Pflege als Traumberuf
Empathie-Award Pflege der AOK Hessen vergeben
Der Empathie-Award Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen trifft mal wieder die richtigen. Vier ganz besonders engagierte Menschen wurden jetzt von der AOK Hessen ausgezeichnet. Die Preise haben einen Wert von insgesamt 6.000 Euro.
Das Konzept ist einfach: Man soll anhand konkreter Beispiele erzählen, was gut läuft in der professionellen Pflege – insbesondere auf der menschlichen Ebene. Teilnehmen können Betroffene, Angehörige, Kolleginnen und Kollegen. Sie nominieren einen bestimmten Menschen, skizzieren Pflege-Situationen und zeigen, warum er oder sie nicht nur ihr Handwerk versteht, sondern besonders zugewandt ist. Im Spätherbst wird traditionell eine Auswahl getroffen, seit acht Jahren schon ist das so. Mal wieder zeigt sich: Pflege kann ein Traumberuf sein. Die Gewinnerinnen und der Gewinner kommen aus Lampertheim, Oberursel, Zierenberg und Neu-Isenburg.
In Würde gehen
Da wäre Cornelia Hinrichs aus Lampertheim. Seit 2002 arbeitet sie im Alten- und Pflegeheim Mariä Verkündigung. Bereits als Jugendliche hat sie aushilfsweise in einer Klinik ausgeholfen. Heute ist sie für drei Stationen mit etwa 36 Bewohnerinnen und Bewohnern verantwortlich. „Man muss Feingefühl besitzen für diesen Beruf. Alte Menschen verhalten sich anders. Und es geht darum, ihnen ein Zuhause zu bieten.“ Ihr ginge es vor allem darum, dass die Menschen in Würde gehen können.
Auch die kleinen Dinge zählen
Seit 2007 pflegt Dagmar Schreck in Oberursel und leitet ebenfalls einen kompletten Wohnbereich. Die 61-Jährige hat dort ein separat eingezäuntes Gartenstück samt Rundweg konzipiert, damit die dementen Menschen mehr draußen sein können. Außerdem dekoriert sie gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern den Bereich jahreszeitlich, bastelt mit ihnen, geht sogar manchmal für sie einkaufen. Auch für Näharbeiten und das Flicken von Kleidern ist sie zu haben. „Ich habe ein Auge auch für kleinen Dinge. Wenn mal ein Schuh nicht richtig sitzt, die Person das aber nicht beheben kann, helfe ich aus. Solche Kleinigkeiten gibt es ständig“, erzählt sie.
Von den Ressourcen ausgehen
In den 90er-Jahren lernte der gelernte Werkzeugmacher Silvio Zschaage im Zivildienst den Pflegeberuf kennen – und er blieb, machte eine Ausbildung, begann seine Karriere „in einem zutiefst erfüllenden Beruf“, wie er selbst sagt. Er setzt auf das Prinzip der Salutogenese. „Ich schaue immer, welche Ressourcen ein Mensch noch hat und nicht, wie krank er ist“, fasst er zusammen. Insbesondere die dementen Bewohnerinnen und Bewohner werden immer jünger. Auffallend viele hätten keine Angehörigen. Zschaage arbeitet in Zierenberg.
Putzaktion außer der Reihe
Und jetzt noch eine Ausnahme. Denn die vierte Gewinnerin ist gar keine Pflegefachkraft. Derya Sahin macht Termine, organisiert Krankentransporte, besucht Menschen, die ins Pflegeheim wechseln mussten, geht für sie einkaufen. Seit 2018 ist sie in Neu-Isenburg tätig. Ihre außergewöhnliche Hilfsbereitschaft ging vor einigen Monaten sogar besonders weit. Ein Endfünfziger wurde in seiner verwahrlosten Wohnung nach einem Schlaganfall durch seinen Betreuer aufgefunden. Dieser rief direkt beim Pflegedienst an und bat um Hilfe. Organisiert wurde nicht nur ein vierstündiger Putzmarathon, Derya Sahin startete sogar eine Spendenaktion auf Facebook, um dem Mann zu helfen.