiotherapie bleibt größter Ausgabenblock
Den größten Anteil an den Heilmittelausgaben im Land Brandenburg machte 2024 laut WIdO die Physiotherapie aus. Die GKV-Heilmittelumsätze für Physiotherapie lagen im Land Brandenburg bei rund 311 Millionen Euro. Das entspricht rund 70 Prozent des gesamten Heilmittelumsatzes im Land. Für Ergotherapie wurden rund 71 Millionen Euro abgerechnet, für Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie rund 44,4 Millionen Euro und für Podologie rund 18,4 Millionen Euro.