Selbstverwaltung angemessen berücksichtigen
Persönlichkeiten aus dem ganzen Land engagieren sich ehrenamtlich in der Selbstverwaltung der AOK Hessen. Monatlich bezieht bei „Nachgefragt“ ein Mitglied des Verwaltungsrates Stellung. Dieses Mal kommt Stefan Hoehl zu Wort, Vorsitzender auf Arbeitgeberseite.
Der 58-jährige promovierte Jurist Stefan Hoehl ist seit Dezember 2014 alternierender Vorsitzender des Verwaltungsrates der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen aufseiten der Arbeitgeber. Seit 2015 ist er Geschäftsführer Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) in Frankfurt, bereits ab 2008 war er in diesem Geschäftsbereich als Referent tätig. Von 2002 bis 2008 war er zunächst Referent und dann stellvertretender Leiter der Abteilung Arbeitsmarkt bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände in Berlin. Zuvor war er bei der damaligen Bundesanstalt für Arbeit in Hameln, Nürnberg und Hannover tätig. Auch im ehrenamtlichen Vorstand der Deutschen Rentenversicherung Hessen ist er alternierender Vorsitzender.
Wie sehen Sie die Rolle der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen und was wünschen Sie sich für deren Zukunft?
Die Beitragszahler, also Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sind Zahler und Nutznießer von Leistungen der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… . Deshalb bestimmen sie über wesentliche Fragen der Finanzierung und der Organisation. Dies stärkt den Interessenausgleich, aber auch die Legitimation der Entscheidungen von Kranken- und Pflegekassen. Das Selbstverwaltungsmodell garantiert weitgehende Unabhängigkeit von Politik- und Staatseinfluss sowie langfristig sachgerechte Entscheidungen. Die soziale Selbstverwaltung hat gegenüber Politik und Gesetzgeber auch eine Wächterfunktion für die ordnungsgemäße Verwendung ihrer Beiträge. Das ist aktuell wichtiger denn je: In der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sind ausgabendämpfende Strukturreformen dringend erforderlich, um die sich immer weiterdrehende Beitragssatzspirale zu durchbrechen und vom derzeitigen Allzeithoch wieder zurück auf 40 Prozent Gesamtsozialversicherungsbeitrag Die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung werden bei… zu kommen.
Das Jahr 2026 kann zu einem Schlüsseljahr für Reformen werden. Aus unserer Sicht gehören die Verantwortung für Finanzierung und Gestaltung in eine Hand. Nur über vom Gesetzgeber deutlich erweiterte Handlungsspielräume für die GKV und Selbstverwaltung bei Selektivverträgen, Ausschreibungen und Preisverhandlungen gewährleisten wir eine wirtschaftliche Gesundheits- und Pflegeversorgung.