Mehr Krankenhaus-Fälle durch Hitze: AOK Niedersachsen und Niedersächsisches Landesgesundheitsamt warnen vor steigenden Gesundheitsrisiken
Gemeinsames Projekt AnKliMM liefert neue Daten zu Folgen des Klimawandels
Anhaltend hohe Temperaturen wirken sich spürbar auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen in Niedersachsen aus. Darauf machen die AOK und das Landesgesundheitsamt (NLGA) im Vorfeld des bundesweiten Hitzeaktionstages am 11. Juni aufmerksam. Ein gemeinsames Projekt analysiert den Einfluss des Klimas auf die Gesundheit und die damit verbundenen Herausforderungen für die medizinische Versorgung. Um adäquat auf Hitze reagieren zu können und die begrenzten Ressourcen im Gesundheitswesen zielgerichtet einzusetzen, soll das Projekt belastbare Daten und Evidenz liefern. Untersucht werden die Region Hannover, die Städte Salzgitter und Braunschweig sowie die Landkreise Peine und Wolfenbüttel.
Rund 13 Prozent mehr Krankenhaus-Fälle wegen Dehydration
„Auswertungen für die Jahre 2018 bis 2024 zeigen eindeutige Auswirkungen von Hitzeperioden auf die Gesundheit“, so Dr. Jürgen Peter, Vorstandsvorsitzender der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Niedersachsen. „In den ausgeprägten Hitzejahren 2018, 2019 und 2022 gab es rund 13 Prozent mehr stationäre Aufnahmen aufgrund von Dehydration. So wurden in den drei besonders warmen Jahren durchschnittlich jährlich 1.157 Fälle, in den übrigen Jahren 1.024 Fälle aufgenommen.“ Dabei weisen die Hitzejahre für Hannover jeweils 19 sogenannte Hitzetage mit einer Maximaltemperatur über 30 Grad auf, während in den übrigen vier Jahren die Anzahl zwischen 3 und 11 schwankte; die durchschnittliche Tagesmaximaltemperatur in den Sommermonaten Juni, Juli und August belief sich für die Hitzejahre auf 25,7 Grad gegenüber 23,9 Grad in den weniger die Gesundheit belastenden Jahren.
Der Hitzeaktionstag klärt jährlich bundesweit über die Gefahren durch hohe Hitze auf und findet dieses Jahr am 11. Juni statt. NLGA-Präsident Dr. Fabian Feil betont, wie wichtig eine informierte Bevölkerung ist: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Anzahl der Hitzetage in Zukunft weiter zunimmt und damit mehr Menschen stationär behandelt werden müssen. Für die Betroffenen sind die Folgen teils lebensbedrohlich und gleichzeitig wird das Gesundheitssystem stark belastet. Von daher ist es wichtig, das Bewusstsein für die Gesundheitsgefahren durch Hitze in der Bevölkerung zu steigern – besonders bei Menschen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko wie älteren Menschen, Schwangeren oder Wohnungslosen sowie deren Bezugspersonen.“
Projekt AnKliMM
Die Auswertungen stammen aus einem Kooperationsprojekt der AOK Niedersachsen und dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt. AnKliMM ist eine Abkürzung für „Analyse des Einflusses des Klimas auf die Morbidität und Mortalität“. In dem Projekt werden anonymisierte Routine-Krankenhaus Krankenhäuser sind Einrichtungen der stationären Versorgung, deren Kern die Akut- beziehungsweise… -Abrechnungsdaten der AOKN (Krankenhausaufnahmen, Aufnahmediagnosen) sowie parallel verfügbare meteorologische Daten im Jahresverlauf (tägliche Auflösung) in die Analyse einbezogen.
Vielfältige gesundheitliche Auswirkungen
Extreme Temperaturen beeinflussen eine Vielzahl gesundheitlicher Beschwerden. Neben akuten Kreislaufproblemen kommt es während Hitzeperioden vermehrt zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, zu psychischen Belastungen, Infektionen sowie Haut- und Muskel-Skelett-Beschwerden. Gleichzeitig können bereits bestehende Erkrankungen stärker symptomatisch werden oder es treten unerkannte gesundheitliche Probleme unter Hitzestress erstmals auf. Auch in Bezug auf Medikamente ist Vorsicht geboten: So kann die Reaktion auf Medikamente unter Hitze anders ausfallen. Ebenso ist es wichtig, hitzeempfindliche Arzneimittel Nach der Definition des Arzneimittelgesetzes (AMG) sind Arzneimittel insbesondere Stoffe und… entsprechend zu lagern, damit sie ihre Wirkung im schlimmsten Fall nicht verlieren.
Ein erhöhtes Risiko tragen insbesondere ältere Menschen, Schwangere sowie Personen mit chronischen Erkrankungen. Im beruflichen Kontext sind vor allem Tätigkeiten mit hoher körperlicher Belastung oder Arbeit im Freien betroffen, etwa im Baugewerbe, in der Landwirtschaft oder im Transportbereich. Aber auch Personen in der Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… , die beispielsweise Schutzkleidung tragen müssen, sind im Berufsalltag von Hitze belastet.
Aufklärung und konkrete Hilfsangebote
Auch für Versicherte stellt die AOK Niedersachsen verstärkt Informationen bereit. Über die Internetseite www.aok.de/pk/hitzeschutz können sich Interessierte umfassend über gesundheitliche Risiken und geeignete Schutzmaßnahmen informieren. Unter anderem gibt es auch spezielle Informationen zum Thema Hitze und Frauengesundheit, da Frauen in bestimmten Lebensphasen empfindlicher auf Hitze reagieren.
Ergänzend informiert die AOK bei amtlichen Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes über ihre Social-Media-Kanäle. Für individuelle Fragen steht zudem das medizinische Hitzetelefon von AOK-Clarimedis unter 0800 1 265 265 rund um die Uhr kostenfrei zur Verfügung.
Hitzeschutz als gemeinsame Aufgabe
Die AOK Niedersachsen und das NLGA regen eine stärkere Verankerung von Hitzeschutzmaßnahmen an. Dazu zählen insbesondere verbindliche Hitzeaktionspläne auf Ebene der Kommunen und Länder. Wichtige Maßnahmen, um Temperaturen in Städten zu senken, sind weniger versiegelte und mehr begrünte Flächen.
„Die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze lassen sich nur begrenzen, wenn Präventionsmaßnahmen über verschiedene Bereiche hinweg zusammengedacht werden“, so Dr. Peter. „Hitzeschutz und Hitzeanpassung ist eine Aufgabe für Politik, Kommunen und jede und jeden Einzelnen.“
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