Eine gute Transformation braucht eine langfristige Planung
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Versorgungspraxis sind am 8. Oktober 2026 auf dem Campus der Charité zu einem Fachtag zusammengekommen, um über die Transformation von Primärversorgung zu Primary Health Care zu diskutieren. Es ging um Fragen der nachhaltigen Finanzierung, um die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe und geeignete Trägerstrukturen. Im Mittelpunkt stand dabei beispielhaft das Innovationsfondsprojekt NAVIGATION – nachhaltig versorgt im gemeindenahen Gesundheitszentrum.
Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Gesundheitswesen und Versorgungspraxis sind am 8. Oktober 2026 auf dem Campus der Charité zu einem Fachtag zusammengekommen, um über die Transformation von Primärversorgung zu Primary Health Care zu diskutieren. Es ging um Fragen der nachhaltigen Finanzierung, um die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe und geeignete Trägerstrukturen. Im Mittelpunkt stand dabei beispielhaft das Innovationsfondsprojekt NAVIGATION – nachhaltig versorgt im gemeindenahen Gesundheitszentrum.
Im Innovationsfondsprojekt NAVIGATION – nachhaltig versorgt im gemeindenahen Gesundheitszentrum testen die AOK Nordost und die AOK Rheinland/Hamburg gemeinsam mit dem Gesundheits-Kollektiv (Geko), einem Stadtteil-Gesundheits-Zentrum in Berlin-Neukölln, und der Poliklinik Veddel in Hamburg neue Formen interprofessioneller Primärversorgung für Menschen mit besonderen gesundheitlichen und sozialen Belastungen.
Daniela Teichert, die Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost, machte auf der Podiumsdiskussion deutlich, dass man auch einen großen Transformationsprozess erst einmal klein beginnen muss, aus der regionalen Perspektive. „Wir glauben immer, dass wir mit gesetzlichen Änderungen sofort Versorgung verändern. Das passiert aber ja nicht“, so die AOK-Nordost-Vorständin. Zum Vergleich zog sie Veränderungsprozesse in großen Betrieben und Unternehmen heran. Dort würden umfangreiche Change-Prozesse aufgesetzt und in einem sehr breiten Rahmen begleitet. In der Versorgung liefe es nach ihrem Gefühl immer so, „dass wir das jetzt eben einfach mal anders machen.“ Genau dieses ‚an die Hand nehmen‘, begleiten, Prozesse aus einer langfristigen Perspektive betrachten – das fehle. Besonders bemerkbar mache sich das zum Beispiel bei der Krankenhausreform, wo Krankenhäuser geschlossen würden, ohne den Menschen die Alternativen für ihre regionale Versorgung aufzuzeigen. „Keiner will wirklich ins Krankenhaus, aber das regionale Krankenhaus ist im Moment für viele noch der Anker in der Versorgung“, so Daniela Teichert.
Es müsste ein Versorgungsplan erstellt und dafür mehr Leute an einen Tisch geholt werden. „Und da sprechen wir noch gar nicht von dem ganz großen Bild der „health in all policies‘“, so die AOK-Nordost-Vorständin. Natürlich hätte sie auch gerne die Infrastrukturminister gleich mit dabei, aber das sei momentan noch ein Schritt zu viel. „Wir müssen erst einmal eine regionale Versorgungsplanung machen, und zwar nicht in Sektoren. Wir haben alle Daten. Wir schauen auf die gesamte Region, wir schauen auf Patientenströme, wir gucken auf Indikationen und daraus bauen wir dann Versorgungsmodelle, die sich entwickeln müssen.“ Den strukturellen Effekt anhand von Daten anzuschauen und gemeinsam Versorgung zu planen, sei für sie das A&O.
Daniela Teichert verwies in diesem Zusammenhang auf Österreich, wo 2017 ein Primärversorgungsgesetz eingeführt wurde, das jetzt langsam, aber stetig Wirkung zeigt. „Auch bei uns wäre nicht morgen gleich alles anders, wenn wir jetzt ein Primärversorgungsgesetz bekämen“, ist sie sich sicher. „Aber wenn die Community größer wird, von denen, die sagen: ‘Wir sehen das als Prozess, wir organisieren das gemeinsam und halten auch vielleicht am Anfang etwas Schmerzen aus’, dann, glaube ich, sind wir da auf dem richtigen Weg.“