Hintergrund

Gesundheitspolitische Positionen der AOK Nordost

Auch wenn in Sachsen-Anhalt die genaue Konstellation der künftigen Landesregierung noch offen ist: Die erste von drei Landtagswahlen im Herbst hat das parteipolitische Gefüge im Land schon jetzt ordentlich durchgerüttelt. Und nur zwei Wochen später folgen am 20. September im Nordosten die nächsten Wahlen - in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Auch wenn in Sachsen-Anhalt die genaue Konstellation der künftigen Landesregierung noch offen ist: Die erste von drei Landtagswahlen im Herbst hat das parteipolitische Gefüge im Land schon jetzt ordentlich durchgerüttelt. Und nur zwei Wochen später folgen am 20. September im Nordosten die nächsten Wahlen - in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.

Der Kontrast zwischen Flächenland und Metropole könnte kaum größer sein. Und doch gibt es viele Gemeinsamkeiten, wie die Gesundheitsversorgung in Stadt und Land auch in Zukunft sichergestellt werden kann.

So muss sich eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung stärker am tatsächlichen Bedarf der Menschen vor Ort orientieren. Dafür braucht es aus unserer Sicht eine gemeinsame regionale Steuerung über die Grenzen von ambulantem, stationärem und pflegerischem Bereich hinweg. Ein sektorenübergreifendes Planungssystem mit einer gesetzlichen Grundlage für eine regionale, sektorenunabhängige Versorgung könnte dafür eine wichtige Grundlage sein. Wichtig sind aber auch eine verbindliche Bedarfsplanung in der Pflege sowie mehr regionale und kommunale Gestaltungsmöglichkeiten. 

Gleichzeitig sollte Prävention zum Leitprinzip werden. Gesundheit sollte bei politischen Entscheidungen in allen Bereichen mitgedacht werden. Dafür braucht es aus unserer Sicht verlässliche und nachhaltige Unterstützung für kommunale Präventionsstrukturen sowie einen stärkeren Fokus darauf, Pflegebedürftigkeit möglichst zu vermeiden oder hinauszuzögern. 

Auch die Qualität der Versorgung sollte noch stärker zum Maßstab werden. Verbindliche Qualitätsstandards in allen Versorgungsbereichen - ambulant wie stationär - sind dafür aus unserer Sicht eine wichtige Voraussetzung. Notwendig ist aber auch eine Krankenhausplanung, die sich konsequent an Qualität und tatsächlichem Bedarf orientiert. 

Krankenkassen und Pflegekassen können dabei eine stärkere Rolle als Lotsen übernehmen. Dafür benötigen wir aber mehr Handlungsspielräume, um integrierte und sektorenübergreifende Versorgungsangebote gemeinsam mit den Partnern vor Ort entwickeln und umsetzen zu können. Zugleich brauchen pflegende Angehörige mehr Unterstützung. Die geplante Pflegereform sollte ihre Situation stärker berücksichtigen. So könnten Pflegestützpunkte zu Pflegekompetenzzentren weiterentwickelt werden, um noch besser Orientierung und Unterstützung bieten zu können. 

Bei der Krankenhausreform kommt es aus unserer Sicht darauf an, die vorhandenen Strukturen konsequent weiterzuentwickeln. Nicht jedes Krankenhaus muss jedes Leistungsangebot vorhalten. Entscheidend ist vielmehr, dass jeder Mensch die für ihn passende Versorgung zuverlässig erreichen kann. 

Das gilt auch für die Notfallversorgung. Dafür erwarten wir eine konsequente Umsetzung der Notfallreform mit Integrierten Notfallzentren, digital unterstützter Patientensteuerung und einer engeren Verzahnung von Rettungs- und Bereitschaftsdienst. Auch wer keinen medizinischen Notfall hat, sollte für eine Behandlung möglichst schnell an die richtige Stelle gelangen. 

Voraussetzung für all diese Veränderungen ist eine nachhaltige Finanzierung. Aus unserer Sicht braucht es eine strukturelle Stabilisierung der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung, eine Weiterentwicklung des Risikostrukturausgleichs, eine Entlastung der Kassen bei versicherungsfremden Leistungen und einen dauerhaft verlässlichen Bundeszuschuss. Nur mit einer tragfähigen finanziellen Grundlage lassen sich die notwendigen Veränderungen gestalten und die Gesundheitsversorgung in der Region langfristig zukunftsfähig aufstellen.

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