Eigenanteile für Pflegeheim in Berlin auf mehr als 2400 Euro gestiegen
Zuzahlungen nehmen trotz Entlastungen zu
Die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige in stationären Pflegeeinrichtungen in Berlin ist erneut gestiegen. Das zeigt eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ). Trotz einzelner Entlastungsschritte steigen die Eigenanteile weiter und überfordern viele Menschen. Die AOK Nordost sieht dringenden Handlungsbedarf für eine strukturelle Reform der Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… und eine nachhaltige Finanzierung der Sozialen Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… .
Die durchschnittliche Gesamtbelastung der Bewohnerinnen und Bewohner liegt nach Abzug der nach Wohndauer gestaffelten Leistungszuschläge der Pflegeversicherung inzwischen bei 2400 Euro pro Monat. Das sind 121 Euro mehr als 2024. Sie hat damit das Niveau des Jahres 2021, als die Politik die Zuschläge zur Begrenzung der Eigenanteile an den pflegebedingten Aufwendungen eingeführt hatte, wieder deutlich überschritten (siehe Grafik). Eine Prognose des WIdO zur weiteren Entwicklung macht deutlich: Die 2024 erfolgte Anhebung der Zuschläge und die seit letztem Jahr greifende Dynamisierung der Leistungssätze werden den Trend zu immer höheren finanziellen Belastungen nicht nachhaltig stoppen.
Die aktuelle Analyse zeigt, dass die Gesamtkosten für einen Heimplatz in Berlin Ende 2025 erstmals über 5000 Euro pro Monat lagen. Von den Gesamtkosten in Höhe von 5023 Euro zahlte die Pflegekasse im Durchschnitt 1.534 Euro. Zusätzlich bekamen die Bewohnerinnen und Bewohner von der Pflegeversicherung durchschnittlich 1061 Euro pro Monat für ihre pflegebedingten Eigenanteile in Form der nach Wohndauer gestaffelten Zuschläge erstattet. Durchschnittlich 1166 Euro mussten sie selbst für die Pflege zuzahlen. Hinzu kamen im Schnitt 836 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 426 Euro für Investitionskosten. Daraus ergibt sich nach Abzug der Zuschläge eine durchschnittliche Gesamtbelastung von 2.427 Euro pro Monat.
Ein Betrag, der häufig deutlich über der verfügbaren Rente liegt. Die durchschnittliche Altersrente nach 35 Jahren Versicherungsjahren betrug im Ostteil Berlins Ende 2024 laut Rentenatlas 1756 Euro und im Westen Berlins 1631 Euro. Die Folgen sind bereits heute deutlich sichtbar: Rund 17.300 Menschen, die in Pflegeeinrichtungen in Berlin versorgt werden erhielten bereits 2024 Hilfe zur Pflege, weil Einkommen und Vermögen nicht ausreichten, um die Pflegekosten zu tragen.
Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen machen hohen Anteil aus
Für viele Betroffene ist kaum nachvollziehbar, wie sich die hohen Eigenanteile zusammensetzen. Neben dem pflegebedingten Eigenanteil und den Kosten für Unterkunft und Verpflegung spielen insbesondere die Investitionskosten der Pflegeeinrichtungen eine zentrale Rolle. Allein dieser Kostenblock lag im vergangenen Jahr in Berlin bei durchschnittlich 426 Euro pro Monat.
„Pflegebedürftige finanzieren damit einen erheblichen Teil der baulichen Infrastruktur der Pflegeheime, obwohl diese zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehören. Diese Kosten dürfen nicht länger den Menschen im Pflegefall aufgebürdet werden“, sagt Jens Kreutzer, Fachbereichsleiter Pflege-Verträge bei der AOK Nordost.
AOK Nordost fordert strukturelle Pflegereform
Die AOK-Gemeinschaft setzt sich seit langem mit den AOK-Positionen zur Weiterentwicklung der Pflege für eine umfassende strukturelle Pflegereform ein. Dazu gehört der Wegfall der überholten Trennung zwischen ambulanter und stationärer Pflege, um Pflegeleistungen flexibler und bedarfsgerechter zu organisieren. Zudem spricht sich die AOK Nordost für eine aktivere Rolle der Pflegekassen als Pflegelotsen aus, die Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch das komplexe Versorgungssystem begleiten.
Allein durch die vollständige Herauslösung der Ausbildungsumlage und der Investitionskosten aus den Eigenanteilen könnten Heimbewohnerinnen und -bewohner um mehrere hundert Euro pro Monat entlastet werden. Weitere gesamtgesellschaftliche Kosten wie etwa die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige müssen ebenfalls über Bundesmittel finanziert werden. „Dann wäre mehr Geld im Topf, um die Pflegebedürftigen spürbar zu entlasten“, betont Jens Kreutzer.
Prävention stärken, langfristig Kosten in der Sozialen Pflegeversicherung senken
Neben der finanziellen Entlastung rückt zunehmend auch das Thema Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… im Zusammenhang mit der Pflege in den Fokus. Für die AOK-Gemeinschaft ist Prävention ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Pflegepolitik. Das AOK-Positionspapier zur Weiterentwicklung der Pflege hebt daher die Bedeutung präventiver Ansätze hervor, um Pflegebedürftigkeit Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) vom 27. November 2015 wurde der Begriff der… hinauszuzögern oder in ihrer Schwere zu begrenzen. Zwar wirkt Prävention nicht unmittelbar auf die heutigen Eigenanteile, sie kann jedoch langfristig Kosten in der Sozialen Pflegeversicherung dämpfen und gleichzeitig die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Pflegebedürftigen verbessern.
Zuzahlungen steigen trotz Entlastung
Mit Beginn des Jahres 2025 stiegen die allgemeinen Leistungssätze der Pflegeversicherung: Statt beispielsweise bisher 1.775 Euro pro Monat bei Pflegegrad Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sind zum 1. Januar 2017 in der Pflegeversicherung die… 4 gibt es seitdem 1.855 Euro (plus 4,5 Prozent). Trotz der Zuschüsse zur Entlastung und der Dynamisierung der Leistungen nehmen die Zuzahlungen Zuzahlungen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind eine Form der direkten finanziellen… für die Pflege im Heim weiter zu. Das hat unter anderem mit gestiegenen Lohnkosten infolge der Verpflichtung der Einrichtungen zur tariflichen Bezahlung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und den inflationsbedingten Tarifsteigerungen zu tun.
Prognose für 2030
In einer Prognose zur weiteren Entwicklung der pflegebedingten Eigenanteile hat das WIdO verschiedene Szenarien durchgespielt. Bei einer im Vergleich zu den Vorjahren eher moderaten Steigerung der Zuzahlungen um 10 Prozent würden die pflegebedingten Eigenanteile im Jahr 2030 1.834 Euro pro Monat erreichen. Dazu kommen die ebenfalls steigenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und die Investitionskosten.