Brandenburg: Psychisch bedingte Fehltage seit 2016 um 54 Prozent gestiegen
Callcenter-Beschäftigte am häufigsten betroffen
Obwohl die Fehlzeiten insgesamt zurückgehen, nehmen psychisch bedingte Ausfälle in Brandenburg weiter zu. Von 2016 bis 2025 stiegen die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen bei AOK-versicherten Beschäftigten um 54 Prozent. Besonders viele Krankschreibungen gibt es in Callcenter-, Pflege- und Erziehungsberufen. Das zeigt eine regionale Auswertung zum Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).
Im vergangenen Jahr entfielen auf 100 AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -versicherte Brandenburger Beschäftigte 493 Tagen wegen psychischer Erkrankungen. 2016 waren es noch rund 320 Fehltage. Die Fehlzeiten insgesamt stiegen in Brandenburg im gleichen Zeitraum weit weniger stark an.
Auch gegenüber dem Vorjahr legten die psychisch bedingten Fehltage in Brandenburg zu, und zwar um rund zwei Prozent. Die Fehlzeiten über alle Erkrankungen gingen hingegen zurück: von 27,4 auf 26,9 Tage je AOK-versichertem Beschäftigten.
„Hinter langen Fehlzeiten stehen Menschen, die Unterstützung brauchen. Wer psychischen Erkrankungen vorbeugen will, muss nicht nur den Einzelnen stärken, sondern auch belastende Arbeitsbedingungen verändern“, sagt Anke Jurchen, Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der AOK Nordost
Knapp jeder fünfte Fehltag psychisch bedingt
Eine Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung dauerte in Brandenburg 2025 durchschnittlich rund 28 Tage. Zum Vergleich: Bei Atemwegserkrankungen waren es nur rund sieben Tage. Insgesamt entfiel knapp ein Fünftel aller erfassten Fehltage auf psychische Erkrankungen.
In Callcentern mehr als doppelt so viele Fälle
Die Auswertung zeigt auch, dass Brandenburger Beschäftigte im Dialogmarketing am häufigsten wegen psychischer Erkrankungen krankgeschrieben werden: Auf 100 Beschäftigte dieser Berufsgruppe entfielen 37,7 Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen. Das waren mehr als doppelt so viele Fälle wie im Durchschnitt aller Berufe (17,4). In der „Top5“ folgen Beschäftigte in der Erziehungswissenschaft (32,5), der Heilerziehungspflege und der Sonderpädagogik (31,4), der Altenpflege (30,1) sowie in der Kinderbetreuung und -erziehung (29,9).
Mit Implement Belastungen im Arbeitsalltag angehen
Mit dem Forschungsprojekt Implement unterstützt die AOK Nordost kleine und mittlere Unternehmen dabei, psychische Gesundheit im Arbeitsalltag zu stärken. Befragungen und Selbst-Checks helfen, Belastungen und Handlungsbedarf zu erkennen. Beschäftigte können wissenschaftlich geprüfte digitale Trainings etwa zu Stress oder Schlaf nutzen, auf Wunsch mit psychologischer Begleitung. Arbeitstrainings und moderierte Workshops setzen zugleich bei den Bedingungen im Betrieb an – etwa bei Arbeitsabläufen, Führung und Zusammenarbeit.
„Psychische Gesundheit von Beschäftigten lässt sich nicht allein mit einem Training stärken. Mit Implement ermöglichen wir es Unternehmen, gemeinsam mit ihren Beschäftigten die Ursachen betriebsbedingter psychischer Belastungen zu erkennen. Daraus ergeben sich Ansatzpunkte für eine gesündere Arbeitsgestaltung. Wir wissen aus der Beratungspraxis, dass Implement so dazu beiträgt, konkrete Veränderungen im Arbeitsalltag auf den Weg zu bringen“, sagt Anke Jurchen, Leiterin des betrieblichen Gesundheitsmanagements bei der AOK Nordost.
An Implement haben bislang insgesamt 45 Unternehmen teilgenommen, viele davon aus dem Sozialbereich. Rund 3.400 Beschäftigte haben sich auf der Plattform registriert. Die Zahlen beziehen sich auf das gesamte Projekt, nicht allein auf Brandenburg.
Hinweise zur Auswertung:
Die Auswertung bezieht sich auf AOK-versicherte Beschäftigte nach Wohnort, nicht nach Arbeitsort. Die Jahreskennzahlen sind auf Versichertenjahre bezogen. Seit 2022 werden Krankmeldungen durch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vollständiger erfasst. Das erklärt einen Teil des Anstiegs des Krankenstands im Jahr 2022.
Steigende Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen bedeuten nicht, dass psychische Erkrankungen in der Bevölkerung im gleichen Umfang zunehmen. Ein Teil des Anstiegs ist damit zu erklären, dass psychische Erkrankungen heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt werden.