Pressemitteilung

„Broschüren lesen reicht nicht“

12.03.2026 AOK Hessen 4 Min. Lesedauer

AOK-Mediziner aus Hessen verrät, was Gesundheitskompetenz ausmacht / Gezielte Fragen helfen immer

Portträtfoto: Dr. Christoph-Gerard Stein, Mediziner bei der AOK Hessen, aufgenommen vor einer Reihe Bäumen.
Dr. Christoph-Gerard Stein

Dr. Christoph-Gerard Stein ist langjähriger Mediziner bei der AOK Hessen und beschäftigt sich mit Versorgungsfragen, Leitlinien, neuen Therapieformen und der aktuellen Studienlage. In diesem Interview geht es um Gesundheitskompetenz. Sie kann erheblich dazu beitragen, dass schneller die richtige Therapie eingeleitet wird und die Gesundung schneller voranschreitet.

Wann besitzt man Gesundheitskompetenz? 

Stein: Jemand ist in der Lage, Informationen zur eigenen Gesundheit zu finden, zu verstehen, kritisch zu bewerten und für Entscheidungen zu nutzen. Das ist eine ganze Menge. Es reicht also nicht, Broschüren zu lesen, sondern auch zu wissen: Wann muss ich wirklich in eine Praxis, wann sollte der Rettungsdienst In Notfällen gewährleistet der Rettungsdienst lebensrettende Maßnahmen und den Transport kranker und… kommen? Welche Vorsorge Für die medizinische Vorsorge und die Rehabilitation gilt der Grundsatz ambulant vor stationär – das… ist sinnvoll? Und welche Frage sollte ich stellen, wenn ich etwas nicht verstehe?

Wo gibt es im Praxisalltag die größten Missverständnisse?

Stein: Es gibt sie ständig. Viele Patientinnen und Patienten warten entweder zu lange – oder sie kommen wegen Bagatellen sofort in die Notaufnahme. Häufig fehlt ein Gefühl dafür, was dringend ist und was nicht. Ein weiterer Punkt: Symptome werden unvollständig geschildert, wichtige Medikamente oder Vorerkrankungen nicht erwähnt. Das erschwert die richtige Einschätzung enorm.

Wie kann man sich denn besser auf eine Untersuchung vorbereiten?

Stein: Schriftlich. Beschwerden notieren, Fragen aufschreiben – das hilft sehr. Seit wann treten Beschwerden auf, wie stark sind sie, wodurch werden sie besser oder schlechter? Außerdem lohnt es sich immer, eine Medikamentenliste mitzubringen, auch die Dosierung anzugeben. Nahrungsergänzungsmittel sollten dabei nicht unter den Tisch fallen.

Inwieweit sollte man auch zum eigenen Lebensstil Auskunft geben?

Stein: Das hilft immer. Dabei sollte man unbedingt ehrlich sein. Auch bei Themen wie Rauchen, Alkohol oder Bewegung. Durch die Ärztin oder den Arzt Die ärztliche Berufsausübung, die Ausübung der Heilkunde, setzt nach der Bundesärzteordnung… erfolgt ja ohnehin keine moralische Bewertung. Allerdings ist das medizinisch relevant.

Viele Menschen recherchieren vorab im Internet. Fluch oder Segen?

Stein: Beides. Informierte Patientinnen und Patienten können sehr gute Fragen stellen. Problematisch wird es, wenn Einzelfälle aus Foren als allgemeine Wahrheit verstanden werden. Mein Rat: Seriöse Quellen nutzen, zum Beispiel Angebote öffentlicher Institutionen oder großer Fachgesellschaften, und gefundene Informationen im Termin aktiv ansprechen: „Ich habe gelesen, dass … – trifft das auf mich zu?“

Wo machen Menschen Fehler bei der Prävention?

Stein: Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… wird oft auf einzelne Maßnahmen reduziert – etwa einmal im Jahr zur Vorsorge gehen. Dabei ist der Alltag entscheidend: regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressreduktion. Ein häufiger Irrtum ist auch: „Wenn ich mich gut fühle, brauche ich keine Vorsorge.“ Gerade Vorsorgeuntersuchungen sind ja dafür da, Probleme früh zu erkennen, bevor man etwas merkt.

Nicht immer wird auf Anhieb verstanden, was die Ärztin oder der Arzt gerade gesagt hat. Oder es wird vergessen. Wie kann man sich da helfen?

Stein: Kommunikation ist in der Medizin zentral. Wer etwas nicht verstanden hat, sollte nachfragen. Ein einfacher Satz hilft: „Können Sie das bitte noch einmal in einfachen Worten erklären?“ Außerdem empfehle ich, die Therapie am Ende kurz zusammenzufassen: „Habe ich richtig verstanden, dass ich das Medikament morgens und abends nehme?“ So lassen sich Missverständnisse vermeiden. Aus meiner Sicht wäre es sogar sehr ungewöhnlich, all diese Fragen nicht zu stellen.

Was kann man Menschen mit mehreren Erkrankungen oder vielen Facharztterminen raten?

Stein: Hier ist eine gute Koordination entscheidend. Eine feste hausärztliche Ansprechperson kann Befunde bündeln und Therapien abstimmen. Am besten führt man eine persönliche Gesundheitsmappe – digital oder auf Papier – mit Befunden, Impfstatus und Medikamentenplan. Das verhindert Doppeluntersuchungen und gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten.

Wenn Sie drei konkrete Tipps für mehr Gesundheitskompetenz nennen müssten: Welche wären das?

Stein: Immer aktiv nachdenken, nachhaken, es sich gut erklären lassen. Ansonsten macht man Fehler. Es ist wichtig zu wissen, was mit einem passiert, welches Verhalten meiner Gesundheit hilft. Dann muss man Eigenverantwortung im Alltag übernehmen. Kleine, konsequente Gewohnheiten sind wirksamer als kurzfristige Radikalkuren. Vor allem aber: Kontinuität schaffen. Keine hektischen Einzelaktionen, sondern regelmäßige Vorsorge gehören dazu.

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