So entwickelt sich der Krankenstand in Niedersachsen AOK analysiert Fehlzeiten von 2019 bis 2025
Die politische Diskussion um hohe krankheitsbedingte Fehlzeiten, Karenztage und Missbrauch-Verdacht bei der telefonischen Krankschreibung – wie ist die Lage eigentlich zwischen Küste und Harz? Die AOK Niedersachsen hat den Krankenstand der vergangenen Jahre anhand ihrer Routinedaten untersucht.
Wie hat sich der Krankenstand seit 2019 entwickelt?
Der Krankenstand Der Krankenstand beziffert die Zahl der arbeitsunfähig geschriebenen Kranken bezogen auf 100… unterliegt im Jahresverlauf deutlichen Schwankungen, das zeigt eine Analyse am Beispiel der bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Niedersachsen versicherten Arbeitnehmer bzw. Selbstständigen (krankengeldberechtigte Mitglieder). Diese unterjährigen Abweichungen sind normal und gehen z.B. auf saisonale Erkältungserkrankungen zurück.
Abbildung 1 vergleicht das vorpandemische Jahr 2019 und die Jahre 2020 bis 2022. Die Jahre 2020 und 2021 sind aufgrund diverser Pandemie-Regelungen und Lockdowns nur eingeschränkt vergleichbar und man erkennt deutlich die Effekte der Pandemieregelungen. Nach Ende der Pandemie-Maßnahmen und der so gut wie zeitgleichen, schrittweisen Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Seit dem 1. Juli 2022 sind Vertragsärztinnen und -ärzte dazu verpflichtet, die Daten der bislang in… (eAU) erreichte der Krankenstand in Niedersachsen 2022 einen Höchststand von 7 Prozent (Jahresdurchschnitt).
Abbildung 2 vergleicht die Entwicklung der Krankenstände der Jahre 2022 bis 2025. Der hohe Krankenstand in 2022 wurde in den Folgejahren nicht wieder erreicht, sondern sank auf 6,8 Prozent (2023), 6,7 Prozent (2024) und auf 6,6 Prozent in 2025. Deutlich zu erkennen sind die üblichen jahreszeitliche Schwankungen, ebenso wie die Effekte der letzten hohe Coronawelle Ende 2022 als auch die Auswirkung einer stärker ausgeprägten Grippewelle zu Beginn 2025.
Wie hat sich der Krankenstand im Jahresdurchschnitt seit 2019 entwickelt?
Abbildung 3 verdeutlicht den sprunghaften Anstieg des Krankenstands vom Jahr 2021 auf 2022, parallel zur verpflichtenden Einführung der eAU (elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Seit dem 1. Juli 2022 sind Vertragsärztinnen und -ärzte dazu verpflichtet, die Daten der bislang in… ). Seitdem müssen Beschäftigte den bis dahin gültigen „gelben Schein“ in Papierform nicht mehr eigenverantwortlich an die Krankenkasse weiterleiten. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen werden automatisch und digital aus der Arztpraxis an die Krankenkasse übermittelt, was dort zur lückenlosen Erfassung von AU-Meldungen führt. Das war vorher insbesondere bei leichteren bzw. kurzzeitigen Erkrankungen nicht immer der Fall. Daher ist erst seit 2022 von einer vollständigen Datenbasis auszugehen.
Krankheitstage ohne ärztliche Bescheinigung sind in den AOK-Daten weiterhin nicht enthalten.
Welche Erkrankungsgruppen verursachen die meisten Fehltage?
Die meisten Fehltage wurden 2024 durch Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems verursacht (654 Fehltage je 100 Versicherte). Danach folgten Krankheiten des Atmungssystems mit 471 Fehltagen je 100 Versicherte. An dritter Stelle kommen Psychische und Verhaltensstörungen mit 424 Tagen je 100 Versicherte. Letztere kommen deutlich seltener vor als Atemwegsinfekte, sie dauern aber im Schnitt wesentlich länger, so dass daraus ebenfalls eine hohe Anzahl an Fehltagen resultiert.
Welche Faktoren haben Einfluss auf die Krankenstand-Statistik?
- Die Vollständigkeit der übermittelten AU-Bescheinigungen
- Neue Erreger, die zu zusätzlicher Krankheitslast führen
- Nachholeffekte nach der Pandemie
- Geänderte Sensibilität im Umgang mit Erkrankungen (mehr Vorsicht für Eigenschutz und Rücksicht auf Fremdschutz)
- Steigendes Durchschnittsalter der Beschäftigten (2002: 38,9 Jahre; 2022: 42,2 Jahre)
- Konjunkturelle Entwicklung
Welche Auswirkungen hat die telefonische Krankschreibung?
Die telefonische Krankschreibung ist für bis zu 5 Kalendertage möglich, sofern es sich um eine leichte Erkrankung handelt und die Patientin oder der Patient in der jeweiligen Arztpraxis bereits bekannt ist. Besteht die telefonisch festgestellte Erkrankung fort, muss die Patientin oder der Patient für die Folgebescheinigung der Arbeitsunfähigkeit liegt nach der Definition des Gemeinsamen Bundesausschusses dann vor, wenn der Versicherte aufgrund… die Arztpraxis aufsuchen.
Nach bundesweiten Betrachtungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Möglichkeit der telefonischen Krankschreibungen und der Höhe der Krankenstände. Bundesweit wurden 2024 bei den AOK-versicherten Beschäftigten bei Atemwegserkrankungen lediglich in 145.000 Fällen telefonische Krankschreibungen von Ärztinnen und Ärzten abgerechnet – das entspricht einem Anteil von 1,5 Prozent. Für systematischen Missbrauch der telefonischen Krankschreibung sieht das Institut daher keinerlei Anzeichen.
Positive Effekte der telefonischen Krankschreibung sind eine deutliche Entlastung der Arztpraxen und eine verminderte Infektionsgefahr für alle Patientinnen und Patienten.
Wie häufig sind Arbeitnehmer krank und wie lange dauert eine AU im Schnitt?
Eine Analyse der AU-Fälle und AU-Tage (Tabelle 1) belegt ebenfalls den o.g. sprunghaften Anstieg von 2021 auf 2022 sowie ein konstantes Niveau in den Folgejahren. Ein Fall bezeichnet dabei eine einzelne abgeschlossene AU. Wenn eine Person in einem Jahr mehrmals krankgeschrieben ist, würde er oder sie somit mehrere Fälle in der Statistik belegen. Die Zahl der gemeldeten AU-Fälle lag im Jahr 2021 bei 163 Fällen je 100 Versicherte. Das entspricht 1,63 Fällen pro Person, während es 2025 rund 2,36 Fälle waren.
Die Einführung der eAU und die dadurch veränderte Datenerfassung zeigt sich auch in der Kennzahl „AU-Tage je Fall“, die konstant rückläufig ist. Dies ist ein weiterer Indikator dafür, dass seit Einführung der eAU insbesondere die kurzen Arbeitsunfähigkeiten häufiger an die Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… gemeldet werden und dadurch die durchschnittliche Falldauer sinkt.
Durchschnittlich dauerte eine AU 2025 rund 10,1 Tage, während es 2021 noch 12,6 Tage waren. Der Anteil der Langzeitfälle von mehr als 6 Wochen und Krankengeldbezug ist mit 3,3 Prozent bzw. 3,4 Prozent seit 2022 konstant, während der Anteil 2021 noch bei 4,8 Prozent lag.
| Kennzahlen/Kalenderjahr | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025* |
| AU-Fälle je 100 VJ | 163,0 | 235,2 | 237,7 | 238,1 | 235,9 |
| AU-Tage je 100 VJ | 2.047,3 | 2.574,2 | 2.478,3 | 2.452,1 | 2.392,8 |
| AU-Tage je Fall | 12,6 | 10,9 | 10,4 | 10,3 | 10,1 |
| Anteil der Fälle mit AU-Dauer > 6 Wochen | 4,80 | 3,30 | 3,30 | 3,30 | 3,40 |
| Krankenstand gesamt | 5,7% | 7,0% | 6,8% | 6,7% | 6,6% |
| * bis einschl. November |
Tabelle 1
Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung
Die AOK Niedersachsen unterstützt Unternehmen und Organisationen mit maßgeschneiderten Programmen zur Gesundheitsförderung ist ein fortlaufender Prozess mit dem Ziel, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über… – sowohl digital als auch in Präsenz. Angeboten werden u.a. Workshops, Seminare oder Online-Training. Informationen unter www.aok.de/fk/nds/gesunde-arbeitswelt.